11. Das Beethoven-Gymnasium von den 80er Jahren bis zum Beginn des neuen Jahrtausends:

„Aus Tradition modern“

 

11.1 Schulleiterwechsel

Nach Dr. Seidlers vorzeitiger Pensionierung im Sommer 1984 ließ die Neubesetzung länger auf sich warten, während der Schulbetrieb unter der fachkundigen Leitung des Stellvertreters, Dr. Alfred Schmitt, seinen gewohnten Verlauf nahm. Dem gleichwohl gespannten und erwartungsvollen Kollegium dichtete der wissende Gymnasial-Nikolaus im Dezember 1984: „Kollegen wallten nach Altötting, Gebetserhörung Doktor Kötting“. Das bestätigte auch ein Ausschnitt des General-Anzeigers vom 6. Dezember 1984 am Schwarzen Brett allen Neugierigen. Eine Kurzbiographie Dr. Helmut Köttings ließ sich schnell beschaffen: Studium in Köln und Bonn in Romanistik und Geschichte, als Verwaltungsoberstudienrat am Merian-Gymnasium in Krefeld zuständig für den Vertretungs- und Stundenplan, als Projektleiter Einführung der Reformierten Oberstufe in der zweiten Versuchsreihe, seit 1976 Stellvertreter des Schulleiters. Die zwischen Düsseldorf und Köln aufgeteilte Schulbürokratie brauchte die übliche gestreckte Zeit, bis schließlich am 15. April 1985, am ersten Tag nach den Osterferien, die offizielle Einführung erfolgen konnte, – mit einem Empfang durch Kollegium und Elternschaft in herzlicher Offenheit und ansteckender Freundlichkeit, bei gleichzeitiger Verkostung des 84er – Rheinauenweines, dessen ruhiger Charakter und abgerundeter Geschmack nachhaltig wirken sollte.

Für Kötting ergab sich aus der Leitung des ältesten Bonner Gymnasiums die Verpflichtung, an die Tradition anzuknüpfen als die Quelle, „aus der man Kraft, Sicherheit und Leitlinien für ein gesichertes Handeln schöpfen“ könne, um einen „liberalen, weltoffenen“ und zukunftorientierten Geist zu pflegen: „Aus Tradition modern“ sollte von Anbeginn an die Leitlinie zur Gestaltung allen Schullebens werden. Selbstverantwortliches Handeln verlange von den Schülerinnen und Schülern, sich den Herausforderungen beherzt und verantwortungsbewusst zu stellen und aufrichtig, tolerant und offen gegenüber ihren Mitmenschen zu bleiben; so erfahre auch „Fortiter ac Sincere“ („stark werden und natürlich bleiben“), das Motto über dem Hofeingang des neuen Gebäudes von 1891, seine aktuelle Bedeutung.

Und nun wohl auf, meine lieben Schüler!“, wie der damalige Schulleiter Buschmann nach der Einweihung des Hauses, hätte Kötting – anlässlich seiner Vorstellungsbesuche am zweiten Tag – beim erstmaligen Betreten der Räume den Klassen zurufen können, – er unterließ es in der Ansicht, sie hätten ein Recht, sich zunächst ein eigenes Urteil zu bilden. Da war ihm doch lieber das Chronogramm des Jahresberichtes 1984/85 das Leitmotiv seines Handelns:

IVVENTVTI   CONFIDAMVS

SENESCENTE   SAECVLO

PECTVS   PETIT   RATIO

(1985)

(„Laßt uns der Jugend vertrauen, wenn auch das Jahrhundert altert. Das fordert die Vernunft – und auch das Herz“ – Dr. H. J. Frings).

 

Gleich zu Beginn hatte der neue Schulleiter den Auftrag des Kollegiums verinnerlicht, den der „Chefchronogrammierer“ an das Schwarze Brett geheftet hatte:

SALVE

DR   KOETTING

IN   ANNALIBVS

GYMNASII   BEETHOVENIENSIS

PAGINAS   NOVAS                                                        

INSCRIBERE

FELICITER

INCIPIAS

(1985)     (Dr. H. J. Frings)

 

Das mehrdeutige „feliciter“ wollte Kötting lieber einer nachfolgenden Beurteilung unterzogen wissen. Es galt, den Charakter der Sprachenschule zu erhalten, wie er sich den fundamentalen Veränderungen in der 70er Jahren angepasst hatte, gleichzeitig der naturwissenschaftlichen Bildung größere Bedeutung zu verleihen und den Einstieg in das „Computer-Zeitalter“ in gymnasialer Weise zu vollziehen. Der Kanon des bisherigen schulischen und außerunterrichtlichen Bildungsangebots musste fortgesetzt und erweitert werden. Das sollte gleichzeitig mit einem Wandel im methodischen Bereich einhergehen, damit unter dem Aspekt „Fördern und Fordern“ neue Formen und Verfahren der Vermittlung im Unterricht Eingang finden konnten.

 

 

 

 

 

  • Veränderte Rahmenbedingungen für Lehrer und Schüler: Sparmaßnahmen, Lehrerversetzung, Kooperation

 

Für die Umsetzung dieser Leitlinien verschlechterten sich allerdings gegen Ende der 80er Jahre die entscheidenden Rahmenbedingungen. Die „Schülerschwemme“ ebbte ab (Gesamtschülerzahl von 914 (1985) auf 780 (1991)), und die Konkurrenz zwischen den privaten und öffentlichen Gymnasien Bonns um „Schülernachwuchs“ (1986: 132 Erstklässler; 1991: 69) verschärfte sich seit Beginn der 90er Jahre. Die für die Berechnung der Lehrerstellen wichtige Zahl der Oberstufenschülerinnen und -schüler verringerte sich am Beethoven-Gymnasium zunehmend, zumal die Schule wegen ihres Profils fast keine Übergänge aus anderen Schulformen in die Stufe 11 zu verzeichnen hatte. Das führte zu Lehrer-, Klassen- und Kurs„überhängen“, denn die Landesregierung hatte drastische Sparmaßnahmen vorgenommen, die Klassenstärke angehoben, auf Verringerung des Kursangebots und Vergrößerung der Kurse der Oberstufe gedrängt (verpflichtende Vorlage des Entwurfes der Unterrichtsverteilung für die 2. Hälfte der Stufe 11 beim Dezernenten wegen evtl. Streichungen oder Zusammenlegungen) sowie eine Kooperation zwischen den Gymnasien vorgeschrieben (ohne Rücksicht auf Reibungsverluste und die verschiedenartigen Umsetzungen der Oberstufenreform). Trotz wachsender Zahl arbeitsloser Junglehrer blieben Neueinstellungen dem Beethoven-Gymnasium – angesichts errechneter Überhänge – über 15 Jahre lang verwehrt. Zwischenschulische Versetzungen konnten letztlich Lücken in den Mangelfächern (z. B. Naturwissenschaften, Musik, Kunst, Mädchensport) nicht füllen.

 

Schließlich drohten erstmalig nach dem Krieg Zwangsversetzungen (in den 80er Jahren hatte das Kollegium noch über 70 Mitglieder, in den 90er Jahren nur zwischen 59 und 64). Im Juni 1987 wurde ruchbar, dass sechs auswärtige Kolleginnen und Kollegen, z. T. mit Überhangfächern (für das betreffende Fach gab es mehr Lehrer als der errechnete Bedarf), nach den Sommerferien am Beethoven-Gymnasium unterrichten, während gleichzeitig „3,2“ (!!) Lehrer des Beethoven-Gymnasiums mit z. T. eben diesen Überhangfächern „zwangs“versetzt würden. Eine solche Logik wollte sich dem Schulleiter nicht so recht erschließen. Er legte dezidierten Einspruch bei der vorgesetzten Behörde ein, die ihm postwendend eine heftige Rüge für sein „unakzeptables Vorgehen“ erteilte mit der Auflage, den Vorgang dem Kollegium und dem städtischen Schulamtsdirektor bekannt zu geben. Gleichzeitig sollte die Dezernentin der Schule Kötting über „Rechte und Pflichten von Schulleitern in den sensiblen Fragen der Lehrerversetzung“ aufklären.

Bevor dieser Behördenvorgang abgeschlossen war, versammelten sich Kollegium und Schülerschaft zu einer Protestdemonstration gegen Zwangsversetzungen auf der Adenauerallee vor dem Schulgebäude. Ca. 5000 Teilnehmer aus allen Kollegien sowie Schüler- und Elternkreisen Bonns machten sich bei strömendem Regen am 15. Juni 1987 zu einer Großdemonstration in der Stadt auf. Die Schulpflegschaft des Beethoven-Gymnasiums hatte zu einer Protest-Briefaktion aufgerufen und konnte 4000 Unterschriften (640 allein vom Beethoven-Gymnasium) vorweisen, die am 16. Juni von SV-Vertretern der Bonner Schulen im Düsseldorfer Kultusministerium übergeben wurden. Das reichte seinerseits den Vorgang „nach unten“ durch und veranlasste den Versetzungsdezernenten zu der scharfen Reaktion über Köttings Einspruch. Mit den Sommerferien beruhigten sich die Gemüter, der Schulleiter nahm die sechs neuen Kollegen freundlich auf, der Lehrerüberhang blieb, ein Ausgleich in Mangelfächern unterblieb ebenso wie eine Zwangsversetzung; es kam allenfalls zu kurzfristigen Abordnungen.

 

Dafür pochte die Behörde auf Durchführung einer Kooperation der Bonner Gymnasien in der Oberstufe, auch wenn dem Zwänge unterschiedlicher Stundenpläne entgegenstanden. Ein von der Schule des Vorsitzenden der Bonner Direktorenkonferenz vorgeschlagenes einheitliches Oberstufensystem lehnte Kötting kategorisch ab, da seine Praktizierung die Aufgabe des seit Ende der 70er Jahre bewährten Beethoven-Modells bedeutet hätte. So kam es in den 90er Jahren nur zu einer engeren Zusammenarbeit (meistens) zweier, in der Regel benachbarter Gymnasien. Bei gleichen Pausenzeiten (und der späteren Einführung einer zweiten großen Pause) schloss das Beethoven-Gymnasium am 2. Februar 1988 einen Kooperationsvertrag mit dem zwar entfernten, aber mit der U-Bahn gut erreichbaren Tannenbusch-Gymnasium nach dem Grundsatz: „So viel Kooperation wie nötig, so wenig Veränderung des eigenen Systems wie möglich“. Die Schülerinnen und Schüler des Tannenbusch-Gymnasiums nahmen am LK Französisch des Beethoven-Gymnasiums teil (die Stunden lagen am Rande des Stundenplanes bei einem ca. 20minütigen Weg). Im Bedarfsfall bemühten sich beide Schulen, dass Interessenten für den Leistungskurs Chemie zum Tannenbusch-Gymnasium gehen konnten. Später nahmen auch gelegentlich Schülerinnen und Schüler des Beethoven-Gymnasiums am GK Italienisch neu beginnend in Tannenbusch teil. Ein Lehrer des Tannenbusch-Gymnasiums hielt häufig den Zentralkurs für Hebräisch an der Adenauerallee ab. Die Klausuren und Abiturprüfungen fanden an der Schule statt, an der die Kurse eingerichtet waren.

 

Im Leistungskursbereich gleichzeitig Latein und Griechisch anzubieten, entwickelte sich bald für das Beethoven-Gymnasium als Hindernis, da sich die Interessenten beider Sprachen gegenseitig eine hinreichende Teilnehmerzahl abspenstig machten. Außerdem erwies sich die normative Kraft des Faktischen als so stark, dass nach Erreichen des Latinums in Stufe 11 immer weniger Schülerinnen und Schüler die Sprache bis zum Abitur weiterführen wollten. Im Einverständnis (schweren Herzens) mit der Fachkonferenz Alte Sprachen entschied sich die Schulleitung für das alleinige Angebot eines LK Griechisch (der im „Huckepack“-Verfahren den Grundkurs integrierte, d.h. dessen Teilnehmer nahmen an drei Stunden des Leistungskurses teil, der in den restlichen zwei Stunden seine Inhalte erweiterte oder vertiefte). Dieses Angebot hat sich bis heute fest etabliert und entwickelte sich bald zum Alleinstellungsmerkmal unter den öffentlichen Gymnasien Bonns.

Zur Fortführung eines Lateinkurses bis zum Abitur (oder gar zu einer evtl. Teilnahme an einem Leistungskurs) wurde schließlich am 25. Februar 1988 eine Kooperation mit dem Clara-Schumann-Gymnasium vereinbart (unter ähnlichen Bedingungen wie mit dem Tannenbusch-Gymnasium): Ausgehend vom bisherigen Wahlverhalten sollte am Beethoven-Gymnasium ein Leistungskurs Griechisch und am Clara-Schumann-Gymnasium ein Leistungskurs Latein angeboten werden. Der Weg zwischen beiden Schulen betrug ca. 8 – 10 Minuten, so dass die Kurse nur wenige Minuten versetzt zum Normalplan beginnen bzw. enden konnten. Fehlende Schülerwahlen führten allerdings nicht zu einer Umsetzung der Kooperation im Leistungskursbereich. Wegen Lehrermangels am Beethoven-Gymnasium gingen dafür die Interessenten für GK Italienisch-„Neu“ in der Stufe 11 später auch zum Clara-Schumann-Gymnasium. Als ab Mitte der 90er Jahren die Schülerzahlen wieder stark zunahmen und sogar Neueinstellungen von den Schulen selbst vorgenommen werden konnten, erledigte sich meistens die Kooperation von selbst.

 

Seit 1992 stieg die Gesamtschülerzahl stetig an – von ca. 800 auf 936 (2003), wobei die Jungen immer einen ganz leichten Überhang von 10 bis 20 gegenüber den Mädchen hatten, während im Kollegium zwei bis vier Damen mehr als Herren für die notwendige Ausgewogenheit sorgten. Seit Mitte der 90er Jahre gab es immer vier Eingangsklassen (zwei mit Latein-, zwei mit Englischbeginn), die sich aus ca. 40 verschiedenen Grundschulen aus Bonn und Umgebung rekrutierten (nur 1998 fünf Eingangsklassen). Der ungefähr gleiche Anteil von Jungen und Mädchen führte auch hier zu einer angenehmen Ausgeglichenheit. Von den Raumkapazitäten her hatte allerdings das Beethoven-Gymnasium die diesbezüglichen Grenzen seiner Möglichkeiten längst erreicht, zumal die Schulleitung von Anfang an bemüht war, Funktionsräume für die außerunterrichtlichen Tätigkeiten bereitzustellen und die Zahl der Fachräume zu erweitern.

 

Der Sommer 1994 bedeutete für den Schulleiter einen tiefen Einschnitt in seiner bisherigen Tätigkeit: Sein Stellvertreter, Dr. Alfred Schmitt, zog für acht Jahre ins griechische Thessaloniki, um dort die Leitung der Deutschen Schule zu übernehmen. Einschließlich seiner Referendarzeit hatte er seit dem 1. Juni 1970 am Beethoven-Gymnasium gewirkt, davon 15 Jahre als Stellvertreter. Die Schule ohne ihn war für Kollegium und Kötting schwer vorstellbar, hatte er doch das von dem Schulpublikum so geschätzte Schulprofil des Beethoven-Gymnasiums entscheidend mitgestaltet und als Stellvertreter zweier Schulleiter garantiert. Darüber hinaus kannte Schmitt jeden Winkel und alle baulichen Unzulänglichkeiten des Schulgebäudes. Für die Umbauten der 70er Jahre, die Bauerhaltung und die Neueinrichtung vieler Fachräume zeichnete hauptsächlich er verantwortlich. Als Bindeglied zum Kollegium hatte er Köttings Schulleiterleben wesentlich erleichtert.

Zum Nachfolger schlug der Schulleiter den Geschäftsführer der GFF vor, einen Lehrer der Schule, der auch von Seiten der Schulkonferenz keine Gegenstimme erfuhr. Aber die politische Mehrheit im Bonner Stadtrat wollte den eindeutigen Wunsch der Schule nicht berücksichtigen und wählte einen anderen Kandidaten, dem allerdings die vorgesetzte Behörde nicht zustimmte. Um eine Ablehnung durch das Kultusministerium zu vermeiden, zog die Stadt im Frühjahr 1995 ihren Vorschlag zurück und ließ die Stelle neu ausschreiben. Die Schulkonferenz votierte bei drei Kandidaten – mit einer Gegenstimme – wieder für den Geschäftsführer der GFF.

Der Stadtrat wählte im Sommer 1995 Frau Christel Ehrhart (Kaiserin-Augusta-Schule in Köln), die Ende Oktober 1995 ihr Amt antrat. Sie hatte über 21 Jahre in Köln unterrichtet, als Jahrgangsleiterin, SV-Lehrerin und Jahrgangsstufenleiterin Funktionen ausgeübt und nebenbei auch als Moderatorin in der Lehrerfortbildung gewirkt. Der Schulleiter konnte nach der langen Vakanz ihre Hilfe und ihr Wissen gut gebrauchen, um mit Vehemenz in die Entwicklung des Schulprogramms einzusteigen. Dabei durfte er sich auch weiterhin ganz auf die 20jährige Erfahrung am Beethoven-Gymnasium des Geschäftsführers der GFF verlassen.

 

 

 

 

  • Von der Sechs- zur Fünftagewoche: 22jähriger Meinungsstreit in der Schulgemeinde

 

Die Einführung eines (partiellen oder grundsätzlichen) freien Samstags hat die Schulgremien 22 Jahre beschäftigt. Gegner und Befürworter einer solchen Samstagsregelung führten aus ihrer jeweiligen Sicht gut nachvollziehbare Argumente an, doch musste allen Betroffenen klar sein, dass für die Verschiebung der Samstagsstunden der normale Vormittag meist nicht ausreichte und die vielfältigen außerunterrichtlichen Aktivitäten zunehmend erschwert würden. Für die Einführung eines grundsätzlichen Ganztagsbetriebes fehlten sowohl der Wille aller Beteiligten als auch jegliche äußeren Voraussetzungen.

Ein erster Antrag der Schülervertretung (SV) an die Schulkonferenz im Sommer 1975 auf Einführung eines oder zweier freier Samstage wurde nach langer Diskussion zurückgezogen und einer Kommission aus der Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft zur Weiterbehandlung übertragen; das Kollegium selbst sprach sich mehrheitlich gegen den Antrag aus (18 gegen, 12 dafür bei 4 Enthaltungen). Auch die meisten Klassenpflegschaften votierten gegen einen freien Samstag und die neue SV schloss sich dem an.

Trotz der wiederholten Ablehnung der Eltern Ende 1979 entschied sich das Kollegium am 21. Oktober 1980 mit großer Mehrheit für einen freien Samstag im Monat (13 Gegenstimmen); an den übrigen Samstagen sollte Schulchor in der ersten Stunde vor dem Beginn des Unterrichts liegen. Die Schulkonferenz stimmte diesem Votum für das Schuljahr 1981/82 zu. „Nach langem Zögern wird der erste Schritt in Richtung auf die 5-Tage-Woche getan“, – so blickte der Chronist des Jahresberichtes nicht ohne Hintersinn in die hoffnungsvolle Zukunft, die dann den neuen Schulleiter schnell einholte.

Die Aussicht auf mehr Freizeit- und Lebensqualität und das Vorpreschen der meisten anderen öffentlichen Gymnasien Bonns wogen stärker als der Verlust von Unterrichtsqualität und die Einschränkung der Sportmöglichkeiten und außerunterrichtlichen Aktivitäten. Außerdem könnte bei einem zweiten freien Samstag auch der Chor freitags erst nach der 6. Stunde proben und die Mittelstufenklassen müssten auf den wöchentlichen Gottesdienst (im Albertinum) mittwochs in der ersten Stunde verzichten, wenn Nachmittagsunterricht vermieden werden soll. Solange er im Dienst sei, versicherte Kötting, werde diese Stunde für den Besuch des Gottesdienstes im Stundenplan freigehalten (Erlasslage!).

Die Meinung der Eltern war nicht mehr eindeutig (340 dagegen, 320 dafür bei 64 Enthaltungen); das Kollegium votierte am 31. Januar 1990 in geheimer Wahl mit 35 Ja – und 23 Nein – Stimmen bei 3 Enthaltungen für einen zweiten freien Samstag, den die Schulkonferenz zwei Monate später absegnete (13 Ja, 11 Nein): Seit dem Schuljahr 1990/91 wurde nur am 1. und 3. Samstag im Monat in zwei Doppelstunden unterrichtet; ein 5. Samstag musste anderweitig nachgeholt werden.

 

Zwei Jahre später stieß die Landesregierung selbst mit ihrem „Handlungskonzept“ das Tor zur „5 Tage – Woche weit auf, um das Schulleben dem allgemeinen Freizeitverhalten anzupassen. Laut Erlass vom 24. Juni 1992 sollte der freie Samstag vom nachfolgenden Schuljahr an die Regel sein, wenn nicht die Schulkonferenz die Beibehaltung von nur zwei freien Samstagen ausdrücklich beschließen würde. Als Rahmenbedingungen waren vorgegeben: vormittags höchstens 6 Stunden, 60 Minuten Mittagspause (Aufenthaltsraum, einfache Mahlzeit, Aufsicht als Voraussetzung), bei mehr als einer Stunde Nachmittagsunterricht keine Hausaufgaben für den folgenden Tag, Klassenarbeiten nur vormittags. Die Bonner Direktorenkonferenz lehnte eine solche Lösung ohne räumliche und sächliche Ausstattung der Schulen ab, ebenso das Kollegium des Beethoven-Gymnasiums (37 gegen, 13 dafür, 7 Enthaltung). Dessen Schulkonferenz stimmte am 21. Juni 1993 ausdrücklich für die Beibehaltung der zwei freien Samstage (16 dafür, 7 dagegen bei 1 Enthaltung).

 

In den folgenden zwei Jahren wurde jedoch der Anpassungsdruck immer größer, so dass die SV von der Schulkonferenz die Aufhebung dieses Beschlusses forderte und von ihr auch mit 13 Zustimmungen (bei 10 Gegenstimmen und einer Enthaltung) erreichte. Die Lehrerkonferenz vom 14. Februar 1996 plädierte mit 29 zu 17 (7 Enthaltungen) für die 5 Tage – Woche, die jedoch die nächste Schulkonferenz vom 17. Juni 1996 ablehnte. Nur ein halbes Jahr später nahm die neue Schulkonferenz (in anderer Zusammensetzung) den Antrag der SV an, ein zweites Verfahren zur Aufhebung der 6 Tage – Woche einzuleiten, und stimmte am 17. März 1997 mit 20 zu 4 Stimmen für die Einführung der 5 Tage – Woche ab Schuljahr 1997/98 – mit dem Auftrag, die – allerdings vorhersehbaren – Auswirkungen auf 7. und 8. Stunden zu überprüfen.

Die bald folgende Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (2013 letztes Jahr Abitur nach 9 Jahren und erstes Abitur nach 8 Jahren) und die damit einhergehende Erhöhung der Wochenstundenzahlen in den meisten Klassen (ohne jegliche Vor- und Fürsorge bei der Schaffung einer schulischen Infrastruktur für einen Ganztagsbetrieb) warfen noch einmal ein ganz anderes Licht auf die erfolglosen Bemühungen von Schulleitung sowie Teilen des Kollegiums und der Elternschaft, die 5 Tage – Woche unter den damaligen Bedingungen abzulehnen.

 

11.4 Neue Räumlichkeiten für die Schüler

 

Gleich nach seinem Amtsantritt konnte Kötting das Schulamt dafür gewinnen, die Lehrerbibliothek durch Umbaumaßnahmen so zu gestalten, dass in einem größeren Mittelraum für die Oberstufe die Möglichkeit sich bot, den reichlich vorhandenen Bücherbestand zu nutzen. Der abgetrennte „Deutschfachraum“ diente als Refugium für das Kollegium und nur zur Ausleihe von Büchern. Trotz Bedenken im Kollegium startete die Versuchsphase; eine freiwillige gelegentliche Aufsicht sollte für notwendige Ruhe sorgen und den Schwund des Inventars verhindern. Bei der Ausgabe der geringen Etatmittel wurde darauf geachtet, für das selbstständige Arbeiten und den Unterricht zu gebrauchende Bücher anzuschaffen. An die Unterrichtenden erging die Bitte, die Kurse mit Arbeitsaufträgen von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung zu überzeugen. Eine Kollegin stiftete eine überregionale Tages- sowie eine Wochenzeitung; ein städtischer Mitarbeiter im Rehabilitationsprogramm konnte für den Katalog und die Ausleihe gewonnen werden. Die häufige Bitte des Bibliothekars auf den Konferenzen um mehr freiwillige Aufsichten verweisen auf das wichtigste Desiderat, ansonsten war die Benutzung der Bibliothek durch die Oberstufe zur Selbstverständlichkeit geworden.

 

Im Schuljahr 1987/88 wurde ein ehemaliger Abstellraum (mit hoch liegenden Fenstern) so umfunktioniert, dass dort eine Schülerbücherei für die Unter- und Mittelstufe entstand. Eine Sonderaktion von angesprochenen Eltern erbrachte das notwendige Geld für die Einrichtung und Erstbestückung, die „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ legte noch einmal kräftig für die Raumgestaltung dazu. Selbst von den spärlichen jährlichen Etatmitteln konnten interessante und lesenswerte Bücher angeschafft werden. Schülermütter (!) führen seither zu bestimmten Zeiten die Aufsicht und regeln die gerne genutzte Ausleihe der ständig aktualisierten Bestände.

 

Die Oberstufe drängte auf einen freundlicher gestalteten Aufenthaltsraum. Dem stellvertretenden Schulleiter gelang es, von der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ einen beachtlichen Zuschuss zu bekommen, und die „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ legte noch gehörig dazu. Seine „Drogen“gruppe (Schüler-, Eltern- und Lehrergremium zur Suchtprophylaxe und Beratung bei Suchtproblemen) errichtete dann mit Hilfe einer Schreinerfirma und des Hausmeisters eine Teppichbodenlandschaft für die pausenbedürftige Oberstufe und malte den Raum nach Art der naiven Malerei Rousseaus aus. Wegen einer entsprechenden Darstellung kam dann sehr schnell der Name „Tarzanraum“ für das „Aquarium“ auf. Den Seiten(raucher)raum hatte bereits ein Jahr vorher ein Schüler der Stufe 11 mit kühnen Grafitti geschmückt. Seit Ende 1988 eroberte sich die Oberstufe sofort „ihren“ Ruhe- und Aufenthaltsraum, neidvoll von den älteren Mittelstufenschülerinnen und -schülern beobachtet durch das „Yellow-Submarine“ als Hintergrundmalerei auf der Glaswand zum Verwaltungstrakt.

Schon aus hygienischen Gründen musste zu Beginn des neuen Jahrtausends eine Säuberung und Restaurierung des Teppichbodens erfolgen. Fachleute sorgten für die Maler- und Tischlerarbeiten sowie die Teppichbodenverlegung auf dem belassenen Landschaftsboden; der Kunstkurs übernahm die künstlerische Ausgestaltung. Die Damen der „Cafeteria“ in der Nachbarschaft des Aufenthaltsraumes und die „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ beglichen großzügigerweise die beträchtlichen Kosten für den im Sommer 2002 eingeweihten, sehr gepflegten Erholungs- und Springstundenraum der Oberstufe.

 

Mit Förderung der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ und Geldern, die die SV aus Überschüssen ihrer Schulpartys stiftete, konnten Holzbänke zum Verweilen auf dem Schulhof aufgestellt werden. Die niedrige Mauer vor den Fahrradständern erhielt eine Holzabdeckung als gerne benutzte Sitzgelegenheit. Drei steinerne Tischtennisplatten boten den Unterstufenschülerinnen und -schülern genügend Bewegungsmöglichkeiten, während sie von der Oberstufe bei schönem Wetter zu Ruheliegen umfunktioniert wurden. Das Aulafoyer lud mit neuen Tischen und Stühlen zum Aufenthalt, Kartenspielen, Erzählen und Arbeiten während der Freistunden und in den Regenpausen ein.

 

Die Oberstufe hatte sich gerade an das einladende „Aquarium“ in den Pausen und Freistunden gewöhnt, als sie nun auch darauf drängte, in der früheren Hausmeisterloge eine Art Mini-Kiosk oder Cafeteria in eigener Regie zu betreiben – möglichst unter Mithilfe aus dem Kollegenkreis. Letztlich scheiterte der Versuch an einer verlässlichen Kassenführung. Der Schulleiter wandte sich daher an die Eltern, denn die suchten seit Beginn der 90er Jahre nach einer Alternative zum Kiosk auf dem Schulhof, vor allem nach einer Einrichtung, die gesunde und preiswerte Kost anbot für die Freistunden und zur Überbrückung des zunehmenden Nachmittagsunterrichts (freier Samstag, Kooperation, Oberstufensystem, außerunterrichtliche Aktivitäten). Von der Schulleitung von Anfang unterstützt und begleitet, erklärten sich Mütter bereit, in der zur „Cafeteria“ umfunktionierten ehemaligen Hausmeisterloge ehrenamtlich um die Mittagszeit für die Schülerinnen und Schüler Brötchen in jeder Form zu schmieren. Eine regelrechte Küche hielt schnell Einzug, mit Herd, Arbeitsplatten und Kühlschrank. Der Raum vor der Durchreiche lud mit seinen Tischen und Stühlen und seiner Dekoration zum Verweilen ein.

Seither konnten sich die Damen nicht über zu wenig Publikum beklagen, der Vorraum wimmelte vor Hungrigen. Zivilisiertes Schlangestehen englischer Art musste erst noch eingeübt, Benimmregeln unter den Argusaugen der Damen gelernt werden. Ihr Wort galt, wollte man nicht auf ein leckeres Brötchen verzichten; ihre tröstenden Worte und das freundliche Entgegenkommen verbreiteten eine einladende Atmosphäre. Es gibt sicherlich niemanden, der sich nicht an diesen Treff- und Mittelpunkt des schulischen Miteinanders gerne erinnert. Auch das Kollegium ließ sich mit „Lebensnotwendigem“ versorgen und auf einen Informationsaustausch ein. Der Schulleiter erinnert sich gerne an die angenehme Übermittagsbetreuung, die ihn bis zu seiner Pensionierung fit gemacht hat. Letztlich gingen beachtliche Wohltaten von den sparsam arbeitenden Cafeteria-Damen aus; die vielen wohltätigen Anschaffungen können hier nicht alle aufgezählt werden.

 

11.5 „Satzungsgemäßes Wirken in der Stille“: Die Wohltaten der „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Beethoven-Gymnasiums“

 

Die bedeutendste, vornehmlich im Stillen wirkende Wohltäterin der Schule, die „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Beethoven-Gymnasiums in Bonn e.V.“ (GFF), verdankte letztlich ihre Gründung der Notwendigkeit, den erholungsbedürftigen, meist schlecht ernährten Schülern der unmittelbaren Nachkriegszeit ein „Ferienlager“ für die Sommerferien und ein Heim für Klassenfahrten zu ermöglichen. Obwohl die erste Satzung der am 23. Juni 1953 gegründeten „GFF“ die „gemeinnützige Förderung“ des Beethoven-Gymnasiums als Vereinszweck angab, stand dabei die Absicht im Vordergrund, die seit 1948/49 unternommenen Klassenfahrten in das Heim des „Gymnasial-Turnvereins“ (GTV) in Gemünd zu ermöglichen. Die seit 1954 eingesammelten Beträge und Spenden sollten der Pacht und Ausstattung eines eigenen Schullandheimes dienen.

Doch gab der Vorstand die Idee bald wieder auf und verständigte sich – zusammen mit der Schulleitung – mit dem Altherrenverband des GTV Anfang 1955, Mittel für die dringend notwendige Erweiterung des Stammhauses in Gemünd bereit zu stellen. Seither nahm das Schullandheim Hohenfried in Gemünd im Wanderfahrtenprogramm des Beethoven-Gymnasiums einen herausragenden Stellenwert ein, weil auch die GFF in den nächsten 13 Jahren – neben der Förderung des GTV, des GRV und der Theatergruppen – den größten Teil seiner Mittel in die Ausstattung und Erweiterung des Heimes steckte.

 

Zum Ende der 60er Jahre hin ließ das Interesse der Lehrer wie auch der Schüler nach, regelmäßig in das Schullandheim zu fahren, so dass sich angesichts der wenigen verbleibenden Aufenthalte von Klassen die Bewirtschaftung des Heimes nicht mehr lohnte; die Lehrerkonferenz votierte schließlich mit Mehrheit für eine Beendigung der Landschulheimfahrten. Schweren Herzens – die GFF hatte immerhin ca. 100.000 DM in Ausbau und Ausstattung des Heimes investiert – gab sie am 1. Oktober 1969 die Bewirtschaftung auf. Erst mit dem Verkauf des Hauses zu Beginn der 70er Jahre war die GFF „frei von allen Bindungen“ und konnte wieder Vermögensbewegungen vornehmen.

 

Mit der neuen Satzung vom 27. Januar 1972 änderte sich dementsprechend auch die Ausrichtung der Fördertätigkeit der GFF. Im Vordergrund stand die Einsetzung der Mittel für die Einrichtungen und Veranstaltungen der Schule und im Einzelfall für die Unterstützung bedürftiger Schülerinnen und Schüler. Schon ein Jahr später konzentrierte sich die GFF auf die finanzielle Begleitung der „300-Jahr-Feier“ des Beethoven-Gymnasiums, wobei großzügige Spenden und der Verkauf von Schallplatten mit dem Schulkonzert und von der Festschrift sogar Überschüsse einbrachten.

Nach dem Jubiläum begann für die GFF wieder „Alltag“, das hieß „Satzungsgemäßes Wirken in der Stille“: z. B. die Unterstützung einzelner Schüler bei der Teilnahme an den Ski- und Klassenfahrten, die Förderung der Chor- und Orchesterarbeit, der Kauf dringend notwendiger Lehr- und Unterrichtsmittel, die Mittel für eine ansprechende Ausgestaltung der Räumlichkeiten der Schule (Ausstellungsvitrinen, Schaukästen, Bilderrahmen), Aufstockung der Schulbibliotheken, Finanzierung des Drucks und Versands der Jahresberichte des Beethoven-Gymnasiums, Betrieb des Schulkopierers, Mittel für die Arbeit der Schülervertretung, usw.

Die geänderte Satzung vom 30. Januar 1984 unterstrich explizit diese Akzentverlagerung und -erweiterung. In den 90er Jahren steuerte die GFF erhebliche Mittel für die Ausstattung mit Computern, Internet und den entsprechenden Räumlichkeiten bei. „Gab die Gesellschaft im Wendejahr der GFF 1972 für Vereinszwecke 4.319,75 DM aus, stiegen die Aufwendungen der GFF für Schüler und Schule dank der Beitrags- und Spendenfreudigkeit … im Jahr 1997 auf 68.439,61 DM“ (eingeschlossen die Sondersammlung der Eltern für die Grundausstattung des Multimedia-Internet-Raumes) (Jahresbericht 1998).

 

Im Februar 1987 beschloss die Mitgliederversammlung der GFF, allen ehemaligen Abiturienten der jeweils letzten 10 Jahre den Jahresbericht der Schule unabhängig von einer regelmäßig eingehenden Beitragszahlung oder Spende zu übersenden. Der Verein betrachtete ihn nicht nur als wichtiges Medium zwischen Elternhaus und Schule, sondern auch als einziges zwischen den Ehemaligen und ihrer alten Schule. Schließlich diente der Jahresbericht der Gesellschaft als Mitteilungs- und Informationsträger, letztlich als breitenwirksames Werbemittel. Die Mitgliederversammlung unterstützte jedes Mal ausdrücklich das Vorhaben des Vereins, die nicht unerheblichen Kosten für Druck und Versand der Jahresberichte zu übernehmen, weil diese als „Spiegel des Schullebens“ eine gute Gelegenheit für die Öffentlichkeitsarbeit und Selbstdarstellung der Schule boten und der GFF eine unverzichtbare Brücke zur Elternschaft, zu ihren Mitgliedern, den Förderern und den Ehemaligen bauten. In großer Dankbarkeit durfte der Schulleiter noch einen Monat vor seiner Pensionierung den 50jährigen Geburtstag der GFF (23. Juni 2003) erleben, der allerdings „unbemerkt von der Weltöffentlichkeit“ ganz im Stillen zur Kenntnis genommen wurde, getreu dem Prinzip des Fördervereins: „Satzungsgemäßes Wirken in der Stille“.    

 

11.6 Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit: Die Schulgemeinde in „Aktion“

 

Seit seinem Amtsantritt verfolgte Kötting das Ziel, die einvernehmliche Zusammenarbeit zwischen Elternschaft und Schulleitung zu fördern und kurze Wege zur gegenseitigen Information und Beratung zu suchen. Zusammen mit seinem Stellvertreter (später kamen auch die Stufenkoordinatoren hinzu) unternahm er im Schuljahr mit der Schulpflegschaft in der unmittelbaren Bonner Umgebung zwei bis drei (kurze!) Wanderungen, die in einer anschließenden geselligen Zusammenkunft auch für die Eltern Zeit und Gelegenheit genug boten, sich gegenseitig kennen zu lernen und Anliegen auszutauschen (das hatte große Vorteile für die erste Schulpflegschaftssitzung zu Beginn des Schuljahres). Zu besonderen Gelegenheiten, wie z. B. zur Nikolauszeit, konnte auch schon mal die vorherige „Wanderung“ ausfallen. Auch bei der Weinlese, ursprünglich mehr oder weniger dem „Weinkollegium“ vorbehalten, überflügelten die Vertreter der Elternschaft bald die Mitglieder des Kollegiums an Zahl und Eifer beim Sammeln der Trauben und bei der Verkostung des vorjährigen Weines.

Hatte der Schulleiter die Elternschaft schon 1989 anlässlich der 2000-Jahr-Feier Bonns zu einer Weinprobe eingeladen, so bot sich die „deutsche Wein- und Sektwoche“ im Mai 1996 für eine „repräsentative Verkostung“ deutscher Weine als eine gute Gelegenheit an, am 22. Mai 1996 Eltern, die Damen der „Cafeteria“, die Mütter im Schülerbibliotheksdienst, Mitglieder des Schulamtes und das Kollegium in das Lehrerzimmer einzuladen. Die sächsische Weinkönigin aus Dresden beehrte die Corona durch ihre liebliche Anwesenheit (bei meist trockenen Weinen). Zu später Stunde stießen die gerade angekommenen englischen Austauschpartner und ihre deutsche Kollegin hinzu. Gut instruierte Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Chemie(!) der Stufe 12 (warum gerade sie, wurde – sicherlich auf Grund ihrer Routiniertheit – nicht hinterfragt) kredenzten die verschiedenen Weine. Der Vertreter des „Deutschen Weinbauinstituts“ moderierte – nicht ohne witzige Beigaben und Anekdoten – die Verkostung fachgerecht unter „Zuhilfenahme“ von „Zungenspitze, Zungenrändern und Zungenabgang“. Feinsinnig schloss der Chronist des Jahresberichtes 1996 mit der Bemerkung: „Psychologisch Interessierte konnten überdies die große Wandlungsfähigkeit eines Lehrerkollegiums zwischen der ersten und der vierzehnten Probe beobachten“. Da nach Beendigung der Verkostung keiner „im Dunkeln“ allein nach Hause gehen wollte und die „Schulsperrstunde“ aufgehoben wurde, schloss sich eine Probe verschiedener Jahrgänge des schuleigenen Weinberges an.

 

Neben den Wanderungen, geselligen Treffen, Tagen der Offenen Tür, Schulfesten und Beethovenball bot gegen Ende der 90er Jahre die Weinlese für die Elternschaft, Kollegium und erweiterte Schulleitung eine gerne genutzte Gelegenheit, die vertrauensvolle Zusammenarbeit zu festigen. Nachdem wegen der Errichtung des Posttowers und einer Evakuierungsbrücke zur Rheinaue hin der Weinberg abgebaut und höher gelegt werden musste, ließ die „Deutsche Post“ auf Wunsch des Weinkollegiums 2002 300 Stöcke (Rebsorte „Regent“) neu pflanzen und die Anlage mit einem Zaun vor all zu großen Begehrlichkeiten von Touristen und Enten schützen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen lud der Schulleiter am 25. Juni 2003 Elternschaft und Kollegium zu einem „Stockfest“ am neu angelegten Weinberg ein, um dabei die nicht all zu vielen Flaschen der letzten Lese zu verkosten und auf eine ertragreiche erste Ausbeute 2005 zu trinken.

Seit der ersten Hälfte der 70er Jahre erhielten die Eltern am „Tag des Beethoven-Gymnasiums“ Ende September (abends waren sie alle zwei Jahre zum Beethoven-Ball eingeladen) Gelegenheit zu einer zweistündigen „Unterrichtsmitschau“, an die sich eine Darstellung der vielfältigen Unterrichtsergebnisse und der außerunterrichtlichen Tätigkeiten anschloss: Sport und Spiel, Jazzkonzert, Kammermusik, Chor, Dia-Vorträge, Ausstellungen über Klassen- und Studienfahrten, Kreationen aus dem Kunstunterricht. Naturwissenschaftliche Demonstrationen gewannen zunehmend an Attraktion: Biologie zum Mitmachen, chemisches Experimentieren für alle, Physik zum Nachmachen, Bau eines Elektromotors, Herstellung von Visitenkarten durch Computerdruck, usw.

 

Konzentrierte sich schon das Interesse der Eltern und Gäste vor allem auf den Unterricht in den Unterklassen, so bot die Schule darüber hinaus noch in der zweiten Novemberwoche einen Informationsabend in der Aula für Grundschul-Eltern und Viertklässler an. Der Schulleiter erklärte den Besuchern ausführlich das Schulprofil, beantwortete konkrete Fragen nach Angebot und Anmeldung und führte anschließend Interessierte noch durch das Schulgebäude und die Fachräume, um ihnen einen Eindruck von der Ausstattung zu vermitteln. Zu Beginn der 90er Jahre wurde offenbar, dass die Eltern einen genaueren Einblick in die Unterrichtsatmosphäre verlangten und die Schulen vergleichen wollten; auch musste auf den Rückgang der Schülerzahlen reagiert werden.

Seit November 1992 bot das Beethoven-Gymnasium einen „Tag der Viertklässler“ an: Auf die Einführung durch den Schulleiter in der Aula folgte eine Unterrichtsmitschau in zwei verkürzten Stunden (z. B. Latein, Englisch, Deutsch, Mathematik, Musik) in den Klassen 5/6. Nachher konnten die Eltern mit den Lehrerinnen und Lehrern sprechen; Mitglieder des Kollegiums und der Schulleiter sowie viele Elternvertreter standen für weitere Informationen im Aulafoyer zur Verfügung. In dieser neuen Form fand der „Tag der Viertklässler“ eine äußerst positive Beurteilung, so dass sich in der Folgezeit die Veranstaltung in der Ausgestaltung immer mehr erweiterte und verfeinerte. Die Cafeteria-Damen boten den Eltern und Gästen Kaffee und Kuchen und den Kindern frische Waffeln im Aulafoyer an, die Schulpflegschaft und die SV stellten sich vor, Schülerinnen und Schüler führten Neugierige durch das Gebäude und in die Fachräume, wo Experimente mitgestaltet werden konnten. Für die Kleinsten fanden sich in einem umfunktionierten Klassenraum genügend Betreuer aus der Schülerschaft, um den Eltern größere Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Meist gaben auch der Gymnasial-Turnverein und der Gymnasial-Ruderverein Einblicke in ihre Tätigkeiten. Kurzum, der Tag nahm zunehmend die Ausmaße des „Tags des Beethoven-Gymnasiums“ an.

 

Um dem Kollegium eine solche Doppel- und Dreifachbelastung zu ersparen (Tag des Beethoven-Gymnasiums, alle zwei Jahre Beethovenball abends, Tag der Viertklässler), beschloss die Lehrerkonferenz vom 13. Juni 1995, in Zukunft Ende September nur zum Ball einzuladen und sein Pendant, die Unterrichtsmitschau mit Beiprogramm, auf den Mai 1996 zu verschieben. In der Folgezeit verwandelte sich der Tag des Beethoven-Gymnasiums in ein Sommer- oder Schulfest. Um gewissermaßen den erwartungsvollen Anschluss an den „Tag der Viertklässler“ zu halten, erhielt auch der erste Schultag der Sextanerinnen und Sextaner seine zukünftige Gestalt: Nach dem Gottesdienst die Begrüßung in der Aula, Abholen durch die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer mit den Tutoren aus der Mittelstufe, während des Einführungsunterrichts Bewirtung der Eltern und Gäste im Aulafoyer mit der Möglichkeit zu Informationsgesprächen.

 

Der biennale Beethovenball (seit den 90er Jahren in der Regel im Beueler Brückenforum) stand jedes Mal unter einem anderen Motto. Weit über 1000 Einladungen wurden jeweils verschickt, vornehmlich an die letzten 10 Abiturjahrgänge (der Ball hatte sich zum Ehemaligentreff entwickelt), und viele Ballplakate erinnerten täglich die Schülerinnen und Schüler an das kommende Großereignis. Der schnelle Verkauf der Sitzplätze an der Vorverkaufskasse zeichnete den Ball als Selbstläufer aus; an der Abendkasse gab es meistens nur noch verbilligte Karten ohne Tischzuweisung. Die Verantwortlichen für den Ball hatten schon lange vorher mit den aufwendigen logistischen und inhaltlichen Vorbereitungen begonnen. Die gesamte Dekoration und Ausschmückung des Saales mussten geplant, beschafft, kurz vorher angebracht und am Tage danach wieder abgenommen werden. Den Ball eröffneten ein oder zwei Tanzgruppen aus der älteren Mittelstufe, die dicht gedrängte Tanzfläche leerte sich zwischendurch für tänzerische oder gesangliche Einlagen von Schulgruppen oder Ehemaligen. Die sehnlichst erwartete Mitternachtsschau von einem großen Teil des Kollegiums, zu der sich der Saal mit noch weiteren Ehemaligen füllte, bildete den absoluten Höhepunkt, denn jeder verließ später den Ball mit der Frage, wie wohl beim nächsten Mal dieses Ereignis noch zu steigern sei.

Wie üblich waren auch für den 22. September 2001 schon Anfang des Monats die Einladungen verschickt, der Vorverkauf in vollem Gange, die Dekoration vorbereitet und die Proben für die Darbietungen angelaufen. Doch am 11. September hatten wenige Augenblicke genügt, um die Welt zu verändern und die Vorbereitungen für den Ball zur Makulatur werden lassen: der terroristische Angriff auf die USA, der jegliche Feierstimmung im Keime erstickte. In der Krisensitzung beim Schulleiter war man sich einig, den Ball verschieben zu müssen, ohne allerdings den Termin zu weit zu verlegen. Die normale Vorlaufzeit für die Reservierung des Brückenforums und der Kapelle betrug zwei Jahre; doch innerhalb von zwei Stunden intensivsten Telefonierens und persönlicher Gespräche waren Saal, Beleuchter und Kapelle für den 8. Dezember eingeplant und mit Durchsagen, Handzetteln und Pressemitteilungen alle Karteninhaber in Kenntnis des neuen Termins gesetzt. Seither wurde immer auf den letzten Samstag im November zum Beethovenball eingeladen.

 

11.7 Das Beethoven-Gymnasium als Erinnerungsort

 

11.7.1. 1989: 2000-Jahr-Feier Bonns

 

– Das Beethoven-Gymnasium: 5. Station der „Historischen Meile

 

Ähnlich wie sein Vorgänger Dr. Seidler mit der „300-Jahr-Feier“ sah sich Kötting gleich zu Beginn seiner Schulleitertätigkeit mit einem weit über den schulischen Rahmen hinausgehenden Projekt konfrontiert: Mit dem Beitrag der Schule zu der 2000-Jahr-Feier Bonns 1989, denn auf dieses Datum hatte sich nach kontroversen Diskussionen die Stadt schließlich festgelegt und vier Jahre vorher mit den Überlegungen zur inhaltlichen Ausgestaltung begonnen. Es verstand sich von selbst, dass das Beethoven-Gymnasium, das immerhin in einem Sechstel der Bonner Stadtgeschichte eine bedeutende Rolle gespielt hatte, „Bewahrendes und Bewegendes“ dieser Schule präsentieren konnte, – schließlich war deren „300 Jahr-Feier“ noch in frischer Erinnerung. Nach einigen internen Überlegungen im kleinen Kollegenkreis bot Kötting im Februar 1986 der Stadt einige Projekte und Aktivitäten an: Modellbau (Castra Bonnensia, Schulbau von 1891); Ausstellung zur Schulgeschichte, Großer Jahresbericht (besonders über das 19. Jahrhundert), Chorkonzert, Schulball, Aufführung eines Jesuiten-Theaterstücks, Unterricht wie zur Kaiserzeit, biologischer Schul- und Heilkräutergarten mit römisch-mittelalterlichem Pflanzenbestand längs des Arkadenhofes und der Rheinmauer, usw.

Die städtische Projektleitung nahm das Angebot gerne an und begann Mitte des Jahres mit der Planung eines Novums im Ausstellungswesens, mit der „Historischen Meile“: Die Präsentation der Bonner Stadtgeschichte in thematisch und räumlich überschaubarem Rahmen und an historisch relevanten Ausstellungsorten, markiert in Form eines Fußweges durch die Stadt, der die Entstehung und Entwicklung Bonns und seines Stadtbildes aufzeigen sollte (Römische Ära, Mittelalter, Kurköln 1583 – 1794, Bonner Schulgeschichte mit Schwerpunktbeispiel Beethoven-Gymnasium, Bonner Gelehrte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bonn in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bonn in der NS-Zeit, Bundeshauptstadt Bonn). Bei der Namensgebung stand die alte preußische Landmeile von 7,53 km Pate, die der Besucher abschreiten sollte (ein achtfarbiger Meilenstein symbolisierte acht Etappen der Stadtgeschichte). Für seine Teilausstellung „Dauer im Wandel: Schule gestern und heute“ wollte das Beethoven-Gymnasium – neben einem Gang durch das Gebäude und dem „Unterricht zur Kaiserzeit“ – die Bücherei mit altem Bestand und das Aulafoyer mit Schau- bzw. Schrifttafeln und zahlreichen Vitrinen zum Schulalltag und zur Schulgeschichte zur Verfügung stellen.

In der zweiten Hälfte 1987 stand nach vielen Sitzungen das Konzept der „Historischen Meile“ auch für die Abteilung Schulgeschichte fest: Das Kräutergärtlein, der mittelalterliche „Hortulus“, scheiterte allerdings an dem finanziellen Aufwand, der erforderlich gewesen wäre. Für die professionelle Gestaltung und wissenschaftliche Begleitung der Ausstellung im Beethoven-Gymnasium konnten Schule und städtische Projektleitung einen ausgewiesenen Fachmann gewinnen, Prof. Dr. Hans Jürgen Apel vom Seminar für Pädagogik der Universität Köln, der das Vorhaben auf die ganze Bonner Schulgeschichte erweiterte und auch den Begleitkatalog verfasste: Gezeigt werden sollten das Elementarschulwesen, die Sonntags-, Berufs- und Fortbildungsschulen, der sogenannte mittlere Bildungssektor, die Mädchenschulen, die höheren Schulen mit dem Schwerpunkt Beethoven-Gymnasium und der schulische Alltag.

Glanz- und Höhepunkt“ der Ausstellung würde ein originalgetreues Modell des Schulgebäudes von 1891 bilden (125 cm x 110 cm und 60 cm hoch), das der Kollege Ulrich Müller in 730 zusätzlichen Arbeitsstunden erstellte. „Ohne Fahrstuhl“ versetzten sich (anfangs 26, später 11) Schülerinnen und Schüler des Beethoven-Gymnasiums (Klasse 9 bis 12) in die Römerzeit und arbeiteten (oft unter der interessierten Beobachtung des staunenden Schulleiters) seit Februar 1987 montags in der 7./8. Stunde in einem Kellerraum an dem Modell des Bonner Römerlagers aus der Zeit um 80 n. Chr., des Gräberfeldes und der römischen Rheinbrücke (3,5 x 2,5 m; Maßstab 1 : 500, für die Ausstellung „Räderwerk“ – römisches Bonn) unter der fachkundigen Anleitung des Modellbauers Stephan Raupach und mit der wissenschaftlichen Beratung von Dr. Gechter vom Rheinischen Landesmuseum. Für den „Unterricht zur Kaiserzeit“, den Köttings Stellvertreter Dr. Alfred Schmitt mit seiner Lateinklasse abhalten wollte, stand aus dem „Schulmuseum“ in der Kessenicher Nikolausschule die Einrichtung eines Klassenraumes aus dem 19. Jahrhundert als Leihgabe zur Verfügung (6 Schülerbänke, Katheder, Tafel, Ofen mit Schirm, Rechengerät, Landkarte, usw.).

 

Die Ausstellung „Bonner Schulgeschichte“ im Beethoven-Gymnasium (Anfang Mai bis Anfang August 1989) war von einem interessierten Publikum gut besucht und verlief, trotz Schulalltags und der Öffnung des Gebäudes ohne jegliche Störungen. Die Zeitungsüberschriften „Lateinlehrer schwingt den Rohrstock“ oder „Lateinunterricht wie Anno dazumal“ kündeten von der begeisterten Resonanz auf den Unterricht, den Schmitt, in schwarzem Gehrock, nach altem „Drill“ einmal in der Woche mit seiner Klasse 7 abhielt, – Jungen in Matrosenanzug und Mädchen in Schwarz-Weiß. Der Künstler Friedemann Sanders fertigte vom Römerlager der Beethovenschüler ein Bronzemodell an (Maßstab 1 : 250), das seither an der Südwestecke des alten Lagers – in einer Wohnsiedlung der Nordstadt Bonn Castell – seinen Platz fand. Insgesamt konnte – nach Einschätzung der städtischen Projektleitung – die „Historische Meile“ „einen überdimensionalen Erfolg verbuchen“ und den Museumsgedanken in Bonn verfestigen. Laut Presse erwies sie sich als ein „Renner“ (General-Anzeiger), der „die Massen anlockte“ (Bonner Rundschau).

 

  • Der Förderverein „Historisches Museum der Stadt Bonn“ erwächst aus dem Kollegium

 

Wenn schon in der Schulausstellung sich über 300 Jahre der Geschichte Bonns widerspiegelten, umso eher müssten die 2000 Jahre in einem stadtgeschichtlichen Museum ihre Präsentation finden. Mehr als sieben Mitglieder des Kollegiums griffen dieses Jahrzehnte alte, immer wieder vertagte Projekt im Hinblick auf die Jubiläumsfeier und den Umzug des Kunstmuseums auf und gründeten am 12. Dezember 1984 im Lehrerzimmer des Beethoven-Gymnasiums einen Förderverein „Historisches Museum der Stadt Bonn e.V.“, der in der „ideellen und finanziellen Förderung der Errichtung, der Ausstattung und des Betriebes“ eines solchen Hauses seine Aufgabe sah und dies auch als ein Sonderbeitrag zur 2000-Jahr-Feier verstanden wissen wollte. Zum Vorsitzenden wurde der Kollege Dr. Hermann Josef Frings gewählt. Noch am Tage seiner Amtseinführung fand sich Kötting als Mitglied und schließlich im Vorstand wieder, hatte doch der Förderverein zu einer Podiumsdiskussion mit bekannten Museums- und Geschichtsfachleuten am 15. April 1985 in die Aula eingeladen, wo am Ende der zukunftsweisende Beschluss gefasst wurde, die Stadt möge „sich grundsätzlich zur Errichtung eines solchen Museums bereit erklären und einen erfahrenen Museumsfachmann mit der zukünftigen Leitung beauftragen“. Zum ersten Jahrestag des Fördervereins überreichte der Oberkonservator des Rheinischen Amts für Denkmalpflege als Geschenk die wiederentdeckten Baupläne des Königlichen Gymnasiums, die dem Modellbau für die Schulausstellung als Unterlagen dienen sollten.

Mitgliederzahlen und Außenwirkung des Vereins wuchsen mit den zunehmenden Aktivitäten und Leihgaben. Anerkannte Museumsfachleute und Leiter von stadtgeschichtlichen Einrichtungen hielten Vorträge in der Aula. Der Förderverein versuchte mit 10 Thesen die Idee voranzutreiben, eine städtische Sammlung „Vom Römerkastell zur Bundeshauptstadt“ bis zum 21. März 1989 zu verwirklichen. Mitgliederversammlungen fanden im Lehrerzimmer des Beethoven-Gymnasiums statt. Aus den Vorstandssitzungen im Direktorzimmer – mit Wein des schuleigenem Weingartens – drang manch zündende Idee über Aufbau und Standort eines Stadtmuseums an die Öffentlichkeit. Allein es fehlte der mehrheitliche politische Wille, die ausgereiften Pläne überhaupt und erst recht nicht zum Jubiläumsjahr umzusetzen, obwohl der Förderverein anbot, zur Verringerung der Folgekosten Aufsichten und Führungen zu übernehmen.

Doch das Ziel „Stadtmuseum“ verfolgte er auch über 1989 hinaus mit aller Hartnäckigkeit, – als ständige Mahnung an die Stadtspitzen, ein im vorigen Jahrhundert der Bürgerschaft gegebenes Versprechen einzulösen, was dann auch zwei Jahre vor der Jahrtausendwende Wirklichkeit werden sollte. „Mit einem säkularen Ereignis“, so liest man in der „Chronik des Schuljahres 1997/1998“, „beginnt das neue Jahr: Nach über hundertjährigem Gedankenspiel und schließlich engagierter Sammeltätigkeit kann das Stadtmuseum Bonn in der Franziskanerstraße 9 am 14. Januar [1998] endlich seine Türen öffnen“ (Jahresbericht 1998).

 

– Wieder ein Großer Jahresbericht

 

Ähnlich wie die Schulausstellung war die Herausgabe eines „großen“ Jahresberichtes zum Stadtjubiläum schon gleich zu Beginn der Schulleitertätigkeit Köttings ins Auge gefasst worden. Vor 200 Jahren Französische Revolution, in deren Folge das Beethoven-Gymnasium zur „caserne scolaire“ nach dem Muster einer französischen Kadettenanstalt mutierte, bot sich als ein weiterer, allerdings nicht ausreichender Anlass an. Bedeutsamer hob sich schon die 175jährige Gymnasialtradition der Schule ab, denn am 13. Juni 1814 hatte der preußische Generalgouverneur den ehemaligen „Lycée impérial de Bonn“ in ein „Schulcollegium“ umgewandelt, das sich nunmehr „Gymnasium“ nennen durfte. (In Folge der territorialen Umgestaltung Deutschlands nach dem Wiener Kongress war das Rheinland eine preußische Provinz geworden.) Als dann durch einen Zufall alle Jahrbücher der Schule aus dem 19. Jahrhundert (es gab nur ganz wenige Exemplare in der Schulbibliothek) im Kreisarchiv Siegburg entdeckt und in Kopie zugänglich gemacht wurden, boten sich die letzten 175 Jahre (mit dem Schwergewicht auf dem 19. Jahrhundert) als zeitlicher Rahmen für den Jahresbericht an: vom rheinpreußischen Gymnasium zur „einzigen weiterführenden Schule zwischen U-Bahnstation und Rheinfähre“.

 

In Anknüpfung an die Tradition wissenschaftlicher Arbeit neben der Unterrichtstätigkeit und parallel zu den Recherchen für die Schulausstellung in den Schul-, Stadt-, Universitäts- und Landesarchiven arbeiteten Schulleitung, Mitglieder aus dem Kollegium, der Elternschaft, aus dem Kreis der Ehemaligen und der Schülerschaft mehr als zwei Jahre an der Erstellung der Festschrift. Historie stand im Mittelpunkt – in gebührender Wissenschaftlichkeit: Der Mentor der Schulausstellung, Professor Apel, steckte den programmatischen Rahmen ab mit seinem Einleitungsaufsatz „Vom preußischen zum modernen Gymnasium“, dann Einzelpersönlichkeiten (Schopen, Kneisel), typische und weniger typische Gymnasialfächer, die repräsentativen Gebäude der Schule, die immer gleichen Klagen über die Disziplinlosigkeiten der Schüler, Lebendiges, Erinnerungen und Aktuelles, Schülerkunst und Klassenfotos, denn die Festschrift sollte auch gelesen werden, letztlich immer unter dem Fokus: der „gute Ruf“ der Schule im entlarvenden Lichte von Schulalltag und Schulwirklichkeit.

Am Ende erschloss sich während der Recherchen allen Mitarbeitern die rückschauende Lebensweisheit Gottfried Kinkels, einst Schüler und Lehrer am Bonner Gymnasium: „Wenn die Schule, auch die beste, allein uns erzöge, so blieben wir allzumal Tröpfe“. So ergab sich von selbst Kinkels Fazit: „Unser ganzer Schulunterricht hinkt hinter dem Leben her“ als das Motto des Jahresberichtes, das auf dem Einband in feiner Selbstironie mit einem „Farbabklatsch“ einer Schülerin „Fettwanst, der Ballett tanzt“ ergänzt wird, – ein Schelm, wer darin eine Anspielung auf das gefeierte kollegiale Männerballett während der Mitternachtsschau des Beethovenballes sehen wollte. Nach dem Urteil der Bonner Rundschau jedenfalls suchte das beeindruckende „Jahrhundertwerk“ „seinesgleichen“, – ohne zu ahnen, dass auch dieses schon sechs Wochen später der Geschichte (mit dem Mauerfall) „hinterher hinkte“.

 

– Schulveranstaltungen zu „Bonn-2000

 

Von den 39 außerunterrichtlichen Aktivitäten des Beethoven-Gymnasiums im Schuljahr 1988/89 seien hier nur die genannt, die im Zusammenhang mit der 2000 Jahr-Feier standen. Das Jesuiten- Theaterstück ließ sich nicht verwirklichen, dafür wurde Ende April 1989 das Aulapublikum durch die Aufführung (Klasse 5 bis 13) einer „Indianischen Faschings-Burleske in einem Akt“ begeistert: „Häuptling Abendwind“ von Johann Nestroy mit Musik von Jacques Offenbach, einer „bunten politischen Allegorie von 1862“. Im Bonner Schüler-Theater-Wettbewerb erhielt die Theateraufführung den ersten Preis.

Musikalisch konnte das Beethoven-Gymnasium das ganze Festjahr umrahmen. Während der Osterferien besuchte der Kammerchor in Oxford, der Partnerstadt Bonns, die St. Edward’s School, gestaltete mit deren Kirchenchor und Schulorchester den musikalischen Rahmen des Palmsonntag Gottesdienstes und gab am Abend ein gemeinsames, viel beachtetes Chorkonzert. Bei den „Wittener Tagen für neue Kammermusik“ sang am 22. April der Schulchor in dem Auftragswerk des begleitenden Kammerorchesters der London Sinfonietta: „First Ferry to Hoy“ (1985) von P. M. Davies; 4 Schülerinnen und ein Schüler des Beethoven-Gymnasiums hatten für das Programmheft den englischen Text in vorbildlicher Weise übersetzt. Die Mitwirkenden durften sich des großen Beifalls des internationalen Fachpublikums und des Komponisten rühmen.

Zum Jubiläumskonzert in der Beethovenhalle am 5. September sollte der Chor eigentlich Beethovens „Missa solemnis“ darbieten, doch fand sich diese auf einmal auf dem Spielplan des 33. internationalen Beethovenfestes, so dass die Planung kurzfristig umdisponiert werden musste und „Die Schöpfung“ von Haydn zur Aufführung kam. Publikum und Presse waren begeistert von den mehr als 100 Sängerinnen und Sängern, die vom Orchester der Beethovenhalle und von professionellen Sängern umrahmt wurden. In der langen Reihe der alljährlichen Chorkonzerte war ein Höhepunkt erreicht, der sich mit schulischen Mitteln und im schulischen Rahmen schwerlich halten ließ; dass allerdings der Schulchor in dieser Dimension in der Folgezeit einem „Jüngsten Gericht“ zum Opfer fiel, konnte damals niemand ahnen.

Im Rahmen des „musikalischen Austausches“ mit Oxford kamen im Oktober Chor und Orchester der St. Edward’s School und gaben ein gemeinsames deutsch-britisches Chorkonzert in der Aula mit Gershwin, Buxtehude und Vivaldi als „leuchtenden Höhepunkt“. Bei dem 14. Schülerkonzert im November boten mehr als 30 Schülerinnen und Schüler mit ihren Kurzinterpretationen vornehmlich klassischer Komponisten einen „Musikgenuss besonderer Güte“. Während der traditionellen Nikolausfeier für die Kinder der Kolleginnen und Kollegen konnten Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht bei einem Weihnachtslied nur auf die weniger geübten Stimmen der Mütter und Väter zurückgreifen. Die Besucher des ökumenischen Adventsgottesdienstes vor den Weihnachtsferien ließen sich dagegen sehr von der „musikalisch vielfältigen Gestaltung beeindrucken“ und schauten, zufrieden mit diesem Jahr höchster musischer Dichte, erwartungsvoll auf die nahe „Ankunft des Herren“.

 

Die „Weinseligkeit“ veredelte dieses Feierjahr zu vielen Gelegenheiten. Im Zusammenhang mit der deutschen Weinwoche konnte der Schulleiter mit dem Deutschen Weininstitut in Mainz eine Weinprobe vereinbaren: Zu Beginn der Pfingstferien durfte das Weinkollegium mit zahlreichen Gästen aus der Elternschaft und befreundeter Schulen im Lehrerzimmer Wein aus deutschen Landen (trocken bis trockenbeerig) verkosten, – unter der fachkundigen und lockeren Beredsamkeit des Kellermeisters und dem „lieblichen“ Anblick der Deutschen Weinkönigin (aus Schliengen im Markgräfler Land).

Zu Pfingsten hielten Schulleitung und die Vorsitzenden der Schulpflegschaft an der „Vinea Domini“ in der Rheinaue „Weinwache“, um neugierigen Stadtjubiläumsgästen den Schulweinberg zu zeigen und seine Erzeugnisse probieren zu lassen, – beobachtet von über ihnen schwebenden bunten Heißluftballons „Bonn 2000“. Für das Kollegiumsfoto im Jahresbericht schlug der bewährte Hausphotograph eine „schwierige“ Stelle mit Gebirgsmotiv vor: Bei einem kleinen Ausflug Ende Mai erklommen (fast alle) Kolleginnen und Kollegen die schwindelnden Höhen des Stenzelbergs, um sich an dessen Steilhang in Positur zu stellen. Der Abstieg fiel umso leichter, denn am Ende luden die Obstwiesen des Weingutes Sülz zur ausgiebigen Verkostung des nördlichsten rechtsrheinischen Weines ein. Zu ihrem „zehnjährigen Verbleib“ an der Schule luden im Sommer 10 Kolleginnen und Kollegen den „Rest“ des Kollegiums – nebst ehemaligem Schulleiter Dr. Seidler – zu einer fröhlichen Feier in der großen Arkadenklasse ein; auch hier soll mehr Wein als Bier getrunken worden sein.

 

Am Tag der „Offenen Tür“ im September 1989 (zweistündige Unterrichtsmitschau, Rahmenprogramm und Präsentation der Ergebnisse der Projekttage „Sowjetunion“) kamen abends Kollegium, Elternschaft, Oberstufenschüler und aberhunderte Ehemalige in die Beethovenhalle, zum bisherigen Höhepunkt des seit 1973 biennal veranstalteten Beethovenballes. Den mitreißenden Tanzeinlagen der „hauseigenen Kätzchen“ nach den Klängen des Musicals „Cats“ und weiteren Darbietungen von Mittel- und Oberstufenschülerinnen folgte in den Pausen das tanzwütige Publikum gerne von den Sitzen aus, nichts hielt sie dort mehr, als um Mitternacht das berühmte Männerballett des Kollegiums – in und auf Spitzen – in einem „geschlechtsübergreifenden“ Auftritt voller Grazie für tosenden Beifall sorgte.

 

Gut einen Monat später lobte die Bonner Rundschau: „Bei diesem Wein ist alles edel!“, als die Weinlese mit ganz großem Publikum im „Weinberg des Herren“ zelebriert wurde; der „Herr“ selbst, der „Kurfürst von Köln“, Dr. Franz-Josef Antwerpes, leidenschaftlicher Hobbywinzer mit eigenen Rebstöcken vor seinem Dienstgebäude, eilte von einem ICE-Pressegespräch in die Rheinaue, um mit der Bezirksbürgermeisterin, dem stellvertretenden rheinland-pfälzischen Bevollmächtigten beim Bund, dem Vertreter des Landwirtschaftsministers und der Schulleitung nach einem „Probeschluck“ die kühne Wertung der Zeitung zu bestätigen und die ersten Reben mit der Schere abzuschneiden, ohne sich dabei den Finger zu verletzen. Ohne Hoffnung auf eine „Gegenleistung“ überreichte der Schulleiter dem Regierungspräsidenten einen „Roten“ aus dem „Frondeputat“ und ein Exemplar des gerade erschienenen Jahresberichts 1988/89, dessen Motto „Unser ganzer Schulunterricht hinkt hinter dem Leben her“ inmitten der fröhlich und beschwingt an den Weinstöcken arbeitenden Corona augenfällig bestätigt wurde.

Rückwärtsgewandt knüpfte diese Lese an eine Tradition an, die vor 250 Jahren auf dem jetzigen Gelände des Beethoven-Gymnasiums begann. In die Zukunft geschaut, sollte noch nicht einmal ein Monat vergehen, dass mit dem Fall der Mauer und der beginnenden deutschen Einigung die „Vinea Domini“ das Etikett „nördlichster von den Brüsseler Behörden genehmigter Weinberg der Bundesrepublik“ an die Saale-Unstrut Weinregion verlieren würde. Hätte sie es gewusst, die Corona wäre sicherlich für ein weiteres Glas geblieben.

Geahnt haben es vielleicht die 250 Geschichtslehrer, für die der Schulleiter am 9. November den Aulatrakt für die Jahrestagung des „Landesverbandes Nordrhein-Westfälischer Geschichtslehrer“ zur Verfügung gestellt hatte. Gewürdigt haben es eine gute Woche später Kollegium und Pensionäre im „fröhlichen Weinberg“ beim traditionellen Kollegenessen, um im „Schnittpunkt aller Koordinaten“, dieses eine Mal im „Rheinland-Pfalz-Pavillon“ auf der „Vinea Domini“, des vergangenen „weinseligen“ Jubiläumsjahres 1989 zu gedenken.

 

Noch bevor das Jubiläumsjahr überhaupt erst begann, nahm ein Kollege mit einer großen Anzahl von Schülerinnen und Schülern die Vorbereitungen für die „Nachlese“ auf: „Bonn 2001 – Ein Jahr danach“, eine Stadtgeschichte als Theaterrevue, ein „rückblickender Bilderbogen“ in der Dialektik von Werden und Vergehen, Krieg und Frieden, Festtag und Alltag. Von der Gegenwart sollte durch die Vergangenheit in die Zukunft geblickt werden. Nach eineinhalb Jahren ließen im Juni 1990 mehr als 200 Mitwirkende, angefangen von der Eiszeit bis zu den heutigen (heißeren) Sommern, ein „Panorama Bonner Geschichte“ vorüberziehen. Wie der Chronist zu loben wusste, gehörten die „Ansichten eines ‚Stadtstreichers’“, ein „Zwiegespräch zwischen Beethoven und Schumann und ein jüdischer Tanz in Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung zu den Höhepunkten“.

 

11.7.2 1991: „Beethoven zieht immer“: Umzug in den Neubau an der Coblenzer Straße vor 100 Jahren

 

Das Modell des Königlichen Gymnasiums von 1891 hatte der Schulleiter nicht ohne Hintergedanken im Aulafoyer stehen gelassen, selbst auf die (imaginäre) Gefahr hin, dass neugierige Kinderhände auf Entdeckungsreisen gingen. Weniger als Nachlese, denn als zurückgehaltener Teil des Jubiläumsjahres in „gestreckter“ Chronologie wartete die „Weihe“ des wilhelminischen Neubaus an der Coblenzer Straße am 15. Oktober 1891 auf ihre gebührende, augenfällige Würdigung. Der traditionelle „Tag des Beethoven-Gymnasiums“ Ende September sollte 1991 ganz im Zeichen einer historischen Rückschau stehen, das aus der mehrhundertjährigen Tradition erwachsene Schulleben darstellen und an den Einzug in den „Schulpalast“ im Jahre 1891 erinnern, der leider am 18. Oktober 1944 durch Fliegerbomben zerstört wurde.

Beethoven zieht immer: 1673, 1891, 1991“ stand plakativ auf den vielen bunten Luftballons, die am 28. September 1991 allen Beteiligten ausgegeben wurden und den Besuchern schon den geschichtlichen Rahmen des „Tags der Offenen Tür“ erahnen ließ. Nach dem ökumenischen Gottesdienst (zum bezeichnenden Thema „Ein Traum von Schule“) in der alten Schul- und Jesuitenkirche in der Bonngasse legten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Kollegium mit den wegweisenden Luftballons den gleichen Weg – über den Markt und durch das Koblenzer Tor – zum damaligen und jetzigen Schulstandort zurück wie der Festzug vor 100 Jahren.

Nach einer Reihe von lateinischen, griechischen, französischen und englischen kurzen Theaterstücken in der Aula konnten die Besucher trotz großen Gedränges überall im Haus Praxis und Ergebnisse des gegenwärtigen Unterrichts genießen, während das Aulafoyer noch einmal die Schulgeschichte bemühte und der „Turnunterricht vor 100 Jahren“ kaiserliche Zucht, Ordnung und Drill darbot. Hatte doch Nasse, der Oberpräsident der Rheinprovinz, an dieser Stelle damals ausgerufen: „Möge die Jugend hier erzogen werden in der Furcht Gottes, in der Liebe zu König und Vaterland und in der Begeisterung für das Ideale.“ Dafür ging es beim abendlichen Beethoven-Ball, der Krönung des Festtages, viel beschwingter und manchmal auch „gymnastischer“ zu.

 

Anschließend gleich wieder ein größerer Jahresbericht, auch er die Historie würdigend, denn der Anlässe gab es genug: Vor 175 Jahren (1816) krönte ein Ministerialerlass das Gymnasium zu Bonn zum „Königlichen Gymnasium“, vor 100 Jahren (1891) der Umzug in ein wahrhaft königliches Gebäude mit Ausblick auf den Rhein und „Rheinlands Krone, des Siebengebirges Wundergesicht“, vor 40 Jahren (1951) der Einzug der ersten Klassen in die an gleicher Stelle neu errichtete Hofseite des alten Gebäudes.

Wenn „Beethoven immer zieht“ und zog, zog dann auch jeweils der humanistische Geist mit? – das fragten sich vor allem Schülerinnen und Schüler sowie Ehemalige als fleißige Mitarbeiter: „Aufbruch BG“ oder „Alter Wein in neuen Klassenzimmern“; auch der „Tag des Beethoven-Gymnasiums“ gab darauf eine deutliche Antwort. Sicherlich wird das Motto des Jahresberichts, der ermunternde Zuruf Direktor Buschmanns (1891) „Und nun wohlauf, meine lieben Schüler!“, sich der „wohlmeinenden Leitung der Lehrer zu überlassen“, auch heute noch von Lehrer-, Eltern- und Schülerseite unterschiedlich interpretiert. Das Chronogramm des Schuljahres 1991/92 jedenfalls geht auf ironische Distanz: „Weißt Du nicht, mein Sohn, mit wie wenig Weisheit Euch die ganze Welt regiert wird?“ (Dr. Frings nach Oxenstiernas Ausspruch).

NESCIS

FILI

QVANTILLA   SAPIentIA

CVNCTVS     MVNDVS

VOBIS

REGATVR

 

 

11.7.3 1996: Hermann von Helmholtz wohnte und experimentierte in der „Vinea Domini“ vor 140 Jahren

 

Von ihrem neuen Schulhof aus konnten von 1891 an die damaligen Schüler einen Blick auf eine Villa werfen, die sie in nichts mehr an das alte Weinschlösschen erinnerte. Diese Gelegenheit eröffnet sich hingegen einem Besucher des Beethoven-Gymnasiums seit dem 15. November 1996: links vom Haupteingang eine Plakette über Hermann von Helmholtz, der von 1855 bis 1858 als Professor für Anatomie und Physiologie an der Universität Bonn in der zu einer herrschaftlichen Villa mutierten „Vinea Domini“ wohnte (mit großem Garten, Rasenflächen und hohen Bäumen). Von den „Staatszimmern“ aus dieses einstöckigen breiten Hauses mit einem Turm in der Mitte pries er seiner Frau gegenüber die herrliche Aussicht, die „möglicherweise schöner“ sei als „irgendeine von ihr bisher erblickte“.

Das ganze wissenschaftlich und gesellschaftlich angesehene „Bonn“ (einschließlich der Nachbar Arndt) stand auf der Gästeliste bei den illuminierten Gartenfesten und Hauskonzerten. Selbst zu Hause setzte Helmholtz, gelegentlich den Blick auf den Rhein genießend, seine Forschungen und Versuche fort in dem einstigen oktogonen Festsaal, in dem der Kurfürst die Weingesellschaft mit einem „Tischlein-Deck-Dich“ überrascht hatte. Am 175. Geburtstag des großen Gelehrten wollte die „Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren“ (HGF) auch diesem von ihm so geliebten Ort das Andenken bewahren. Der Schulleiter führte am 15. November 1996 deren Vorsitzenden und vielen Gästen dieses ehemalige „Arbeitszimmer“ in dem nunmehrigen Arkadenklassenraum (mit „Vinea Domini-Tafel“ auf der Hinterwand) imaginär vor Augen, um anschließend die Einweihung der von der HGF gestifteten Gedenktafel links vom Haupteingang der Schule an der Adenaueralle vorzunehmen.

 

11.7.4. 1998: Übergang des Gymnasiums von den Minoriten auf die Jesuiten vor 325 Jahren

 

Getreu dem Motto des Schulleiters „Das Leben ist auch ein Fest“ musste eine Antwort auf die Frage gefunden werden, wie die 325jährige Wiederkehr der Übertragung der Schule von den Minoriten auf die Jesuiten (lange Zeit als eigentliches gymnasiales Gründungsdatum angesehen) zu würdigen war. Eine Wiederholung der 300Jahr-Feier – allein schon nach „Bonn 2000“ – verbot sich von selbst, dann eher eine historische „Revue“ als Alternative, ein szenisch, tänzerisch, gesanglich-musikalisch dargestellter Gang durch die Geschichte des Gymnasiums vor großem Publikum auf dem illuminierten Schulhof mit pyrotechnischen Überraschungen, also eine Freilichtveranstaltung à la française:Son et Lumière“.

Kernzelle war der Literaturkurs 1997/98, der fast ein Jahr lang unter Aufarbeitung der Geschichte das „Drehbuch“ schrieb, die Kunstkurse übernahmen Bühnenbild und Dekoration, die Formationen der „Tanzenden Füße“ und des GTV übten die tänzerischen Einlagen ein, das „Orchester der Aula des Beethoven-Gymnasiums“ übte fleißig für die musikalische Begleitung, der Unterstufenchor und ein ad hoc gebildeter Lehrer- und Schülerchor probten Lieder und Gesänge, durch die Vermittlung des Vorsitzenden der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ konnten die notwendigen technischen Geräte für die Außenaufführung beschafft werden, technisch begabte Kollegen und Schüler arbeiteten an der Tontechnik und beschafften die Bühnenelemente, Schauspieler und Statisten aus der Oberstufe mussten angeworben und eingewiesen werden. Nachdem aus dem Theaterfundus auch die entsprechenden Kostüme einigermaßen passten, konnten fast 200 Akteure am Ende des Schuljahres 1997/98 eine als chaotisch empfundene Gesamtprobe durchführen: „Son et Lumière: Revue mit Klängen und Licht durch 325 Jahre, 1673 – 1789, 1845 – 1998“.

 

Nach Schuljahrsbeginn (10. August 1998) verblieben noch 2 ½ Wochen intensivster täglicher Proben, um die Auftritte zu perfektionieren. Als größte Unbekannte sollte sich das „Sommerwetter“ erweisen, noch bei der „eher mäßig glimpflich abgelaufenen“ Generalprobe störte gelegentlicher Nieselregen. Die Feier in der altkatholischen St. Cyprian-Kirche neben der Schule eröffnete ein „ökumenischer Gottesdienst der orthodoxen, evangelischen, altkatholischen und katholischen Konfessionen“, der – vom „Taizé-Ensemble“ begleitet – die Besucher mit „Unser Leben sei ein Fest“ auf die anschließende Abendveranstaltung einstimmte. Im ganzen Rheingebäude boten Stände, ein Bistro, ein Pub, ein Wiener Café und eine Weinstube ihre Köstlichkeiten an; in der Turnhalle erfreute die Zuschauer „Bewegung im Schloß“ und in der Aula durfte der Schulleiter – begleitet vom Unterstufenchor – die 1974 für den GRV gebaute und nach fünfjähriger Trockenlage wieder restaurierte „Wanderrate“ mit Rheinwasser taufen.

Mittlerweile hatten ca. 1400 Gäste an den Tischen auf dem Schulhof Platz genommen, während der Wind die dunkelsten Wolken vertrieb. Bei eintretender Dunkelheit eröffneten fackeltragende Kapuzenmönche die Veranstaltung, ein Conferencier begleitete die Zuschauer über die Jahrhunderte hinweg; der „Kurfürst“ verkündete die Schulübertragung und lud zum Menuett ein. Es folgte ein geschichtsträchtiger Reigen vergnüglicher, nachdenklicher, gespielter, gesungener, vorgetragener, getanzter Stationen bis in die heutige Zeit hinein, die mit ihren heißen Rhythmen (Rock’n Roll, Swing, Twist, Hula-Hop) das Publikum mitriss und die Bühne zum Schwingen brachte. „Son et Lumière“ endete um Mitternacht auf der Rheinseite des Schulhofs unter den Klängen von Händels Wassermusik mit einem fulminanten Feuerwerk, das Himmel und Fluss in den buntesten Farben erstrahlen ließ. Als die Sterne der letzten Rakete vor den staunenden Zuschauern nieder rieselten, kannten die Ovationen für die Verantwortlichen und die Mitwirkenden keine Grenzen.

 

Dieser Nacht folgte die nächste am 29. August 1998, „Classic Night“, während der in der Aula Ehemalige den Ton angaben. Der Oberstufenkoordinator verwirklichte die Idee, ehemalige Schülerinnen und Schüler, die die Musik zu ihrem Beruf erwählt hatten, gewissermaßen als Geschenk für die 325-Jahr-Feier einen Kammerkonzertabend gestalten zu lassen. Von den neun Zusagen verblieben sieben (Klavier, Oboe, Horn, Klarinette, Harfe) und ein Kollege (Fagott), die eine „höchst bewundernswerte Leistung“ auf „solch hohem Niveau“ boten, dass sie die Zuhörerschaft zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen (die CD von dem Konzert fand großen Absatz).

Von Elternseite wurde die „grandiose“ Jubiläumsfeier als weit „eindrucksvoller und belebender als viele offizielle kulturelle Ereignisse“ gewürdigt; die Schule habe mit dieser Veranstaltung „Maßstäbe gesetzt, die Hoffnung verheißen“ würden. Der Vorsitzende der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ fand es „ungewöhnlich beruhigend, in Zeiten, in denen Anspruchslosigkeit Programm ist, Schüler mit Engagement und Selbstverständlichkeit sich der Historie stellen zu sehen und zu hören“.

 

Die Abstände der Großen Jahresberichte verringerten sich: 1973, 1989, 1998; nach dem ersten verlangte der übliche Rhythmus der Gedenkfeiern einen weiteren Jahresbericht, zumal die Übertragung der Schule auf die Jesuiten unbestritten von besonderer Bedeutung war, da sie ihr für die nächsten 100 Jahre ihren eigenen Stempel aufdrückten. Außerdem galt es bei der Historie, einen genaueren Blick auf die Nachkriegsgeschichte des Beethoven-Gymnasiums zu richten. Interessanterweise hob dieser Jahresbericht mit einem wegweisenden Beitrag seinen eigenen Anlass dialektisch auf und stellte wieder einmal die relative Entscheidungsfreiheit unter Beweis, Gründungsdaten oder Epochengrenzen festzulegen.

Der Historiker Johannes Kistenich, der seine Dissertation über Bettelorden-Schulen im 17. und 18. Jahrhundert schrieb, leistete mit seinem wissenschaftlichen Artikel „Das Bonner Minoritengymnasium (vor 1626 -1673)“ den entscheidenden Beitrag zur Datierung des ältesten Minoritengymnasiums im Rheinland: Seit 1626 – sicher belegt mit eigenem Schulgebäude – gab es in Bonn eine höhere Schulbildung. Damit fand auch die Aufwertung der Leistungen der „Minderen Brüder“ die gebührende Anerkennung, und der Schulleiter durfte Geschichte schreiben, indem er das Gründungsdatum offiziell auf 1626 ändern ließ.

Mit Blick auf die Bedeutung Bonns nach 1945 erschien auch der Fokus des Jahresberichtes auf die Nachkriegsgeschichte der Schule berechtigt zu sein. Auch hier „Stunde Null“, schulische „reeducation“, Neubeginn oder Fortsetzung oder gar Restauration des alten humanistischen Gymnasiums? Das Fortleben des Griechischen („Homer – classic oder light“) im heutigen Unterricht gab Antworten und neue Fragen. Vermischtes aus dem Schulleben, Klassen- und Jahrgangsfotos, das Farbbild „fröhliches Kollegium bei einer Landpartie“ und viel beachtete, äußerst gelungene Kreationen aus dem Kunstunterricht zierten ebenfalls den umfangreichen Jahresbericht.

 

11.7.5 2001: 375 Jahre Beethoven-Gymnasium: Ein Jubiläum ohne Feier

 

Bei der Pressekonferenz zum Thema „Das Beethoven-Gymnasium ist noch älter als wir ahnten“ wehrte der Schulleiter noch Spekulationen auf den nächsten runden Geburtstag in zwei Jahren „augenzwinkernd“ ab: „Eine 375-Jahr-Feier für 2001 haben wir mit Blick auf den Etat nicht vorgesehen“! Gleichwohl sollte das Datum nicht einfach unter die Schultische fallen. Doch wie konnten ohne Feier (und Belastung des Schulbetriebes) 375 Jahre gewürdigt werden, ohne sich ihrer offiziell zu erinnern? Nur – wieder – mit einem Großen Jahresbericht, dem allerdings jeglicher Bezug zum Ereignis und, als Gipfel des Understatements, ein hinweisendes Vorwort des sich zurückhaltenden Schulleiters fehlten.

Als letztes Desiderat der Historie beleuchtete Kötting in einem Artikel „Beethoven-Gymnasium wieder im eigenen Haus“ die schwierigen Entscheidungen um den Neubau an alter Stelle, der ja die Voraussetzung für den Charakter der Schule wurde, dessen Facetten gerade dieser Jahresbericht zeigen wollte. Sein Motto leitete sich aus Hegels Gymnasialrede (29. September 1809) ab: der „Privatmann“ fühle die Vorteile einer guten (staatlichen) „Erziehungsanstalt besonders unmittelbar nah und einzeln“, weil es sein „liebstes Eigenthum, seine Kinder, betrifft“, sollten doch die Berichte, Artikel, Fotos und Kunstkreationen die Frage beantworten, warum nach 375 Jahren auch im neuen Jahrtausend das Beethoven-Gymnasium eine gute, eine richtige Schule für Eltern und Kinder ist.

 

11.8 Mathematik und Naturwissenschaften: Die anderen Schwerpunkte des Beethoven-Gymnasiums

 

Von Beginn an versuchte Kötting die städtischen Verantwortlichen zu bewegen, die naturwissenschaftlichen Fachräume zu modernisieren und die dringend notwendigen Kapazitäten zu erweitern. Angesichts des Sanierungsstaus und der Prioritätensetzung der Stadt geschah dies nur in sehr lang sich hinziehenden Zeiträumen. Die beiden Physik- und die dazwischen liegenden Sammlungs- und Vorbereitungsräume wurden nacheinander in ihrem Bestand und ihrer Einrichtung den Erfordernissen eines richtliniengemäßen Unterrichts angepasst. Der Biologiefachraum samt Sammlung erhielt Vorzeigecharakter, so dass Mikroskopübungen, Präparationen und Experimente in den Vordergrund treten konnten. Der noch von 1952 stammende, nach hinten hoch laufende Chemiehörsaal verwandelte sich in einen ganz modernen Fachraum mit einem völlig umgestalteten Sammlungs- und Vorbereitungsraum, in denen schülerorientiertes Arbeiten eine Freude machte. Ein weiterer Klassenraum konnte soweit umgebaut werden, dass er als Ausweichraum – allerdings ohne Gasanschluss – für die Naturwissenschaften benutzbar war. In all diesen Fachräumen unterrichtete nachmittags auch das „Studienkolleg für ausländische Studenten“, deren Hochschulzugang in Deutschland nicht anerkannt wurde und die sich nunmehr auf die Reifeprüfung vorbereiteten. Sammlungen und Einrichtungen waren daher einer hohen Belastung und Abnutzung ausgesetzt. Auch die Vorbereitungen der Versuche für den nächsten Morgen waren erschwert und bedurften notwendiger Absprachen.

 

1992 stellte die „Deutsche Agentur für Luft- und Raumfahrtangelegenheiten“ (DARA) vier Bonner Schulen verschiedene Satellitenempfangsanlagen zur Verfügung. Der Schulleiter entschied sich im Einvernehmen mit der Fachschaft Physik für eine Parabolantenne (1,20 m Durchmesser) und eine Omnidirektionalantenne auf dem Dach der Schule und ließ im obersten Stock des Aulagebäudes einen Raum einrichten. Mit dieser Anlage konnten die Signale des geostationären Wettersatelliten „MeteoSat“ und der polumlaufenden Wettersatelliten der NOAA-Serie empfangen und über ein Interface den Computern zugeleitet werden. In der Arbeitsgemeinschaft „MeteoSat“ setzten die Teilnehmer fächerübergreifend (Physik, Informatik, Erdkunde) die neueste Satellitentechnik ein. Am „Tag der offenen Tür“ (25. September 1997) konnte die Empfangsanlage erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt werden: Sie bestätigte „eindrucksvoll“ den Dauerregen des Vormittags.

 

Seit dem Schuljahr 1991/92 wurde die „Erste-Hilfe-Ausbildung“ zum integrierenden Bestandteil der Menschenkunde in der Biologie der Klasse 10, während der ohnehin die verschiedenen Organe des Menschen besprochen werden mussten. In der ersten Jahreshälfte stand der Unterricht unter dem Oberbegriff „Erste Hilfe“: Bei der Besprechung des Baus und der Funktionen der körperlichen Organe gingen die Unterrichtenden gleichzeitig auf Fragen der Sofortmaßnahmen im Falle einer Nothilfe ein. Auf die theoretische folgte die praktische Ausbildung unter Anleitung eines Notarztes und eines Rettungssanitäters am Beispiel einer sehr lebensnah geformten (schuleigenen) Menschenpuppe.

Seit 1994 ließen sich jedes Jahr ca. 20 Schülerinnen und Schüler vom „Malteser Hilfsdienst“ innerhalb von vier Tagen zu Schulsanitätern ausbilden, die dann auch die Versorgung in einem Notfall mit erster Hilfe vornehmen konnten (Notruf absetzen, reanimieren, Verbände anlegen, usw.). Am Schuljahresende durfte der Schulleiter den stolzen „Sanis“ die Teilnahmeurkunde überreichen. Sie trafen sich jeden Donnerstag in der zweiten großen Pause zu einer wöchentlichen Besprechung. Bei einem Schulunfall wurden die jeweiligen „Diensthabenden“ per Handy (auch aus dem Unterricht) vom Sekretariat gerufen, um sich, mit der nötigen Ausrüstung versehen, zum Unfallort zu begeben, einen Notruf abzugeben und die Erstversorgung zu übernehmen. Die Schülerinnen und Schüler meldeten sich gerne für dieses Schulprojekt, weil sie im Team arbeiten und auch gleichzeitig selbstständig und verantwortungsvoll handeln konnten Die Schulsanitäter erhielten auch die Möglichkeit, bei den Maltesern eine vollständige Ausbildung als Erste-Hilfe-Helfer zu beginnen oder/und ein freiwilliges soziales Jahr abzuleisten.

 

Ab 1999 verwirklichte die Schule das Konzept „Umwelttage“, die Umweltproblematik und Naturkenntnisse erlebnisnah zu vermitteln suchten: Nämlich das in Klasse 8 im Biologie- und Erdkundeunterricht gewonnene theoretische Wissen zum Thema Umwelt und Naturschutz durch praktische Arbeit „vor Ort“ (in Wald und Flur sowie der Tierwelt) zu ergänzen, das Problembewusstsein zu stärken sowie später präventiv zu handeln. Die Schule vermittelte Praktikumsstellen bei Umweltorganisationen, Forstämtern, Forschungseinrichtungen, auf dem landwirtschaftlichen Versuchsgut der Universität Bonn, usw. Die Klassen teilten sich je nach Neigung in Gruppen von bis zu 10 Telnehmern auf, damit die Überschaubarkeit und der unmittelbare Kontakt zum Gruppenleiter gewährleistet blieben. So wurden an zwei Tagen im Frühjahr Teiche gereinigt, Kröten von den Wegen und Straßen aus der Gefahrenzone gebracht, Bäume zur Verjüngung des Waldes neu gesetzt, Ställe gesäubert und Tiere gefüttert. Durch das eigene Erleben und die eigenständige Arbeit verstärkte sich die Erfahrung, allein oder in der Gruppe etwas bewirken zu können für den Schutz bedrohter Ökosysteme; auch der richtige Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt wurde eingeübt.

 

Am Ende der 90er Jahre nahmen die Teilnehmer des Biologie-Leistungskurses 11 die Einladung des Leiters der epileptologischen Abteilung der Bonner Universitätskliniken wahr, um sich über den augenblicklichen Stand der Hirnforschung zu informieren. Nach den überaus positiven Erfahrungen bot die Schule jährlich für die Stufe 11 zwei „Tage der Naturwissenschaften“ an, die den Zugang zu den Naturwissenschaften erleichtern und fördern sowie gleichzeitig Einblick in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten sollten. Die Schülerinnen und Schüler konnten unter verschiedenen Lernorten auswählen: z. B. zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem Chemischen Institut der Universität Bonn, der Klinik für Epileptologie; dem Forschungszentrum „CAESAR“.

 

Nachdem zu Beginn des Jahrtausends der Schulleiter sogar eine Chemie(!)lehrerin nach dem neuen „schulscharfen“ Verfahren aussuchen und einstellen durfte, konnte auch in diesem Fach – über die Abdeckung des Pflichtunterrichts hinaus – eine Chemie-Arbeitsgemeinschaft eingerichtet und Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme an dem Experimentalwettbewerb „Chemie entdecken“ beflügelt werden: Neben der Bewältigung von je nach Jahrgangsstufen gestaffelten Experimenten gab es noch Zusatzaufgaben zu lösen, die auch den richtigen Umgang mit Computer und Internet unter Beweis stellen sollten.

 

Um Freude und Interesse am Fach Mathematik zu wecken und zu fördern sowie mathematisch Begabte zu entdecken, nahmen seit Beginn des Schuljahres 1999/2000 interessierte Schülerinnen und Schüler an der „Mathematik-Olympiadeteil, einem Wettbewerb der ehemaligen DDR, den nach der Wende auch die alten Bundesländer übernahmen. Die nach Klassenstufen differenzierten Aufgaben wurden von Rostock aus zentral gestellt. In der ersten Runde waren Hausaufgaben auf Schulebene zu lösen; wer sich hier qualifizierte, hatte in der Regionalrunde in einer der Bonner Schulen eine je nach Klassenstufe zwei- bis dreistündige Klausur zu schreiben. Die Landesrunde, auf der die Teilnahme der Klassen 5 bis 7 endete, fand an wechselnden Orten Nordrhein-Westfalens statt. Von der achten Klasse an konnte man sich für die Bundesrunde qualifizieren, um dort gegen die erfolgreichen Absolventen der anderen Bundesländer anzutreten. Bis in die Landesrunde schafften es auch Schülerinnen und Schüler des Beethoven-Gymnasiums. Die Preisträger wurden dann zu einem „Mathe-Camp“ eingeladen, um eine gezielte Förderung der speziellen Fähigkeiten und Interessen zu erfahren.

 

Seit dem Schuljahr 2001/02 konnten im Rahmen des Projektes Fördern, Fordern, Forschen“ (FFF) Schülerinnen und Schüler an ausgewählten Vorlesungen und Übungen in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Informatik mit den normalen Erstsemestern der Universität Bonn teilnehmen und auch die entsprechenden Zertifikate erwerben. Für die vormittäglichen Vorlesungen gab es zwar Unterrichtsbefreiung, aber die Arbeitsbelastung war ausgesprochen hoch, zumal selbstständig für die Schule nachgearbeitet werden musste. Der erste Teilnehmer des Beethoven-Gymnasiums hatte sich für Physik entschieden und in der abschließenden vierstündigen Klausur gut abgeschnitten. Anschließend ermunterte er die Schule, auch in Zukunft die Teilnahme an diesem Projekt zu ermöglichen, sowie seine Mitschülerinnen und Mitschüler, trotz aufkommender Schwierigkeiten nicht aufzugeben.

 

11.9 Beginn des Computer- und Internetzeitalters

 

1984 war auch für das Beethoven-Gymnasium die Zeit vorbei, in der man noch glaubte, ohne Computer im Schulleben auszukommen. Dank einer großzügigen Firmenspende, der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ und eines Zuschusses der Stadt Bonn verfügte die Schule nunmehr über sechs Computer, so dass sich eine Arbeitsgemeinschaft schnell mit ca. 60 Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 9 bis 13 füllte und bei einem kompetenten Kollegen das notwendige Rüstzeug für die Bedienung und die weitere selbstständige Arbeit erhielt. Im Schuljahr 1984/85 konnte die Schule dann – außerhalb der obligatorischen Stundenzahl – zwei Grundkurse Informatik für die Oberstufe und eine Arbeitsgemeinschaft für die Mittelstufe einrichten. Weitere Spendenaktionen brachten 1986 und 1987 zusätzliche Computer ins Haus, so dass die Zahl der Nutzer innerhalb der Schülerschaft sich ständig erhöhte, zumal auch von zu Hause immer mehr Kenntnisse und Fertigkeiten mitgebracht wurden. 1994 erhielten sogar zwei Mittelstufenschüler mit ihrem selbstständig entwickelten Computerprogramm für lateinische und englische Vokabeln beim Wettbewerb „Jugend forscht“ auf Landesebene den zweiten Preis.

 

Da in der Mittelstufe wegen Lehrermangels Musik und Chemie teilweise gekürzt wurden oder ganz ausfielen, bot der Schulleiter seit 1996 in den Klassen 7 und 8 im halbjährigen Wechsel Informatik an. Der Unterricht sollte eine „informationstechnische Grundbildung“ vermitteln: Einführung in das „Ordnungsschema“ des Computers (Verzeichnisse, Dateien, der „Pfad“ zum Ziel) sowie Grundunterweisung im Umgang mit einer Textverarbeitung (Word) und Tabellenkalkulation (Excel): z. B. Verzeichnisse anlegen; Dateien speichern; Texte erstellen; Layout; Einbinden von Grafiken in einen Text; Serienbriefe; Rechnen in Tabellen; Umsetzen von Tabelleninformationen in geeignete Grafiken, usw.. Da in diesem Zusammenhang kein Erlernen des „Zehn-Finger-Schreibens möglich war, vermittelte die Schule Kurse eines kommerziellen Anbieters (gegen Entgelt) an.

 

Schon seit Beginn der 90er Jahre wünschten sich die Schülerinnen und Schüler zunehmend, die Schule mit mehr und vor allem moderneren Geräten auszustatten und schließlich auch den Anschluss an das Internetzeitalter zu halten. Während des Schuljahres 1995/96 führte der Schulleiter viele Gespräche mit Elternvertretern und Computerexperten aus dem Kollegium über das Für und Wider eines Internetzugangs für die Schule und über die Möglichkeit, noch einen zusätzlichen Fachraum im Gebäude zu finden. Dabei bot sich die Initiative „Schulen ans Netz“ des Landes NRW sowie des Bundes und der Telekom als Voraussetzung für die Nutzung des Internets am Beethoven-Gymnasium an. Im August 1996 wandten sich der Schulleiter, die Vorsitzenden der Schulpflegschaft und der Vorsitzende der GFF mit einem Spendenaufruf an die Elternschaft, um mindestens 10 multimediafähige, miteinander vernetzte PC-Arbeitsplätze einzurichten. Sie sollten nicht nur der Mathematik und Informatik dienen, sondern auch – und vor allem – von den Sprachen und Gesellschaftswissenschaften und für Projektarbeiten genutzt werden.

Am 20. November 1996 lud der Schulleiter Eltern und Sponsoren zu einem Informationsabend ein, an dem in der voll besetzten Aula über den Sinn der Computer- und Internetnutzung auf dem Gymnasium sehr kontrovers diskutiert wurde. Ein Teil der Eltern und Experten war der Meinung, die Jugendlichen würden ohnehin außerhalb der Schule oder später genügend Fertigkeiten für die Beherrschung der neuen Techniken erwerben, so dass das viele Geld besser für Musik, Kunst oder Sprachen ausgegeben werden sollte. Der Schulleiter hatte nicht immer einen leichten Stand, die vielfältigen Bedenken auszuräumen, doch eine Mehrheit zeigte sich schließlich mit dem Vorhaben einverstanden. Der erste Spendenaufruf brachte die Mittel für fünf Rechner ein, nach dem zweiten konnte die Schule mit weiteren fünf Geräten rechnen, so dass die mittlerweile Anfang 1997 anlaufende Planung von neun Schüler- und einem Lehrercomputer ausgehen konnten.

 

Ein nächstes Problem galt es nunmehr zu lösen: einen geeigneten Raum in einer Schule zu finden, die ihre letzten Raumreserven längst ausgeschöpft hatte. Nach schwierigen Gesprächen konnte der Schulleiter die Neusprachler dafür gewinnen, das in die Jahre gekommene, allerdings noch funktionierende Sprachlabor zur Disposition zu stellen. Seine Benutzung war mit häufigen Störungen bzw. Unterbrechungen verbunden: Die Geräte zeigten sich anfällig, Bänder rissen, eine sachgerechte Bedienung durch die Schülerinnen und Schüler ließ manchmal zu wünschen übrig. Anlage, Raum und Fußboden bedurften einer dringenden Erneuerung, deren Kosten auch wegen der geänderten Fremdsprachenmethodik als zu hoch und wenig sinnvoll erschienen. Mit der akzeptierten Bedingung, die Funktion eines Sprachlabors durch die Computeranlage mit den entsprechenden Lernprogrammen übernehmen zu lassen, konnten die alte Anlage abgebaut und der Raum im Januar 1997 einen neuen Fußboden mit integrierten Kabelkanälen erhalten. Schon im März waren die notwendigen elektrischen Anschlüsse verlegt, die neuen Rechner bestellt   und einen Monat später installiert und betriebsbereit gemacht worden.

Im Rahmen des von der SV durchgeführten Sommerfestes am 23. Mai 1997 hatte die Eröffnung des „Multimedia-Raumes einen wahren Besucherstrom entfesselt. „Allen Widrigkeiten zum Trotz eingeweiht“ fasste die Presse (Bonner Rundschau) den Einstieg des Beethoven-Gymnasiums in das Internetzeitalter zusammen. Bei der Einweihung betonte der Schulleiter die Priorität, dieser Raum beherberge nicht eine reine Informatik- und Internetanlage, sondern biete allen Fächern die Möglichkeit einer unterrichtlichen Verwendung; mit den angeschafften sprachgesteuerten Lernprogrammen für Dialoge und Ausspracheschulung bleibe die Funktion des Sprachlabors erhalten („Englisch mit dem Computer sprechen“- General Anzeiger Bonn 26. 5. 1997).

In freien Stunden war der Raum auch vormittags für die Oberstufe (außer Internet) zugänglich; nachmittags arbeiteten dort Arbeitsgemeinschaften sowie Mittel- und Oberstufenschülerinnen und -schüler unter Aufsicht (auch im Internet). Innerhalb der nächsten zwei Jahre wurden Programme installiert für Mathematik, Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte und Musik; Enzyklopädien in deutscher, englischer und französischer Sprache standen für alle Nutzer zur Verfügung. Selbstverständlich waren auch die normalen Büroanwendungen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation möglich. Die Hemmschwelle zum Besuch des Multimediaraums mit einer Klasse nahm selbst bei dem älteren Teil des Kollegiums zunehmend ab, denn im „Notfall“ konnten immer einige Schülerinnen und Schüler aushelfen. Im Jahre 2000 richtete die Stadt einen neuen, zweiten Computer- und Medienraum für zwölf weitere Schülerarbeitsplätze ein. Beide Räume waren im neuen Jahrtausend sehr oft „ausgebucht“.

 

Um Informationen über eine Ausweitung des Informatikunterrichts zu erhalten, gab der Schulleiter zu Beginn des Jahrtausends einem Mathematiklehrer die Möglichkeit, in zwei Klassen 5 den Umgang mit dem Computer durch einen Einstieg in die Textverarbeitung zu testen. Da allerdings die Klassen in jeweils zwei Gruppen eingeteilt werden mussten, ergab sich nur ein vierteljähriger einstündiger Unterricht, zu wenig, um daraus allgemeingültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Aber schon die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass selbst ein längerer Unterricht keine wesentlichen Vorteile geboten hätte. Fast alle Kinder nutzten bereits zu Hause oder bei Freunden Computer – in der Regel für Computerspiele; über die Hälfte hatten schon Erfahrungen mit dem Internet (keine besonderen Defizite bei Mädchen). Doch, wie die Auswertung weiter zeigte, empfanden in diesem Alter die Schülerinnen und Schüler den Computer eher als „Spielzeug“, kaum als Mittel der Informationsbeschaffung oder der Lösung eigener, nicht von der Schule bewusst gemachter Probleme. Der Lernfortschritt war bei der zur Verfügung stehenden Zeit und der Größe der Gruppen zu gering, zumal Kinder dieses Alters sehr viel individuelle Zuwendung und Hilfe benötigten. Die schon vorhandenen Kompetenzen, das zeigte die Erfahrung, reichten aus, um in einzelnen Fächern den Gebrauch des Computers in den Unterricht der Erprobungsstufe einzubinden.

Alle Mathematiklehrer der Klassen 5 waren der Ansicht, dass mit einem Informatikunterricht in Klasse 7/8 eine gezieltere Unterweisung möglich sei, da die Schülerinnen und Schüler in diesem Alter wesentlich selbstständiger handeln und daher auch stärker vom Unterricht profitieren könnten, zumal auch dann erst wegen der formalen Anforderungen Tabellenkalkulationen möglich seien. Die Schule verließ sich daher auf die zunehmenden Vorkenntnisse, die die Eingangsklassen mitbrachten.

 

 

 

  • Berufswahlvorbereitung auch auf dem Gymnasium

 

Seit dem Beginn der 80er Jahre bereitete es den Eltern zunehmend Sorge, dass das Abitur nicht mehr automatisch den Weg zum Studium und erst recht nicht später zu dem gewünschten Beruf eröffnete. Eine Banklehre oder ein außeruniversitärer Ausbildungsgang war keine Seltenheit mehr. Auch die klassischen akademischen Berufe hatten sich vielfältig differenziert, neue Berufsfelder boten sich an, von denen die meisten Abiturienten überhaupt noch nicht Kenntnis genommen hatten. Den Eltern erschien es wünschenswert, die Frage der Berufswahl frühzeitig und sorgfältig anzugehen. Mit Unterstützung der Schule griffen sie im Juni 1984 zur Selbsthilfe und boten an zwei Nachmittagen für die Stufen 11/12 jeweils 17 verschiedene Berufe in kleinen Einführungsreferaten mit anschließender Befragung an, wobei die akademischen Berufe überwogen. Diejenigen, die die Gelegenheit genutzt hatten, ließen sich interessiert beraten und lobten die Veranstaltung.

Damit war von Elternseite und einem Teil des Kollegiums eine Diskussion über eine zukünftige Berufsberatung in Gang gekommen, die automatisch zu der Frage führte, ob nicht auch am Gymnasium (wie an Haupt-, Real- und Gesamtschulen) ein Betriebspraktikum der Berufswahlvorbereitung in der Oberstufe förderlich sei (von drei Tagen in den Ferien gingen erste Überlegungen aus). Im Kollegium wurde ein solches Praktikum nicht von allen als eine Bereicherung des gymnasialen Schulprogramms angesehen. Die Mehrarbeit für Aufsicht und Betreuung sei zu groß und der Ausfall von soviel Unterricht – neben den vielen anderen außerunterrichtlichen Tätigkeiten – nicht zu verantworten.

Der neue Schulleiter, der in seiner ehemaligen Schule ein bereits funktionierendes System der Berufswahlvorbereitung eingeführt hatte, konnte viele Bedenken entkräften und die entscheidenden Schritte für ein Praktikum einleiten. Eine Umfrage in der Stufe 11 ergab eine Zustimmung von über 90%, die den erweiterten Arbeitskreis „Berufsorientierung“ beflügelte und schließlich zu einem Beschluss der Schulkonferenz 1985 führte, Ende Januar 1986 ein viereinhalb- tägiges Betriebspraktikum in der Stufe 12 durchzuführen. Die meisten Stellen fanden sich durch Eigeninitiative, der Rest durch Vermittlung von Elternseite. Acht der in der Stufe unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer erklärten sich bereit, jeweils eine nach möglichst homogenen Berufsarten zusammengefasste Gruppe (z. B. Kindergärten/Schule; Handel/Dienstleistung; Handwerk/Industrie; Universität/Krankenhaus; Verwaltung; Zeitung/Theater; Mathematik/Technik/Datenverarbeitung; Banken/Sparkassen/Versicherungen) zu übernehmen, in das Praktikum vorher einzuführen, die Teilnehmer währenddessen zu betreuen und mit einem Erfahrungsbericht die Nachbereitung vorzunehmen. Eine Mitarbeiterin der Berufsberatung leitete das ganze Verfahren mit einer ausführlichen Information für die Gruppen ein, ein Besuch des Berufsinformationszentrums, das einen Einblick in alle Berufe gewährte und auch Eignungstests anbot, war jeweils eingeplant.

 

Planung und Durchführung eines solchen Praktikums bedeutete für die Beteiligten ein erhebliches Maß an Überstunden. Manchen erschien es zweifelhaft, ob der tatsächlich geleistete Aufwand im entsprechenden Verhältnis zum Ergebnis stehe. 142 Schülerinnen und Schüler sollten in den Betrieben besucht werden, weniger der Kontrolle wegen, sondern um persönliche Verbindungen zu den Betrieben aufzunehmen und Gespräche über Vorstellungen und Probleme von deren Seite anzuhören. Der Gewinn allerdings war beidseitig groß: die Kenntnis beruflicher Realität und des Arbeitsalltags für den Schonraum Schule und der Einblick in die Unterrichtsziele und -abläufe für die Betriebe. Außerdem waren die Betreuer wichtige Ansprechpartner für die Praktikanten bei der oft ungewohnten Arbeit. Wenn auch nicht alle ihre Arbeit als zusätzlichen Gewinn betrachteten, so konnten doch die allermeisten über die Bemühungen an Ort und Stelle berichten, einen Einblick in den Beruf und die Betriebsabläufe zu geben.

Obwohl sich für Einzelne die Erfahrung mit der Beschäftigung als eher abschreckend erwies, war die Schülerreaktion insgesamt wider Erwarten sehr positiv. Sie fühlten sich nachher motiviert, genauere Informationen über eventuelle Berufsmöglichkeiten einzuholen; nicht wenige hielten sich in ihren Neigungen und Fähigkeiten bestärkt. Einhellig ergab die anschließende Befragung: grundsätzliche Einführung des Betriebspraktikums für den Jahrgang 12, – aber zwei volle Wochen (was auch von den Betrieben so gefordert worden war). Die abschließenden Praktikumsberichte sollten nicht nur der Selbstreflexion dienen, sondern auch den nachfolgenden Jahrgängen eine Information über Auswahl und Ablauf des Praktikums und über die jeweilige Berufssparte geben. Lehrer- und Schulkonferenz schlossen sich der positiven Wertung des ersten Durchlaufs an und beschlossen für die Zukunft ein zweiwöchiges Betriebspraktikum für die Stufe 12 jeweils zwischen dem ersten und zweiten Halbjahr. Der von der Schule verfasste ausführliche Bericht wurde von der Behörde in Bezug auf Planung und Durchführung als vorbildlich gelobt. Seither hat das Praktikum, dessen Sinnhaftigkeit unbestritten ist, seinen festen Platz im Schulprogramm eingenommen.

 

11.11 Das vielfältige Musikleben trotz Lehrermangels

 

Nach 1976 hatte sich am Beethoven-Gymnasium ein Musikleben entwickelt, zu dessen Höhepunkt das alljährliche, von der Presse hoch gelobte Chorkonzert zählte (in der Aula, in der Kreuzkirche, im Bonner Münster, auf dem Marktplatz). Seit Beginn der 80er Jahre konnte der Chorleiter für die Solopartien und Orchesterbegleitung Berufsmusiker gewinnen. Für die immer kostspieligeren Auftritte durfte er mit der Unterstützung der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ rechnen, die außerdem die Anschaffung von Instrumenten, Partituren, Chorstimmen usw. ermöglichte.

Beim Schülerkonzert wiederum wollten alle, die ein Instrument beherrschten, mit einem kurzen Stück ihrer Wahl ein breiteres Publikum begeistern, so dass sich über 150 Schülerinnen und Schüler jedes Jahr am Musikleben des Beethoven-Gymnasiums beteiligten.

Der neue Schulleiter konnte schon im September 1985 in den Genuss eines Chorkonzertes in der Aula kommen: 110 Schülerinnen und Schüler sangen – auswendig – Haydns „Jahreszeiten“ (in einer leicht gekürzten Fassung), unterstützt von 20 Mitgliedern des Kollegiums, 40 Orchestermusikern und drei Gesangssolisten. Im „Europäischen Jahr der Musik“ begeisterte die Wiederholungsaufführung die vielen Zuhörer auf dem Marktplatz im Rahmen des Bonner Sommers. Im Mai 1986 sang der Schüler-Lehrerchor in der überfüllten Kreuzkirche zu Max Regers 70. Todestag. Genau ein Jahr später entfachten in der bis auf den letzten Platz besetzten Kreuzkirche der Schulchor, Mitglieder des Orchesters der Beethovenhalle, Johannes Geffert an der Orgel, Solisten der Kölner Oper und die Mittelstufenschülerin Judith Decker mit dem „Requiem“ von Andrew Lloyd Webber „ausgedehnte Beifallsstürme“.

 

Mit dem neuen Schuljahr 1987/88 begann der Chor schon wieder mit der Einstudierung eines sehr ehrgeizigen Projektes, Arthur Honeggers „König David“, eines „symphonischen Psalms“ für Soli, Chor und Orchester. Nach einer längeren Probephase als sonst lobte der General Anzeiger das „professionelle Niveau“ der auswendig singenden Schülerinnen und Schüler, die das Werk in der Kreuzkirche zusammen mit fünf Solisten aus Köln, Berlin und Freiburg, Mitgliedern des Orchesters der Beethovenhalle und Josef Geffert an der Orgel am 10. Mai 1988 aufführten.

Mit der St. Edward’s School, der Austauschschule in der Bonner Partnerstadt Oxford, entwickelte sich in diesem Schuljahr ein musikalischer Austausch, als sich – trotz der „Strapazen“ für „König David“ – ca. 40 Mitglieder zu einem Kammerchor formierten, als Austauschgäste nach Oxford reisten und dort mit dem Chor und Orchester von St. Edward ein gemeinsames Konzert gaben. Am 2. Juli 1988, beim Gegenbesuch in Bonn, konnte der Schulleiter zahlreiche Gäste begrüßen in der Namen Jesu Kirche (selbst die Beichtstühle und Altarstufen waren „ausverkauft“), in der vor „mitgehendem Publikum“ das Konzert wiederholt wurde. Für das nächste Jahr war wieder ein solcher Austausch geplant, doch zeichneten sich schon im Vorfeld organisatorische und terminliche Probleme von englischer Seite ab.

 

Dieses aufwendige und kostenträchtige Musikleben musste das Beethoven-Gymnasium seit über 10 Jahren mit einem einzigen hauptamtlichen Musiklehrer leisten, der die Schule mit einem professionellen Chor bereicherte, – allerdings auf Kosten einer drastischen Kürzung des Musikunterrichts in der Mittelstufe und unter Verzicht auf einen Grundkurs Musik in der Stufe 13 und dementsprechend auf das Abiturfach. Ein Teil des Stundendeputats des Kollegen wurde nämlich für den Chor vorgehalten (von seinen Überstunden ganz zu schweigen), der über die Woche verteilt an Eckstunden und samstags in der 1. Stunde probte. Eine gewisse Entspannung brachte die Versetzung einer Musiklehrerin (jedoch nur mit halber Stundenzahl) seit dem Schuljahr 1987/88, so dass nunmehr wenigstens ein bis zur Stufe 13 durchgehender GK Musik (auch als Abiturfach) angeboten und ein Unterstufenchor in der Erprobungsstufe gegründet werden konnte. Der Schulleiter ließ am anderen Ende des Gebäudes, im früheren Arkadenhof und an der Stelle des einstigen Weinbergschlösschens, einen zweiten Musikraum einrichten, den die „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ aus Beiträgen und Spenden mit einem neuen Klavier beschenkte.

Den Unterricht in der Erprobungsstufe deckten zur Begeisterung der Teilnehmer zwei Kollegen fachfremd sehr professionell ab. Einer von ihnen gründete im gleichen Schuljahr die „BG-Jazz-Connection“, eine Arbeitsgemeinschaft für alle Jazz- und Band-Spielbegeisterten und begann das „Orchester der Aula des Beethoven-Gymnasiums aufzubauen, das zwar etwas klein war, aber nichtsdestotrotz viel beachtete Konzerte geben konnte. Das Problem eines hinreichenden Orchesternachwuchses ergab sich aus der Teilnahme vieler Schülerinnen und Schüler an Kursen der Musikschule und am Jugendsinfonieorchester (Teil des zentralen Leistungskurses Musik); allein aus Solidarität traten nur einige wenige dem erst im Aufbau begriffenen Schulorchester bei. Belohnt wurden die Chor- und Orchesterteilnahme mit der Anrechnung auf die musischen Pflichtkurse in Stufe 12/13, deren notwendiger richtlinienkonformer Theorieanteil sich jedoch sehr in Grenzen hielt.

 

Seit September 1988 liefen die Vorbereitungen für die Aufführung von Haydns „Schöpfung“ (5. September 1989) im Jubiläumsjahr „Bonn 2000“; eingeladen waren alle Kollegen und Kolleginnen, der Unterstufenchor (Klassen 5/6) und der Kammerchor (7-12), die sich mit dem großen Chor verschmelzen sollten. Die Probentage vor dem Konzert sprengten alle bisherigen Einschränkungen des Schulbetriebes, gipfelten allerdings in der schon geschilderten hoch gelobten Aufführung im Rahmen der Bonner Feierlichkeiten. Nach der „Schöpfung“ – die Erschöpfung und eine Phase der kritischen Distanz zu dem Konzept der Chorkonzerte, das den schulischen Alltagsbetrieb zu sehr in Anspruch nahm.

 

Die „Chorwoche“, wie die Probentage (mal den ganzen Vormittag, mal einige Stunden) euphemistisch genannt wurden, verlangte von allen betroffenen Kollegen: kein Weitergehen in der Stoffvermittlung mit Rücksicht auf die vielen Chormitglieder! Angesichts der vielen anderen außerunterrichtlichen Aktivitäten wuchs die „Chorwoche“ zu einer zunehmenden zeitweisen Belastung des Unterrichts und zur Beeinträchtigung weiterer Projekte, während der Chorleiter den Fokus allein auf seine Konzeption eines Chorbetriebes richtete, die die bisherigen Erfolge sichern sollte. „Bauchschmerzen“ verursachten Eltern und vor allem der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ die erheblichen Defizite der letzten Konzerte (wegen der Teilnahme professioneller Musiker und Sänger), – trotz steigender Eintrittspreise. Nur eine großzügige Spendenaktion aus der Elternschaft und ein namhafter Zuschuss des Fördervereins konnten hier ausgleichen. Als Benefizveranstaltung (9. Dezember 1987) zugunsten der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ hatte schon die Uraufführung eines Schülervaters, Walter J. Divossen, „Der Lord und das kleine Schloßgespenst“ (nach einer Gespenstergeschichte mit Musik für Sprecher und Bläserquintett) eine namhafte Summe für die Spendenkasse eingespielt. Bald kam es aber zu Differenzen zwischen Divossen und dem Chorleiter sowie zwischen diesem, der ebenfalls auf die Schüler der Klassen 6 für seinen Chor zurückgreifen wollte, und der Fachkollegin, die für ihren Unterstufenchor die Mitwirkung der Klassen 7 beanspruchte.

 

Im Kollegium und bei Eltern kam schließlich die Frage auf, ob man nicht Chorkonzerte auch mit vornehmlich schulischen Mitteln und Kräften bestreiten könnte und ob die Reduzierung auf schülermäßige Aktivitäten und Leistungen dem Bildungsauftrag der Schule nicht gerechter würde. Der mehrheitliche Wunsch des Kollegiums nach weniger Chorproben während der Unterrichtszeit führte zur Niederlegung der Chorarbeit, was nun Elternschaft und vor allem viele Schülerinnen und Schüler – solidarisierend – auf die „Barrikaden“ und zu einer Protestversammlung in die Aula trieb, wo der Schulleiter mit größter Mühe die ca. 500 aufgebrachten lautstarken Chor-Begeisterten mit einem unmittelbar vorher – unter noch größeren Anstrengungen – dem Chorleiter abgerungenen Kompromiss beruhigen konnte. Am Rande der Legalität bewegte sich der Schulleiter mit der Hilfskonstruktion, die Teilnahme am Chor oder Orchester (ohne die von den Richtlinien geforderten ausreichenden Theorieanteile) als musische Pflichtbelegung in Stufe 12/13 anzurechnen.

Doch nach einem „Hinweis“(!!) an den Schuldezernenten ließ dieser umgehend die Kursmappen auf Einhaltung der Richtlinien für den dreistündigen musischen Pflichtkurs überprüfen und verbot (unter Berufung auf die Vorschriften) dem fachfremd unterrichtenden Kollegen, der jahrelang mit Erfolg das Orchester leitete, einen solchen Kurs abzuhalten, so dass dessen Teilnehmerzahl mangels rechtlicher Anerkennung überschaubar blieb. Noch folgenschwerer sollte sich eine Beschwerde aus dem Elternkreis über den Ausfall des Musikunterrichts in der Mittelstufe sein. Nach einer behördlichen Überprüfung wurde der Schulleiter angewiesen, bei der Unterrichtsverteilung erst die gesamten Pflichtstunden in Musik abzudecken, ehe ein Teil des Deputats für die Chorarbeit abgezweigt würde, die sich aber unter diesen Umständen in der alten Form nicht mehr verwirklichen ließ. Gänzlich entnervt hatte den Chorleiter das lange Gezerre um den zweiten freien Samstag, dessen Einführung für das Schuljahr 1990/91 eine Chorarbeit am Vormittag unmöglich machte. Er ließ sich „verstimmt“ versetzen, der große Chor blieb „stimmlos“.

 

Die verbliebene Fachkollegin versuchte mit ihrem bescheidenen Stundendeputat hauptsächlich aus der Unter- und Mittelstufe einen „Rumpf“chor aufrecht zu erhalten, so dass schließlich am 3. und 10. Februar 1992 45 Schülerinnen und Schülern mit der Aufführung von Teilen des Singspiels „Die Entführung aus dem Serail“ ihren verdienten Erfolg bekamen. Es zeigte sich, wie schwierig ein größerer Chor aufzubauen und zu halten war unter den behördlichen Bedingungen von zwei Stunden pro Woche (nach der 6. Stunde). Die Kollegin kam daher zu der Überzeugung, auf die unlängst (auch von ihr) kritisierte zu starke professionelle Unterstützung durch Musiker und Sänger zurückgreifen zu müssen, wenn sie die „Carmina Burana“ von Orff in der originalen Fassung für Soli, gemischten Chor und Kinderchor, zwei Klaviere und Schlagwerke aufführen wollte. Durch die großzügige Hilfe der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ und Zuschüsse der Stadt konnten die drei Gesangssolisten, die zwei Pianisten (darunter ein Ehemaliger) und die fünf Schlagzeuger gewonnen werden.

Zwei Chorfreizeiten in Ahrweiler und Vallendar (von den Eltern bereitwillig unterstützt) und viele Sonderproben seit Anfang März (109 Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen, ergänzt durch Ehemalige, Eltern, Freunde und Mitglieder des Kollegiums) gipfelten am 25. Juni 1993 in einem „berauschenden musikalischen Fest“, das auch durch die Bühnendekoration seine besondere Prägung erhielt. Aber ein solcher Kraftaufwand neben den zunehmenden anderen außerunterrichtlichen Aktivitäten ließ sich so schnell nicht wiederholen. Es kam zwar noch einmal am 22. Januar 1995 zu einem Chorkonzert in der Beueler St. Josef Kirche, dann ließ sich die Kollegin auf eigenen Wunsch versetzen. Inzwischen konnte im Schuljahr 1994/95 eine Fachkollegin (allerdings nur mit halber Stundenzahl) gewonnen werden, die den Unterstufenchor zu einer erfreulichen Institution entwickelte.

 

Der Leiter des von ihm 1979 ins Leben gerufenen Schülerorchesters, das, seit 1982 „Orchester der Aula des Beethoven-Gymnasiums“ genannt, auch außerhalb der Schule auftrat, präsentierte von März 1991 an unter dem Namen „Schüler-Lehrer-Konzert“ eine neue Art musikalischer Veranstaltung mit ausschließlich hauseigenen Kräften. Alljährlich spielten 20 – 25 Schülerinnen und Schüler, von Anfängern bis zu den zahlreichen Preisträgern bei „Jugend musiziert“, ein kurzes Stück ihrer Wahl (von Klassik bis Jazz und Musical). Gelegentlich trat auch eine Schüler-Band mit der gehörigen Lautstärke auf; talentierte Schülerinnen erfreuten das dankbar klatschende Publikum mit Gesangseinlagen. Hier wirkte sich wohltuend der Instrumental- und Gesangsunterricht aus, den der Kollege von Fachkräften einer Musikschule nachmittags anbieten ließ. Sein eigenes Orchester umrahmte die Darbietungen, die seit 1994 mit dem Auftritt eines Kollegiumschores (manchmal als Damen-, manchmal als Herren-, manchmal als gemischtes Ensemble) in parodistischen Arrangements unter dem tosenden Beifall der Aulabesucher ihren Höhepunkt fanden.

 

Am Ende des Jahrtausends erhielt der Schulleiter ein „Geschenk“ von der Landesregierung, auf das er 15 Jahre sehnlichst gewartet hatte: Nach der Einführung des „schulscharfen Lehrereinstellungsverfahrens“ konnten die Schulen erstmalig selbst – in einem streng einzuhaltenden formalen und rechtlichen Rahmen – Stellenausschreibungen und Bewerberauswahl vornehmen. Angesichts einer seit langem nur mit 12 Stunden unterrichtenden Musiklehrerin (für 855 Schülerinnen und Schüler) stellte die Behörde für das Beethoven-Gymnasium einen starken „Unterhang“ (!) in Musik fest und teilte der Schule eine Planstelle zur eigenen Besetzung zu.

Eine fünfköpfige Kommission aus dem Schulleiter und Vertretern des Kollegiums und der Elternschaft sowie einem Mitglied des Personalrates durfte im Januar 1999 aus der Kandidatenriege auswählen und am Ende des Jahres konnte der Schulleiter der Kollegin die Urkunde der Verbeamtung auf Lebenszeit überreichen. Sie hatte inzwischen begonnen, einen Chor aus den Klassen 7 bis 12 aufzubauen (mit schulischen Mitteln und im schulischen Rahmen) und gab schon im Juni 2000 zusammen mit der Kollegin und dem Unterstufenchor das erste Konzert.

Seit dem Schuljahr 2001/2002 verfestigte sich der musikalische Teil des Schulprogramms. Die beiden Chöre probten jeweils zwei Stunden pro Woche und gestalteten am Ende des Schuljahres ein gemeinsames oder sogar ein getrenntes Chorkonzert (2003 eine Musical – Woche). Zwischendurch erfreuten sie die Schulgemeinde bei verschiedenen schulischen Veranstaltungen (Taizé- und Wiesengottesdiensten, Weihnachtssingen, usw.). Zur intensiven Vorbereitung auf die Konzerte fahren seither beide Chöre und Mitglieder des Schulorchesters für einige Tage im Frühjahr in die Jugendherberge Freusburg, um hier – großzügig gefördert von der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“ – „in der beschaulichen Atmosphäre einer mittelalterlichen Burg und der Ruhe der Natur“ den ganzen Tag über konzentriert zu proben.

 

11.12 „Tanz“ und Bewegung

 

Der Musik fühlte sich auch eine junge Sportlehrerin verpflichtet, die erstmalig im November 1984 mit einer damals noch als „Ballettabend“ charakterisierten Aufführung unter dem Motto „Tanzende Füße“ das Aulapublikum überraschte. Mit der Überzeugung, dass Tanz immer Spaß macht, begeistern seither – bis heute – alle zwei Jahre ca. 200 bis 300 „Füße“ aller Klassenstufen mit ihren Darbietungen aus einer Mischung aus Sport, Musik, Ausdruckstanz, Ballett, Gymnastik und Pantomime, unterstützt mit Mitteln des Schwarzlichttheaters. Am Anfang agierten noch hauptsächlich die Mädchen aus den Sportklassen der Kollegin sowie den Gymnastik- und Tanzkursen der Oberstufe, dann aus den Tanz- und Jazz-dance-Arbeitsgemeinschaften. Die altersgemäße Unterschiedlichkeit der Ausdrucksformen fügte sich zu einem dramaturgisch und choreographisch geschickt aufgebauten Tanzabend.

In den späten 90er Jahren wagten sich auch ältere Jungen auf die Bühne. Eine weitere Kollegin ergänzte mit ihren Klassen und Gruppen das Repertoire modernster Tanzrhythmen. Eine ganze Unterstufenklasse verband mit ihren witzig-parodistischen Einfällen die „leichtfüßigen“, gleichwohl sehr professionellen Darbietungen. Der mitreißende Cancan der Abschlussstufe führte dem begeisterten Publikum jedes Mal vor Augen, dass die „Tanzenden Füße“ nunmehr der Ruhe bedurften.

 

Auch der „Gymnasial-Turnverein“ (GTV) hatte während dieser Zeit unter Leitung seines Protektors (eines Sport- und Musiklehrers) seinen Schwerpunkt allmählich verlagert und sich immer mehr dem rhythmischen und spielerischen Turnen verschrieben, in dessen Mittelpunkt „nicht die Leistungsorientierung, sondern die Freude an der eigenen Bewegungsgestaltung“ stand. Das jeweilige „Schauturnen“ – meist im Herbst des Schuljahres – löste einen regen Zulauf aus den Unterstufenklassen aus. Mit Witz und Parodie, mit ultravioletten Lichteinlagen und Ballspielen, mit Mut und Können überzeugten die Schülerinnen und Schüler die Zuschauer der Gymnastikhalle durch ihre turnerischen Darbietungen am Boden, auf den Matten, an den Geräten und auf dem Trampolin.

Zum 100. Geburtstag im Juni 1991 bot der GTV ein überwältigendes „Schauturnen“ mit Tanz- und Turnvorführungen. Der Schulleiter selbst wurde in die „Kraftakrobatik“ eingebunden und zur Turnhallendecke emporgehoben, von wo er den staunenden Zuschauern einladend zuwinken konnte. Im Laufe der nächsten Jahre entwarfen und trainierten die Schülerinnen und Schüler auch Darbietungen selbstständig, die sie dann beim „Schauturnen“ den Gästen routiniert vorführten. Wie früher trafen sich jährlich während der Pfingsttage Alte Herren und Damen und Aktive des GTV in dem ehemaligen Heim in Gemünd zu einem geselligen Wiedersehen.

Zum Ende der 90er Jahre zeigte sich allerdings, dass die Aktiven sich immer mehr auf die Unter- und Mittelstufe beschränkten. Das eigentliche Turnen – ebenso wie die Leichtathletik – fanden die Oberstufenschülerinnen und -schüler nicht mehr so interessant; sie suchten ihren Schwerpunkt eher im Mannschaftssport und in der Mitgliedschaft in Vereinen. Sehr beliebt waren Basketball, Volleyball, Fußball, Tennis- und Tischtennis. In all diesen Sportarten schnitten die verschiedenen Mannschaften des Beethoven-Gymnasiums bei den Stadtmeisterschaften und sogar auf Landesebene sehr erfolgreich ab.

 

Der 1895 gegründete „Gymnasial-Ruderverein“ (GRV), am Ende der 80er Jahre mit 20 bis 30 aktiven Mitgliedern ein eher kleiner, sich selbst verwaltender Schulverein mit einem Protektor (einem Sportlehrer aus dem Kollegium) zur Seite, konnte sich dennoch – im Hinblick auf die Gesamtkilometerleistung – als der erfolgsreichste Schülerruderverein Deutschlands behaupten. Auch mehrmalige Siege bei den Landesmeisterschaften unterstrichen seine herausragende Stellung. Bei der Nachwuchswerbung galt es jedes Jahr, genügend Anfänger aus den Klassen 7/8 in seinen Reihen zu halten. Mit dem „Siegtag“ lud er daher im Frühjahr zu einem „Schnupperkurs“ auf der Sieg ein, wo die Anfänger an einer Kurzausbildung im Mannschaftsboot unter der Anleitung erfahrener Steuerleute teilnehmen konnten. Auch das „Ruderlager“ im Sommer (mit Zelt, Ruderausbildung und (un)freiwilligem Kentern im schwierigen „Einer“) am Otto-Maigler-See in Hürth fand immer großen Anklang, so dass zum Winter hin genügend Mädchen und Jungen in den „Werbenetzen“ hängen blieben. Der monatliche zweistündige Pflichteinsatz mit Boots- und Hausdienst und der Jahresbeitrag schreckten keinen ab, denn die abenteuerreichen Wanderfahrten in den Ferien lohnten die wöchentlichen Mühen. Es gab wohl kaum einen größeren Fluss, den der GRV nicht schon befahren hatte: Rhein, Lahn, Main, Neckar, Ems, Donau, Loire, Garonne, Doubs, Dordogne, der Canal du Centre mit den vielen Schleusen…

Da bei dem hohen Grad an Selbstständigkeit und Freiheit des Vereins das „gesellige“ Leben im Clubraum auch schon mal „aus dem Ruder lief“ und der Hausmeister die „Hausordnung“ zu sehr in „Unordnung“ fand, musste Kötting gelegentlich an seinem runden Tisch ausgleichend und schlichtend wirken. Schon das risikoreiche Rudern auf dem Rhein hatte die Mitglieder gelehrt, gegenseitige Verantwortung zu übernehmen, so dass der Schulleiter seine schützende Hand nicht zurückzuziehen brauchte und allen jedes Mal eine „Handbreit Wasser unterm Kiel“ wünschen konnte.

Große Schwierigkeiten bereitete dem Verein naturgemäß seine ständige „Mittellosigkeit“ angesichts der aufwendigen Bootspflege und der Reparaturen, von dem Kauf eines neuen Bootes ganz zu schweigen. So fügte sich glücklicherweise, dass ein Ehemaliger als Bootsbauer großzügig aushalf. Auch hatte sich Anfang der 90er Jahre ein kleiner Verein der Ehemaligen, die schon immer eine Bereicherung bei den Wanderfahrten waren, gebildet, um dem GRV ideell und finanziell unter die Arme zu greifen, – vor allem im Hinblick auf das 100. Stiftungsfest am 10. Juni 1995. Ein Wettrudern mit vier Booten (Ehemalige, Alte Damen Mannschaft, Aktive, Kollegiumsmitglieder), das trotz Handicaps die Aktiven gewannen, leitete unter den anfeuernden Zurufen der zahlreichen Zuschauer das Jubiläum ein. Zu Beginn der Abendveranstaltung tauften die Oberbürgermeisterin den Doppelvierer „100%“, den der Verein mit Hilfe öffentlicher Mittel finanzieren konnte, und ein aus Graz angereister Ehemaliger einen weiteren Doppelvierer „Löwenburg“, den die Ehemaligen dem Verein gestiftet hatten. Das Aulafoyer bildete den Rahmen für die anschließende bis in die Nacht reichende eindrucksvolle und ausgelassene Feier, deren „Reste“ die Mitglieder – mit Rücksicht auf die Sonntagsruhe des Hausmeisters – erst am Montagmorgen beseitigen durften.

Wie viel Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe dem GRV angehörten, hing oft davon ab, ob sie im Rahmen des Oberstufensports Rudern als Schwerpunktsportart wählten, von der Schule mit einem jahrgangsübergreifenden Kurs angeboten. Es konnte vorkommen, dass zwei ganze Jahrgänge (11/12; 12/13) fehlten, so dass der Vorstand dann fast ausschließlich aus jungen Mitgliedern bestand. Doch auch das Problem der geringen Zahl der Steuerleute ließ sich zufrieden stellend lösen, indem viele Schülerinnen und Schüler zusätzliche Lehrgänge absolvierten, um die strengen Regeln der vereinsinternen Steuermannsprüfung zu meistern. Dank der Unterstützung der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“, der Ehemaligen und der „Cafeteria“ konnten neue Boote erworben und ältere wassertüchtig gemacht werden. So zählte der GRV mit seinem Bootspark zu den attraktivsten Schülervereinen der Region. Der Zuwachs an Interessenten war so groß, dass zu Beginn des Jahrtausends der Verein sich über 45 Mitglieder freuen konnte, die die Tradition der Stiftungsfeste gerne fortsetzten, mit großem Einsatz aufwendige Anstrich- und Umräumarbeiten in der Bootshalle vornahmen und den Clubraum zu einem „gemütlichen und beliebten Aufenthaltsraum“ gestalteten.

 

11.13 Sprachaustausch mit anderen Schulen in Nordamerika und Mitteleuropa

 

Im Rahmen des englischsprachigen Austausches fuhr eine 25 bis 30köpfige Gruppe (Stufe 9 bis 13) seit 1976 während der Osterferien zu einer Partnerschule in die USA, zunächst an die Atlantikküste (New York), dann an den Pazifik (Seattle) und seit 1983 in die Rockies (Preston, Idaho). Der obligatorische Schulbesuch bedeutete eine starke Umstellung: täglich vier Stunden in der eigenen Gruppe bei einem amerikanischen Lehrer und drei Stunden in einem für deutsche Schüler unbekannten Fach. Auch der Aufenthalt in den Austauschfamilien (z. B. Mormonen, ausgeprägtes Familienleben, kein Alkohol) war gewöhnungsbedürftig und lehrreich. Zu den Höhepunkten zählten natürlich die Ausflüge in die Nationalparks und den Grand Canyon. Für den Gegenbesuch lockte ein sehr umfangreiches Besuchsprogramm mit einer obligatorischen Fahrt in Richtung Bayern, ab 1990 eher Berlin und die ehemalige DDR oder gar nach Paris.

Über einen Studienfreund und Honorarkonsul im kanadischen Regina initiierte Kötting seit März 1986 einen weiteren biennalen Austausch mit dem Luther College Regina. Die Teilnehmerzahl (Stufe 9 bis 12) beschränkte sich allerdings auf maximal 20, die dem dortigen Unterricht beiwohnten und große Ausflüge unternahmen (Indianerreservate, Rockies…). Auch deren Gegenbesuch erforderte jedes Mal intensive Vorbereitungen und eine ebensolche Fahrt nach Bayern.

Anfang März 1988 besuchten kanadische Schülerinnen und Schüler aus dem französisch sprechenden Quebec Gasteltern des Beethoven-, Clara-Schumann- und Friedrich-Ebert-Gymnasiums, drei Wochen später begannen 27 Vertreter der Klassen 10/11 der drei Schulen ihren Gegenbesuch in der Nähe von Quebec, wo zunächst die Verständigung etwas unter dem ungewohnten kanadischen Französisch litt, aber mit einem sehr abwechslungsreichen und interessanten Besuchsprogramm ergänzt wurde.

Als in der ersten Hälfte der 90er Jahre rigidere Kostenobergrenzen für Fahrten angeordnet wurden, stieß der transatlantische Austausch mit seinem großen organisatorischen und vor allem finanziellen Aufwand auf zunehmende Schwierigkeiten bei Eltern und Schule, zumal sich solche Unternehmungen in den Gesamtrahmen der vielen außerunterrichtlichen Tätigkeiten fügen mussten. Außerdem nahmen eine Reihe Schülerinnen und Schüler der Stufe 11 die Möglichkeit wahr, für ein halbes oder ganzes Jahr die Schullaufbahn zu unterbrechen zum Besuch einer meist außereuropäischen Schule.

 

Der Schulleiter wollte daher die Partnerschaft mit englischen Schulen fördern. Seit 1976 bestand schon – im Rahmen der Städtepartnerschaft Bonn-Oxford – ein Austauschprogramm (Stufe 10/11) mit der St. Edward’s School, die seit 1993 auch Mädchen zuließ. Im Februar besuchten die Schüler und (später auch) Schülerinnen diese Schule, während zur gleichen Zeit ihre Austauschpartner in den entsprechenden Bonner Familien wohnten. Die Gewöhnung an die strengen Regeln des englischen Internatslebens und an Kleidervorschriften vollzog sich nicht selbstverständlich, doch die vielen sportlichen und Freizeitaktivitäten und der sprachliche Gewinn bedeuteten eine schöne Entlohnung. Gegen Ende der 90er Jahre tauchten allerdings Schwierigkeiten auf, immer genügend Plätze für die Aufnahme in den deutschen Familien (der Stufe 11) zu finden.

Über eine Partnerschaft mit englischen Schulen hinaus versuchte Kötting mit einer Kombination von Praktikum und Austausch die Sprachkompetenzen der Oberstufe zu erhöhen und gewann im Juni 1994 die Englischfachkonferenz für die Idee, im Rahmen eines Betriebspraktikums – als „Practical Work Experience“ – die Fremdsprachenkenntnisse und die menschlichen Kontakte zu erweitern. Von Schülerseite fanden sich sofort 22 Interessenten. Eine Englischlehrerin knüpfte umgehend Kontakte über die Bonn-Oxford-Partnerschaft, und es fand sich nach einem halben Jahr Suche auch eine englische Kollegin bereit, die Betreuung und Koordinierung der Praktikanten – die Voraussetzung deutscherseits – ohne Mehrarbeitsbezahlung zu übernehmen. Der Gang durch die englischen Schulbehörden dauerte weitere Monate, währenddessen viele Interessenten die Osterferien anderweitig gestalten wollten.

Inzwischen waren Praktikumsplätze gefunden, Versicherungen abgeschlossen, einen halben Tag vor Abflug die behördlichen Zustimmungen zu den fünf Teilnehmern aus dem englischen Leistungskurs in der Schule eingetroffen. Sehr gespannt (klopfenden Herzens), doch zunehmend routiniert konnten sie vom 27. März bis zum 7. April 1995 den Arbeitsalltag in englischen Betrieben kennen lernen und bewältigen. Diese unterstützten bereitwillig das Praktikum, so dass die Schülerinnen und Schüler auch in ständigem Kontakt mit Kunden standen und ihre Sprachkenntnisse über den schulischen Rahmen hinaus praxisnah erweiterten. Nach dem Besuch der Betriebe im Juli 1995 brachte die Englischkollegin die Erfahrung mit, dass man englischerseits über die „Einsatzbereitschaft, die sprachliche und arbeitstechnische Flexibilität und den extrem hohen Grad der Selbstständigkeit und des Verantwortungsgefühls“ der deutschen Schülerinnen und Schüler erstaunt war. Ausführliche Praktikums- und Erfahrungsberichte waren im Rahmen einer Ausstellung im Aulafoyer zu lesen. Die englischen Praktikanten kamen dann im Oktober 1995 nach Bonn. Ein geglückter Auftakt, der sich in den folgenden Jahren mehr oder weniger routinemäßig während der Osterferien (manchmal auch im Oktober) wiederholte.

 

Alle bisherigen Austauschprogramme betrafen immer nur einige Schülerinnen und Schüler (auch die finanziellen Möglichkeiten der Eltern spielten dabei eine Rolle). Für das Schulprofil erschien es angebracht, die Sprachkompetenz der Klassen zu erhöhen, die erst in der Stufe 7 mit Englisch begannen und möglichst früh mit dem englischen Alltag konfrontiert werden sollten. Glücklicherweise fanden sich durch Zufall und persönliche Kontakte zwei benachbarte Schulen in Kent, um ein besonderes Experiment zu wagen: die Partnerschaft einer ganzen Mittelstufenklasse – 1993 mit der Skinners’ School Tunbridge Wells, 1994 mit der Weald of Kent Grammar School for Girls in Tonbridge. Für die beiden anderen Parallelklassen, mit Englisch ab Klasse 5, fanden sich ebenfalls Möglichkeiten im Austausch oder z. T. gegen Bezahlung (Dover, Wilmington, Oxford), so dass sich daraus eine feste Komponente des Schulprogramms entwickelte: Jedes Frühjahr fuhren alle Klassen 9 für eine gute Woche zu den englischen Schulen und erwarteten anschließend ihre englischen Gäste.

Die Kenter Partnerschaften und die Partnerschule in Oxford ermöglichten den Fünfzehnjährigen viele menschliche Begegnungen in der Schule und im Familienleben und eröffneten ihnen die Gelegenheit zum Besuch der südenglischen und Londoner Sehenswürdigkeiten. Am Ende seiner Aktivenzeit durfte der Schulleiter im Mai 2003 das Zehnjährige dieser einmaligen Einrichtung mitfeiern und der Direktorin sowie der Verantwortlichen für den Austausch – zu Hause und in der Schule – den fälligen Dank abstatten.

 

Der späte Beginn der dritten Fremdsprache Französisch in der Klasse 9 erschwerte es naturgemäß, einen Austausch in vergleichbarem Alter bzw. auf ähnlichem Sprachniveau zu finden. In der Vergangenheit hatte es mehrere, allerdings kurzfristige Partnerschaften gegeben; außerdem war es nahezu unmöglich, ein französisches Gymnasium zu finden, das nicht schon eng mit einer deutschen Schule verbunden war. Eine private Initiative und Privatkontakte ermöglichten erstmalig seit April 1988 einen Austausch (Stufe 10/11) mit einem Lycée in Villemomble, der Partnerstadt von Bonn-Duisdorf. Dank städtischer Fördergelder konnten Zuschüsse für Fahrten nach Paris und zu den Exkursionen der Franzosen in Bonn und Umgebung gewährt werden, so dass sich ein regelmäßiger Austausch von jeweils ca. 20 Teilnehmern entwickelte. Die häufig altersmäßige Unterschiedlichkeit der Partnerschaft war jedoch nicht einfach zu überbrücken.

Da tat sich im Frühjahr 1993 ein Glücksfall auf. Zwei katholische, sehr angesehene Pariser Privatschulen (Montparnasse) erklärten sich zum Austausch für insgesamt ca. 30 Schülerinnen und Schüler bereit: Lycée Stanislas (für Jungen) und Lycée Notre Dame de Sion (für Mädchen). Nachdem Stanislas in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auch Mädchen zugelassen hatte, konzentrierte sich die Partnerschaft auf dieses renommierte Gymnasium (mit Internat, ca. 3000 Schülerinnen und Schüler), von der Lage her ideal für ein ausgedehntes Besuchsprogramm in Paris und Versailles, so dass die begleitenden Lehrerinnen häufig daran erinnert werden mussten, dass es außer „Kultur“ noch anderes Interessantes in Paris zu sehen und zu erleben gab.

 

 

11.14 Partnerschaften

 

– Usbekistan: Ein Hauch von „1001-Nacht

 

Der Austausch mit einer Partnerschule in Thessaloniki im März 1994 – gewissermaßen als Alternative zu einer zu teuren Studienfahrt – blieb jedoch ein Unikat. Dagegen bescherte dem Beethoven-Gymnasium die Begegnung mit Usbekistan ein Hauch von „1001 Nacht“. Einer Kollegin war durch Kontakte mit der Familie des ersten usbekischen Botschafters ein Besuch ermöglicht worden, der dazu anregte, jungen usbekischen Studenten der ersten Generation nach der Unabhängigkeitserklärung die Kenntnisse demokratischer Lebensformen vor Ort zu ermöglichen. Im Dezember 1996 fanden sie eine freundliche Aufnahme bei ihren Bonner Gasteltern und in der Schule. Ein Gegenbesuch im März 1997 in Taschkent, Buchara und Samarkand entwickelte sich zu einer abenteuerlichen und unvergesslichen west-östlichen Begegnung.

Im Januar 2000 wurden 26 Gäste zum vierten Austausch mit Usbekistan mit einem umfangreichen Besichtigungsprogramm empfangen. Sie bedankten sich in der Aula mit einer mitreißenden Vorführung usbekischer Tänze und beschenkten den staunenden Schulleiter mit einem traditionellen Mantel und entsprechender Kopfbedeckung (beides kam allerdings nur im Direktorzimmer vor entsprechendem Publikum zum Tragen). Im April 2001 brach dann eine 24köpfige Gruppe (Eltern, Schülerinnen und Schüler der Stufe 6 bis 12 dreier Gymnasien, zwei Lehrkräfte) nach Taschkent, Chiva, Buchara und Samarkand auf, um orientalischen Flair zu genießen. Mit der Pensionierung der Initiatorin und der Änderung der politischen Verhältnisse endete die ungewöhnliche Begegnung auf dem west-östlichen Diwan.

 

Polen: Ein notwendiges Äquivalent zur „Westorientierung“

 

Dass die Westorientierung des Nachkriegsdeutschlands sich auch in der sprachlichen und partnerschaftlichen Ausrichtung des Beethoven-Gymnasiums widerspiegelt, mochte bis in die späten 80er Jahre niemand verwundern. Dabei hatte Köttings Vorgänger Dr. Seidler schon sehr früh die Aussöhnung mit Polen zu seinem ureigensten Anliegen gemacht und die – sehr unpopuläre – Anerkennung der Folgen des Krieges (polnische Westgrenze) auch als Sprecher des Bensberger Kreises vertreten. In den 70er Jahren unterstützte er katholische Intellektuelle in Warschau und Krakau und begleitete wohlwollend die Solidarnosc-Bewegung. (Am 7. Mai 2003 bekam er einen hohen polnischen Verdienstorden für seine Bemühungen um eine Normalisierung der deutsch-polnischen Beziehungen.)

Sein Nachfolger war ebenso von der Notwendigkeit überzeugt, ein Äquivalent zur deutsch-französischen Aussöhnung in den Beziehungen zu Polen zu schaffen und förderte von Anfang an Bestrebungen von Kollegen, eine deutsch-polnische Partnerschaft über den Weg persönlicher Beziehungen zu schaffen. Mit Seidler im Hintergrund wurde der Geschäftsführer der GFF zum Motor einer neuen Tradition, Studienfahrten nach Warschau, Breslau, Krakau und vor allem Auschwitz anzubieten.

Im Oktober 1988 brach die erste Gruppe aus der Stufe 13 nach Polen auf, um in Pobiedziska, auf halben Wege zwischen Posen und Gnesen, von allen Schülerinnen und Lehrerinnen des Sacré-Coeur-Lyzeums als „erste Jugenddelegation aus Deutschland nach Weltkriegsende“ in herzlicher, unvergesslicher Weise empfangen zu werden. Seither lud die Schule die nachfolgenden Polenfahrer von ihrer Unterkunft in Posen aus als Tagesgäste ein. Langfristig suchte das Lyzeum natürlich – von Internat zu Internat – eine ähnlich gelagerte Schule als Partnerin. Unvergesslich sind allen Beteiligten die Feierlichkeiten am 3. Oktober 1990 (dem Datum der deutschen Wiedervereinigung), die das Lyzeum den deutschen Gästen in der Aula, bei Tisch, auf dem Sportplatz und in der Kapelle darboten.

Während der zweiten Studienfahrt im Herbst 1989 stand der Besuch des Adam-Michiewicz-Lyceums in Krakau auf dem Programm, wo man die Bonn-Fahrt einer Deutschklasse (ungefähr Stufe 11) für Mai 1990 vereinbarte. Die Klasse 9c nahm die Gäste auf, denen Seidler persönlich die Sehenswürdigkeiten Bonns zeigte. Den Höhepunkt des umfangreichen Besichtigungsprogramms bildete der Empfang im Rathaus und beim Bundespräsidenten. Der Gegenbesuch im Herbst 1990 der (nunmehr) 10c führte über Krakau hinaus sogar bis in die Hohe Tatra. Im Mai 1991 fanden sogar 48 Schülerinnen und Schüler und drei Lehrer aus Krakau eine bereitwillige Unterkunft bei Gasteltern, im September nahmen dann zwei Mittelstufenklassen der Gegeneinladung wahr.

Dicht darauf folgten ihnen die Teilnehmer des Deutsch- und Geschichtsleistungskurses der Stufe 13 zur mittlerweile vierten Studienfahrt nach Polen, die bis heute zum Schulprogramm des Beethoven-Gymnasiums gehört: Warschau, Posen, Krakau (hier auch auf den Spuren wiedererstehender jüdischer Kultur), Lubowitz, der Besuch der beiden Partnerschulen und vor allem das Beklemmendste und Unfassbarste, Auschwitz und Ausschwitz-Birkenau, von dem die Teilnehmer immer wieder eine unauslöschbare Erfahrung mitbringen. Auf dem Hinweg ein Halt in Weimar als Reverenz gegenüber Goethe und Schiller und unterwegs die unerlässliche Reminiszenz an Eichendorff sind „Nebenschauplätze“ dieser bei der Stufe 13 sehr beliebten Fahrt.

 

– „Colegio Ludwig van Beethoven“ in Arequipa (Peru): Entwicklungshilfe einmal anders” durch die SV

 

Eine von der deutschen Geschichte völlig unabhängige Partnerschaft zwischen zwei Schulen unterschiedlichster Prägung entwickelte sich um die Mitte der 80er Jahre. Im Dezember 1983 beschloss der Schülerrat auf Antrag der damaligen SV, den Erlös des Weihnachtsbasars als Grundstock für ein noch zu schaffendes Entwicklungsprojekt zu verwenden. Man wollte nicht nur finanzielle Hilfe leisten, sondern auch die Auseinandersetzung mit den kulturellen Gegebenheiten und politischen Problemen eines Landes suchen. Den richtigen Ansprechpartner fand die SV in Pater José Schmidtpeter, den Leiter einer Missionsstation der Comboni-Missionare in Arequipa/Peru, der vorschlug, ein Projekt unter dem Motto „Schule hilft Schule“ mit einer Schule seiner Gemeinde zu beginnen. Arequipa (2400 m hoch), mit mehr als eine Million Einwohnern zweitgrößte Stadt Perus, einerseits „Perle des spanischen Barocks“, war aber auch Zufluchtsort der andinischen Landbevölkerung, mit einem 65prozentigen Anteil an Barriada-Bevölkerung, die jährlich um ca. 5 % wuchs. In den Vorstädten gab es kaum feste Straßen, keine elektrische Versorgung und keine Wasserleitungen. In dem Armenviertel „Independencia“ mit ca. 15.000 Einwohnern musste eine allgemein bildende Elementarschule über 1700 sechs- bis sechzehnjährige Schülerinnen und Schüler vom ersten bis zum 10. Schuljahr in 13 Klassenräumen (Schichtunterricht) aufnehmen. Die Versorgung mit Unterrichtsmaterial war kaum gesichert, es fehlte an Möbeln, Heften, Schreibmaterial, Büchern und Tafeln.

Die SV nahm die Herausforderung an, gründete eine „Peru-Arbeitsgemeinschaft“ und stellte die Projekttage im Juni 1984 ganz unter das Rahmenthema „Entwicklungshilfe einmal anders“. Das umfangreiche Informationsmaterial und eine fleißige Sammelaktion brachten soviel Spenden ein, dass davon zwei weitere Unterrichtsräume in Arequipa gebaut werden konnten. Im Winter 1984/85 organisierte die ermutigte SV mehrere Hilfs- und Spendenaktionen und schickte im April 1985 mit Unterstützung des peruanischen Botschafters die von ihr gesammelten 900 Hefte nach Arequipa. Im Juni 1985 konnte dann Pater J. Schmidtpeter bei seinem Europabesuch in der Schule viele Fragen beantworten, Rückmeldungen über die gezielte und hilfreiche Verwendung der Gelder geben und einen weiteren Scheck aus den restlichen Einnahmen des Weihnachtsbasars mitnehmen. Dabei äußerte er den Wunsch der Schule ohne Namen mit der Verwaltungsnummer „40029“, sich künftig „Colegio Ludwig van Beethoven“ nennen zu dürfen.

Während des Schuljahrs 1985/86 startete die „Peru-AG“ mehrere Aktionen, um das Interesse und die Spendenbereitschaft der Eltern- und Schülerschaft wach zu halten. Der Tag des Beethoven-Gymnasiums im September stand unter diesem Aspekt; der damalige Kulturattaché Pinto zeigte sich beeindruckt von der Ausstellung zum Thema „Schule in Peru“. Eine Englisch-Sexta begann eine Klassenpartnerschaft und berichtete in Bildern ihren Partnern in Peru über ihre Aktionen (Peru-Ralley, Kilometergeld einwandern, usw.). Am 5. Oktober 1985, dem Beginn der administrativen Partnerschaft, gab der Erziehungsminister der Schule den Namen „Colegio Ludwig van Beethoven“ und machte damit das Beethoven-Gymnasium zum Paten. An einem fröhlichen Adventsabend, das Ereignis gewissermaßen nachholend, übergab Kötting in der Aula dem peruanischen Botschafter – stellvertretend für den Schulleiter in Arequipa – eine Kopie der Totenmaske Beethovens. Ein Lichtbildvortrag des Kulturattachés vermittelte weitere Informationen über das Land und die Stadt und eine Gruppe peruanischer Botschaftsangehöriger sangen und tanzten Hirten- und Weihnachtslieder ihrer Heimat. Ludwig van Beethoven gilt seither als wichtiges Symbol der dortigen Schülerinnen und Schüler; „Ich bin ein Beethovianer … aus Leidenschaft“ ziert die Außenmauer des Schulgebäudes; das Konterfei Beethovens ist auf allen wichtigen Schulunterlagen zu sehen.

Im April 1986 gestaltete die „Peru-AG“ eine große Ausstellung, auf der die damaligen sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes den Zuschauern nahe gebracht wurden und die die Spendenfreudigkeit der Elternschaft weiter erhöhte. Zur großen Freude und Ermutigung der Englisch-Sexta kamen auch die Antworten auf ihre Partnerschaftsbriefe an: 80 Bilder gemalt (auch eine Form der Überwindung von Sprachbarrieren) von den verschiedenen Klassenstufen des auf seinen neuen Namen stolzen „Colegio Ludwig van Beethoven“. Während des ganzen Schuljahres 1985/86 kam dank der konzertierten Aktion des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Eltern- und der Schülerschaft ein beachtlicher Beitrag für weitere Investitionen zusammen. Selbst am Schluss veranstaltete die Abiturientia 1986 am Abend ihrer Entlassung ein Benefizkonzert und spendete einen Teil der Kollekte ihres Abiturientengottesdienstes. Die wachsende Solidarität der ganzen Schulgemeinde bedeutete eine große Ermutigung für die Eltern- und Schülerschaft des „Colegio Ludwig van Beethoven“.

Immer, wenn in Arequipa Spenden abrufbar waren, aktivierte der dortige Schulleiter Lehrer, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler, um Bau- und Einrichtungsmaßnahmen durchzuführen, so dass die Löhne entfielen und das Geld nur für die Sachkosten verwandt wurden. Nach dem Unterricht und am Wochenende kamen dann alle zur Arbeit zusammen, während die Mütter in der Schulkantine das Essen für alle Helferinnen und Helfer zubereiteten. So konnten auch die Spenden nicht als Almosen begriffen werden, sondern als Teil der selbst erreichten Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Die Bank, auf die die Überweisungen aus Bonn gingen, zahlte nur Geld aus, wenn Eigenleistung durch Arbeit erbracht wurde: keine Geschenke, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. Da aus dem Spendentopf auch genügend für die tägliche warme Schulspeisung übrig blieb, konnte sich der Schulleiter über einen mittlerweile regelmäßigen Schulbesuch freuen.

 

Bis 1990 kamen somit weitere Klassenräume hinzu, der Schulhof erhielt eine Pflasterung und eine Wasserleitung führte schließlich bis zum Schulgebäude. Bis Mitte der 90er Jahre entstand um die Schule herum ein richtiges Zentrum mit Kirche, Sozial- und Krankenstation und Gemeindehaus der Stadtverwaltung. Der Präsident Perus besuchte mehrmals die Schule und finanzierte schließlich 1995 einen zweistöckigen Bau für die Sekundarschule. Mittlerweile bot die Schule auch eine Abendschule und Kindergartenplätze an und eröffnete Berufsfelder mit praktischen Lehrgängen für die älteren Schülerinnen und Schüler.

Doch bei aller Weiterentwicklung der Schule konnte sie nicht ohne finanzielle Unterstützung von Seiten des Beethoven-Gymnasiums auskommen, da sie sich auf staatliche Hilfe nicht verlassen durfte. Gerade die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse und die Anpassung an modernere Unterrichtsmaterialien (Computer, Musikinstrumente, Sportausrüstung, Laborgeräte, Nähmaschinen, usw.) erfolgten fast ausschließlich aus Spenden der Partnerschule. Dass diese niemals versiegten und das Interesse nicht erlahmte, das hatte sich die „Peru-AG“ zusammen mit der SV zur ständigen Aufgabe gemacht. Trotz der schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen Perus und des zu den ärmsten Stadteilen Arequipas zählenden Umfelds der Schule mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität gab die Beständigkeit der helfenden Partnerschaft aus Bonn auch über die Jahrtausendwende hinweg Eltern- und Schülerschaft eine hoffnungsvolle Perspektive.

 

 

 

11.15 Schulfahrten: Das ausgedehnte Fahrtenprogramm sprengt auf die Dauer den Zeit- und Kostenrahmen        

 

Seit den 70er Jahren waren die Zielländer bzw. -orte der Studienfahrten mit wechselnder Konstanz geblieben: Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Italien, gelegentlich Schottland, Wales, Prag, Wien, Budapest, Leningrad, Moskau. Doch auf die Dauer begannen die Kosten angesichts der sich mehrenden außerunterrichtlichen Tätigkeiten und der häufigen anderen Fahrten die finanzielle Belastbarkeit vieler Eltern zu sprengen. Nach der Kritik eines Kollegen (die Konstellation der Fahrtenbegleiter bliebe immer gleich) erarbeitete 1990 ein Gremium der Konferenz ein Konzept, das im Wesentlichen die bisherige Praxis – auch in Übereinstimmung mit den Eltern – beibehielt: Die Leistungskurslehrerinnen und -lehrer boten nach Wunsch eine Fahrt an, an die die jeweiligen Kursteilnehmer gebunden waren (freie Wahl, wenn kein Angebot aus dem Kurs vorlag); die Schülerinnen und Schüler wählten je nach Möglichkeit aus. Die Kostenobergrenze von 750,- DM   (Griechenland 1000 DM) erforderte eine genügende Anzahl von Mitfahrern, sonst kam die Fahrt nicht zustande. Vor- und Nachbereitung durch die Kursleiter/innen geschah z. T. im Unterricht, z. T. nachmittags.

 

Ein Erlass vom September 1991 zwang die Schule zu einer Revision: Die Kostenobergrenze sollte 500 DM sein. Nach längeren Beratungen legte die Schulkonferenz im Oktober 1992 den zukünftigen Rahmen für das gesamte Fahrtenprogramm fest: In der Unterstufe eine dreitägige Fahrt; verkürzte Skifahrten in Klasse 7 und 8; eine Fahrt am Ende der Klasse 10 für maximal 350 DM; die Studienfahrten müssten evtl. gekürzt werden, um die Kostenobergrenze nicht zu überschreiten. Für Griechenland wurde als Alternative ein Austausch gefunden, der sich aber nur 1994 realisieren ließ. Nach Gesprächen mit der Dezernentin Alte Sprachen wurde dem Beethoven-Gymnasium allein für die Griechischschülerinnen und –schüler eine Studienfahrt nach Griechenland auch bei höheren Kosten genehmigt. Für diese Fahrt traten Sponsoren aus der Elternschaft ein, und ein möglichst frühes Ansparen wurde festgelegt.

Außerdem beriet häufig die Schulkonferenz über den Wunsch der Schülerinnen und Schüler, die Kostenobergrenze der Inflation anzupassen, was zwar in Maßen geschah, aber doch einigen Eltern recht schwer fiel. Gleichwohl verlangte das Kostenkorsett von den Fahrtenleitern großen Einsatz und Findigkeit, so dass die Ziele – bis auf Polen – nirgends Kontinuität aufwiesen (Malta kam für den Englischkurs billiger als ein Aufenthalt in England).

 

Zwischen der 20. (1990/91) und der 30. Skifahrt der Klassen 7/8 hatte sich gegenüber den ersten Fahrten doch einiges geändert. Geblieben war der Organisationsrahmen: Jeweils zwei Klassen (seit 1977) damals im „Haus Bergengrün“ in Hirschegg im Kleinwalsertal, so dass jedes Jahr ca. 200 Schülerinnen und Schüler den Unterricht engagierter Skilehrer und die von dem Klassenlehrer gestaltete Skifreizeit genießen konnten. Das überschaubare und mit Liften gut erschlossene Skigebiet bot für Anfänger und Fortgeschrittene vom Gelände her viele Möglichkeiten. Da das Haus mitten im Skigebiet lag, konnte man auf Verkehrsmittel verzichten. Vor- und nachmittags wurde gerne der jeweils zweistündige Skiunterricht in Anspruch genommen. In der übrigen Zeit blieb – je nach Laune und Wetter – genügend Gelegenheit für gemeinsame Aktivitäten und abendliches Vergnügen.

Durch die Diskussion um die Umweltproblematik des Skilaufens angeregt, wurde diese vor Ort deutlich gemacht und auf ein umweltbewusstes Verhalten geachtet. Seit den 90er Jahren konnte eine Gruppe im Haus „Württemberg“ einen anderen, doch methodisch sinnvollen Einstieg wählen, das Skifahren über den Langlauf (2 Tage und Kosten dämpfend) zu erlernen und anschließend erst Abfahrt zu üben. Die wesentliche Änderung (neben der Erprobung neuer Häuser) erfuhr das Konzept durch den Zwang zur Reduzierung der Kosten innerhalb des gesamten Fahrtenprogramms: von anfänglich 12 Tagen, dann 10 (nach 20 Jahren), seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre nur noch 8 Tage. Doch trotz Fortfalls eines skifreien Tages konnte bis heute ein sinnvolles Lernprogramm für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen verwirklicht und den Klassen ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis vermittelt werden.

 

Nachdem der Englandaustausch in allen Klassen 9 sich zu einer veritablen Studienfahrt mit intensiver Vorbereitung entwickelte, stand zu Beginn des Jahrtausends das Fahrtenprogramm wieder auf dem Prüfstand. Unter dem Aspekt, dass Fahrten den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule unterstützten, plädierten in grundsätzlicher Übereinstimmung Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft für ein breites Angebot als sinnvolle und unverzichtbare Ergänzung des Unterrichts. Aber die ständige Kostensteigerung für Fahrt, Unterkunft und Verpflegung führte zu einer langen Diskussion über die Beibehaltung des ausgedehnten Fahrtenprogramms, zumal auch die Verpflichtung der Lehrer, den größten Teil der Unkosten selbst zu tragen, als Zumutung empfunden wurde. Da in den Klassen 7 bis 10 in jedem Jahr eine Fahrt anstand (in den Klassen 5/6 und in den Stufen 11/13 nur jeweils eine Fahrt), fand man hier einen möglichen Ansatz für eine Reduzierung.

Die Skifahrten (Klassen 7/8), die den Sportunterricht des Beethoven-Gymnasiums wegen seiner fehlenden Außenanlagen sehr sinnvoll ergänzten und das Gemeinschaftserlebnis (auch zwischen Klasse und Klassenlehrer) förderten, gehörten seit Jahrzehnten zum Schulprofil und galten als unverzichtbar. Der Englandaustausch war insofern ein seltener Glücksfall, als alle Klassen 9 daran teilnahmen sowie den sprachlichen Schwerpunkt der Schule (vor allem für Lateinbeginner) unterstützten. Außerdem durfte die lange und mühevolle Aufbauarbeit gerade dieses Austausches nicht gefährdet werden, denn eine gleichwertige Alternative war unmöglich zu finden.

Die sogenannte Abschlussfahrt in der Klasse 10, ursprünglich als Studienfahrt konzipiert, hatte mittlerweile einen (sportlichen) Erlebnischarakter angenommen (Segelfahrt, Sportcamp, Großstadt; – Regensburg als seltene Ausnahme). Doch fast alle Schülerinnen und Schüler gingen in die Stufe 11 über, ohne vorher abzugehen. Auch wurden die Klassenverbände der ehemaligen 10 durch das Oberstufensystem des Beethoven-Gymnasiums nicht so sehr auseinander gerissen, so dass von einem „Abschluss“ oder „Abschied“ weniger die Rede sein konnte. In der Lehrer- und auch großenteils in der Elternschaft setzte sich daher die Meinung durch, die Fahrt in der Klasse 10 zur Disposition zu stellen. Dreitägige Einführungsveranstaltungen zu Beginn der sich neu organisierenden Oberstufe (z. B. Seminare für Rhetorik, Präsentation, Lerntechniken, Bewerbung, usw.) hielt man für sinnvoller. Nach langen Diskussionen entschied die Schulkonferenz am 30. Juni 2003, ab dem Schuljahr 2004/2005 die Fahrten in Klasse 10 abzuschaffen. Es blieb den Klassenlehrerinnen und -lehrern überlassen, individuelle Unternehmungen an einem Wochenende durchzuführen. Die letzte Fahrt führte 2004 mit allen vier Klassen des Jahrgangs 10 nach Regensburg.

 

11.16 Neue Richtlinien in der Sekundarstufe I

 

11.16.1 Erarbeitung schulinterner Lehrpläne

 

Gleich nach seinem Amtsantritt besuchte der neue Schulleiter viele Grundschulen im Beueler und im Bonner innerstädtischen Raum, um die methodische und inhaltliche Umsetzung der neuen Grundschulrichtlinien und die verschiedenen Schwerpunkte derjenigen Grundschulen kennen zu lernen, von denen in der Regel mehrere Schülerinnen und Schüler in die Eingangsklassen des Beethoven-Gymnasiums gingen. An den einzelnen Schulen wurden in unterschiedlicher Intensität nach Prinzipien der Montessori-Pädagogik (Freiarbeit, Wochenplan) unterrichtet. Doch erwarteten die Grundschulkollegien, dass auch die aufnehmenden Gymnasien an diese Methoden anschlossen und den Übergang fließend gestalteten.

Kötting lud daher die Rektorin einer Beueler Grundschule ein, um vornehmlich in der Erprobungsstufe eingesetzte Lehrerinnen und Lehrer in die Grundschulrichtlinien einzuführen und die neuen Arbeitsformen an Beispielen erläutern zu lassen. Im Oktober ließ der Schulleiter einen „Arbeitskreis freiere Arbeitsformen“ für die Erprobungsstufe einrichten, der während des ganzen Schuljahres untersuchte, in welcher Weise man an diese Arbeitsweise anknüpfen konnte und ob überhaupt Montessori-Elemente im Gymnasialunterricht übernehmbar waren. Einzelne vorsichtige Versuche zeigten sehr schnell die Grenzen auf; es fehlte an geeignetem Material, und um neues herzustellen, hätte der Aufwand in keinem Verhältnis zum Resultat gestanden. Auch die ständige Aufeinanderfolge neuer sprachlicher und grammatischer Elemente im Sprachunterricht erschwerte solche freieren Arbeitsformen. Wohl konnten in Übungsphasen und bei Wiederholungen Montessori-Elemente verwirklicht werden. Der Arbeitskreis kam zu der Überzeugung, in der Erprobungsstufe Freiräume für die Selbsttätigkeit eher in einem fächerübergreifenden und projektorientierten Unterricht zu eröffnen.

 

Dafür wollte man zunächst die endgültige Herausgabe der neuen „Richtlinien für die Sekundarstufe I“ abwarten, deren Vorarbeiten zwar schon seit 1985 liefen, im Entwurf aber erst Anfang Februar 1991 in den Schulen eintrafen mit der Aufforderung zur Stellungnahme bis zum 22. März 1991(!). Der Entwurf gliederte sich in einen allgemeinen Teil, „Richtlinien“ genannt, an den sich der „Lehrplan“ – nach Schulformen getrennt – als fachspezifischer Teil anschloss. Kritik kam sogleich auf, da der Richtlinienteil im Kultusministerium ausgearbeitet war und eine konzeptionelle Zusammenarbeit mit den von dem Kultusminister berufenen Fachkommissionen fehlte.

Die allgemeinen „Richtlinien“ für das Gymnasium gliederten sich in:

„I.

1. Mündige Persönlichkeit:
a) Entfaltung individueller Fähigkeiten,
b) Aufbau sozialer Verantwortung,
c) Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft,
d) Orientierung an Grundwerten,
e) Kulturelle Teilhabe.

2. Grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten:
a) Konzentration auf grundlegende Erkenntnisse,
b) Lernen in Zusammenhängen,
c) Bedeutsame Inhalte und Methoden,
d) Lernen lernen.      

  1. Grundsätze des Lehrens und Lernens:
    1) Wissenschaftsorientierung,
    2) Schülerorientierung,
    3) Exemplarisches Lernen,
    4) Gestaltung der Lernprozesse,
    5) Leistungsbewertung.

III. Aufbau des Bildungsganges: 5/6; 7/8; 9/10.

  1. Schulleben.
  2. Schulprogramm und Profil“.

        

Die Vereinigung der Bonner Gymnasialdirektoren kritisierte die neuen Entwürfe, deren Ziele zu unpräzise und allgemein seien; es werde „mehr Wert auf Einblick und Orientierung als auf Kenntnisse und Fähigkeiten gelegt“. Auch bleibe die Forderung nach Schülerorientierung zu unklar; die für das Gymnasium unerlässliche Wissenschaftspropädeutik weiche einer vagen Wissenschaftsorientierung. Man könne den Eindruck gewinnen, Unterricht und außerunterrichtliche Aktivitäten ständen auf gleichem Niveau. Für Kötting offenbarten die „Richtlinien“ den politischen Willen, die Sekundarstufe I von der Sekundarstufe II zu trennen und diese mit anderen Kollegstufen zusammen zu legen. Eine Stufenschule aber sei abzulehnen schon im Hinblick darauf, dass der Unterricht in Unter- und Mittelstufe sich auch auf die Oberstufe ausrichte. Ebenso passe eine Leistungsdifferenzierung nicht zum Gymnasium, in dem am Ende der Schullaufbahn alle am gleichen Ziel ankommen sollen. Von der Eingangsklasse an seien eine breite Grundbildung und eine wissenschaftspropädeutische, nicht wissenschaftsorientierte Arbeitsweise zu verlangen.

Der Schulleiter hoffte, dass die sich in den Richtlinien abzeichnenden Tendenzen der Auflösung des Gymnasiums nicht durchsetzen würden. Bei den Bonner Gymnasien war angesichts der zurückgehenden Schülerzahlen und der drastischen Sparpolitik die Absicht der Schulleitungen erkennbar, entgegen der Enttypisierung wieder die alten Schulprofile stärker zu betonen. Das Beethoven-Gymnasium mit den drei Pflichtfremdsprachen und der eindeutigen Sprachenfolge (dem Latein konnte niemand aus dem Wege gehen!) hatte seinen Schwerpunkt nie aufgegeben.

 

Die Arbeit an den neuen Richtlinien begleitete in der zweiten Hälfte des Schuljahres 1991/92 das sogenannte „Handlungskonzept der Landesregierung“, das u. a. der Straffung des Unterrichts, der Anhebung der Klassen- und Kursstärken sowie der Verkürzung des Angebotes diente, letztlich jedoch auch auf schwierigere Unterrichtsbedingungen für Lehrer und Schüler hinauslief: Die Durchschnittszahl von 19,5 Schüler pro Oberstufenkurs bedingte Zusammenlegungen und eine Vergrößerung der Gruppen und eine Einschränkung des Wahlangebots durch Reduzierung kleinerer Kurse. Eine erweiterte Wahlmöglichkeit sollte durch eine Kooperation mit anderen Gymnasien erreicht werden, ohne dass dafür sächliche (Angleichung der Stundenpläne und Oberstufensysteme) und verkehrstechnische (schnelle Erreichbarkeit) Voraussetzungen gegeben waren. Die Richtzahl für die Klassen 5 bis 10 – 28 bis 30 Schülerinnen und Schüler – durfte nur (geringfügig!) überschritten werden. Die zunächst verlockend klingende Bandbreitenregelung für die Fächer (z. B. Deutsch in Klasse 5:   4 bis 6 Stunden) hätte der Schule eine Schwerpunktsetzung bzw. Freiräume erlauben können, wurde aber, wenn kein Fach ausfiel, konterkariert durch die vorgeschriebene Gesamtstundenzahl. Auch konnte eine dringend notwendige Zusatzstunde für die spät einsetzende dritte Fremdsprache im Differenzierungsbereich der Klasse 9/10 nicht mehr verbucht werden.

Einen besonderen Verlust bedeutete die Streichung der Orientierungsstunde in der Erprobungsstufe Klasse 5/6, so dass die Klassenleitung kostbare Zeit z. B. für Klassenleitergeschäfte u. ä. von dem eigenen Fachunterricht abzweigen musste. Eine „bittere Pille“ musste auch bei der Arbeitszeitverpflichtung geschluckt werden, denn fast ein Drittel der bisherigen Entlastungsstunden (z. B. aus Altersgründen, für zusätzliche Aktivitäten und besondere Belastungen) fielen weg. Es mochte dahin gestellt sein, ob die in zwei Jahren einzuführende Fünf-Tagewoche (nur zwei freie Samstage mussten eigens beschlossen werden) den Ärger in den Kollegien aufwog.

 

Obwohl die neuen Richtlinien ab Schuljahr 1993/93 verbindlich in Kraft treten sollten, war allen Beteiligten schnell klar, dass dieser Termin nicht eingehalten werden konnte. Ende Juni 1993 waren nur für fünf Fächer die Richtlinienexemplare eingetroffen. Der Termin wurde bald auf den 1. August 1995 verschoben.

Die nunmehr auch auf die Sekundarstufe II ausgerichteten „Richtlinien“ gliederten sich in:

1. Aufgaben und Ziele des Gymnasiums in der Sekundarstufe I (Sek I);

  1. Lehren und Lernen im Gymnasium in der Sek I;
  2. Aufbau des Bildungsganges im Gymnasium in der Sek I;
  3. Gestaltung des Schullebens;
  4. Schulprogramm“.

Unterricht und „sonstige Schulveranstaltungen“ standen gleichrangig nebeneinander. Besonders herausgehobene Aspekte waren die „Schülerorientierung“ und der „fachübergreifende Unterricht“; die aus den Grundschulen vertraute Freiarbeit sollte weitergeführt werden. Die Fachkonferenzen konnten nun ein Jahr lang schulinterne Lehrpläne entwickeln, und die Klassenkonferenzen mussten anschließend Absprachen über fächerverbindendes Arbeiten treffen. Am Schluss war ein zusammenfassendes Schulprogramm zu erstellen, das veröffentlicht würde und der „Öffnung der Schule“ dienen sollte.

 

Zu den überregionalen Einführungsveranstaltungen schickte jede Fachkonferenz zwei Vertreter, die ihrerseits die Rolle von Multiplikatoren an der Schule übernahmen. Doch diese Fachtagungen ergaben in der Rückschau kein einheitliches Bild, da manchmal Dezernenten oder Moderatoren nicht genügend vorbereitet waren und die Richtlinien mehr oder weniger vorlesend darstellten. Der Schulleiter gab daher unter dem Motto „Arbeiten in Ruhe und gewissenhaft“ die Devise aus: bei der Obligatorik den Freiraum in den Richtlinien zu nutzen und bei der zunehmenden Stofffülle eine exemplarische Auswahl zu treffen, beim fächerverbindenden Unterricht (da die Richtlinien und die Fächerabfolge ein in sich verzahntes Curriculum häufig verhinderten) einige fachübergreifende Schwerpunkte zu setzen und dabei die wenigen Möglichkeiten des projektorientierten Unterrichts zu ergreifen. Bei der Schülerorientierung solle man sich ruhig auf Schülerinteressen und -begabungen einlassen.

 

11.16.2 Möglichkeiten „fächerverbindenden“ Unterrichts

 

Das Beethoven-Gymnasium konnte hierbei insofern auf Erfahrungen zurückgreifen, da ein Fachvertreter den Entwicklungsprozess der Richtlinien in Latein von Beginn an begleitet hatte. Außerdem gab es schon seit 1987 eine Kooperation einiger Lehrerinnen und Lehrer in den Fächern Latein und Deutsch in der Erprobungsstufe mit der Absicht, im Lateinunterricht dem Deutschlehrer „wirksam zuzuarbeiten und im Deutschen auf Gelerntes zurückzugreifen, es zu vertiefen oder durch Kontrast zu ergänzen und so kategoriales Denken, vor allem durch Grammatikunterricht, wirksam vorzubereiten“. Auf diesen Erfahrungen fußend, erwuchs im ganzen Sommer 1992 in einer Klasse 7a, dann 8a ein projektorientierter und fächerübergreifender Unterricht (Deutsch, Latein, Geschichte): Aus der Aufführung des selbst geschriebenen Lateinspiels „Der Bäderdieb“ (Adaptation des lateinischen Schulspiels „Fabius investigat“ von B. Halifax) entwickelte sich das Projekt über die römischen Thermen mit einem Begleitheft und einer Ausstellung anlässlich des „Tages des Beethoven-Gymnasiums“ Ende September 1992. Beim Landeswettbewerb Latein erhielt diese Klasse im Juni 1994 den zweiten Preis, die Klasse 9a den ersten Preis mit ihrer lateinischen Parodie der Fernsehsendung „Herzblatt“, ein Stück „Aktualisierung verkehrt“, die Versetzung heutiger Aussagen in die Antike (beide Beiträge als Videofilm eingereicht). Ebenso gab es fachübergreifende Projekte in Latein und Geschichte („Saturnalienfest“ in 5b 1995/96) und in Geschichte und Kunst „Die goldene Schlange“ in 6b mit der Aufführung eines altägyptischen Märchens (1996/97).

 

Ende des Schuljahres 1993/94 waren die Arbeiten an den Anstaltslehrplänen für die Erprobungsstufe abgeschlossen. Eine Fächerkooperation bot sich hier in Deutsch, Latein und Geschichte sowie Englisch und Politik an. Anschließend wünschten die vornehmlich in der Erprobungsstufe eingesetzten Kolleginnen und Kollegen eine schulinterne Fortbildung zum Thema „Freiarbeit“, die im Frühjahr 1996 in drei „Blöcken“ ablaufen sollte: 1. Block: Vortrag des Referenten zur Montessori-Pädagogik; 2. Block: Begegnung mit Montessori-Unterrichtselementen, Arbeit mit diversen Materialien zur Freiarbeit; 3. Block: Frage zu und Diskussion über Materialien.

Für die Mittelstufe hatten die Fachschaften Mathematik und Naturwissenschaften Mitte 1994/95 Lehrpläne fertig gestellt, wobei die Obligatorik der Richtlinien häufig als „Rückzug auf das äußerste Minimum“ angesehen wurde. Sehr bedauerlich fand man den Fortfall des Biologieunterrichts in Klasse 10, so dass sich eine Kooperation mit Chemie nicht mehr anbot. Die Lehrpläne der meisten übrigen Fächer, in denen z. T. die Einweisung sehr spät erfolgte, waren erst im Sommer 1995 abgeschlossen. Bei Französisch/Griechisch als spät einsetzenden Fremdsprachen boten sich kaum Anlässe für einen Fachübergriff. Bei den übrigen Fächern war sehr schnell offenbar geworden, dass eine Verzahnung nur an einigen Stellen möglich war (hier rächte sich die mangelnde Abstimmung bei der Erstellung der Richtlinien im Anfangsstadium und bei der Festlegung des Fächerkanons). Ein wirklich paralleles Arbeiten in einer Klasse erforderte außerdem eine entsprechende Unterrichtsverteilung und Stundenplangestaltung. Bei den – innerschulisch notwendigen – Unterrichtsausfällen und der geringen Stundenzahl vieler Fächer blieb eine Kooperation auf ein Minimum beschränkt. Gleichwohl versuchte der Schulleiter das Kollegium zu ermutigen, auch „unkonventionelle Schritte“ bei der Verwirklichung fachübergreifenden Unterrichts zu wagen, biete dieser doch eine Chance zur interkollegialen Zusammenarbeit.

Hierfür entwickelte die Koordinatorin der Erprobungsstufe im Juni 1995 einen Übersichtsplan pro Klasse und Halbjahr mit parallel angeordneten Rubriken für jedes Fach, in die die jeweiligen Fachlehrer ihre Unterrichtsvorhaben auflisten sollten. Nach der ersten Unterrichtswoche musste der Klassenlehrer diesen Plan zusammenstellen und in Kopie der Schulleitung, dem Klassenkollegium und den Eltern zugänglich machen. Bedenken, dass eine solche veröffentlichte Übersicht die Freiheit eines beweglichen Unterrichts einschränke, indem er Lehrer und Schüler zeitlich und thematisch zu streng festlege, konnten schließlich zerstreut werden. Der Plan wollte Eltern und Schülern eine sachlich und pädagogisch zweckdienliche Information geben und dem Klassenkollegium die Möglichkeit anbieten, fachübergreifendes Arbeiten an gemeinsamen Themen zu erleichtern. Nach dem ersten Durchlauf im Schuljahr 1995/96 stellte sich sogar heraus, dass die großformatige Übersicht („Teppich von Bayeux“ von wohlmeinenden Skeptikern genannt) eine sonst notwendige eigene Klassenkonferenz in der ersten Woche nach Unterrichtsbeginn meistens ersetzte und den „kurzen“ Weg zu kollegialen Absprachen eröffnete.

 

11.16.3 Der „Erziehungsauftrag“ der Schule darf wieder ernst genommen werden

 

Anlässlich der obligatorischen Einführung der neuen Richtlinien Sek I zum Schuljahr 1995/96 (bis zum 15. September 1995 mussten die schulinternen Curricula beim Dezernenten sein) versuchte der Schulleiter die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass diese Richtlinien erstmalig wieder den Erziehungsauftrag der Schule betonten und sich damit einer Aufgabe zuwandten, die über zwei Jahrzehnte lang geradezu verpönt war. In das zukünftige Schulprogramm sollten Erziehungsziele Eingang finden, die zuvor von Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft diskutiert und dann festgelegt würden.

In diesem Zusammenhang kam aus dem Kollegium der Vorschlag, sich des Problems der zunehmenden Gewalt an Schulen anzunehmen und ebenfalls in einer schulinternen Fortbildung zu behandeln. Ein solches Thema brauchte aber eine zeitlich sehr intensive Vorarbeit und vor allem einen Bezug zu konkreten Vorfällen an der eigenen Schule. Man beschloss daher, das Problem kollegiumsintern mit einem Arbeitskreis „Gewaltprävention“ anzugehen, und begann Ende 1995 mit einer Fragebogenaktion, an der sich über die Hälfte des Kollegiums und die meisten Schülerinnen und Schüler beteiligten.

Alle Rückläufe aus der Lehrerschaft machten auf die Wahrnehmung von Gewalt auch auf dem Beethoven-Gymnasium aufmerksam, wobei es sich vornehmlich um verbale Gewalt handelte. Viele brachten eine unterschwellige Belastung durch dieses Phänomen zum Ausdruck. Von Schülerseite wies besonders die Unterstufe auf physische Gewalt hin, während alle Jahrgangsstufen – ebenso wie die Unterrichtenden – die zunehmende verbale (auch von Lehrern ausgeübte) Gewalt auffiel. In der offensichtlich „zu geringen Kommunikationsfähigkeit“ zwischen den Jugendlichen sahen sie die Hauptursache. Die Schwelle für verbale Gewalt, so ergab die Diskussion auf der Konferenz vom 14. Februar 1996, werde zwar subjektiv unterschiedlich empfunden, doch sollte man als Lehrer immer dann einschreiten, wenn verbale Gewalt gezielt als Angriff eingesetzt würde. Um den Jugendlichen aber verbale Gewalt bewusst zu machen, müssten ihre kommunikativen Kompetenzen erhöht werden. Die Anwendung von Gewalt, so das allgemeine Fazit, sei immer auch als „Hilferuf“ zu werten, daraus folge für die Lehrerrinnen und Lehrer: hinschauen, nicht wegsehen; schon die Anwesenheit wirke präventiv.

 

Schließlich einigte man sich im Kollegium, Streitschlichtungsmodelle zu erkunden, in denen Schülerinnen und Schüler eine tragende Rolle spielten und auch als Streit schlichtende Instanz anerkannt würden. Eine Tagung wurde hierfür ins Auge gefasst, auf der sich Konzepte zusammen mit der SV und dem Schülerrat entwickeln ließen. Nach mehrmaligen Sitzungen entschied sich der Arbeitskreis „Gewaltprävention“ für das Modell von Braun/Hünicke zur Streitschlichtung zwischen Schülern: Der Konfliktschlichter (Mediator) begleitet die Streitparteien bei der Lösungsfindung; er schlichtet nicht selbst noch bewertet er das Verhalten der Kontrahenten und verhängt auch keine Sanktionen. Seine Aufgabe ist es lediglich, eine gefundene Lösung festzuhalten. Die Mediatoren müssen lernen, durch aktives Zuhören („neutrale“ Intervention) „Konflikte zu analysieren und eigenes Verhalten zu reflektieren“. Die Kontrahenten müssen lernen, ihren eigenen Anteil an dem jeweiligen Streit zu sehen und zuzugeben, Verständnis für das Verhalten des anderen aufzubringen, Lösungen für das Problem zu finden und sich am Ende an Absprachen zu halten, die streng vertraulich behandelt werden.

Im Schuljahr 1996/97 bereiteten sich ca. 10 Vertreter der Klassen 9/10 in einem Mediatorenkurs (ca. 15 Doppelstunden nachmittags etwa 4 -5 Monate) mit den Betreuungslehrerinnen und -lehrern auf ihre Tätigkeit vor. Die Konfliktschlichtung war zunächst auf die Unterstufe beschränkt. Nach der Benachrichtigung der Eltern wurden die Klassen in ca. drei Unterrichtsstunden durch die Mediatoren und ihre Betreuer vorbereitet. Die Beteiligung an einem Gespräch war freiwillig, sollte aber in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang (i. d. R. in den großen Pausen) mit dem Konflikt stehen. Mehrmals wurde der Erprobungsstufe nahe gelegt, sich im Bedarfsfall sofort an die Streitschlichter zu wenden (in dringenden Fällen konnten sie auch aus dem Unterricht geholt werden), die sogar einen eigenen Raum zugewiesen bekamen. Dort konnten sie mit den Kontrahenten sprechen und auf eine Schlichtung hinarbeiten; das gemeinsame Protokoll über deren Ergebnis musste von allen unterschrieben und somit anerkannt werden. Im Schuljahr 1997/98 startete die neue Form der Streitschlichtung – zunächst noch zögerlich, da eine friedliche und rationale Regelung unter Jugendlichen noch zu ungewohnt war.

 

11.17 Die Entwicklung des „Schulprogramms

 

11.17.1 Schwerpunkt der Arbeit: Konzepte in der Mittelstufe

 

Nachdem gegen Ende 1995 nach langjähriger Vakanz der Stellvertreterposten wieder besetzt wurde, konnte der Schulleiter mit Nachdruck der Auflage des Ministeriums nachkommen, bis zum 31. Juli 2000 ein Schulprogramm zu formulieren. Ausgehend von dem ausgeprägten Schulprofil des Beethoven-Gymnasiums (liberale Leistungsschule mit den Schwerpunkten Sprachen und Mathematik/Naturwissenschaften) galt es nun, auf diese Zielvorstellung – im Sinne einer „corporate identity“ – die entsprechenden unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Tätigkeiten und pädagogischen Prinzipien auszurichten. Dieser Prozess sollte nach dem Willen des Schulleiters langsam und in Ruhe angegangen werden – in ständiger Rücksprache und Absicherung mit dem Kollegium und unter Einbeziehung der Eltern- und Schülerschaft.

Unter Leitung der Stellvertreterin bereitete eine Koordinierungsgruppe (10 Kolleginnen und Kollegen sowie der Schulleiter als geborenes Mitglied) eine eintägige pädagogische Konferenz über die Einleitung der Aufstellung eines Schulprogramms vor. Eine Informationswand im Lehrerzimmer unterrichtete ständig das Kollegium über die Arbeitsergebnisse der Gruppe und initiierte einen Diskussionsprozess während des ganzen Schuljahres 1996/97. Dies förderte auch die Einsicht, dass die Festlegung verbindlicher Ziele der pädagogischen Arbeit und die Transparenz der „Schularbeit“ die Identifizierung mit der eigenen Schule, eine effektivere kollegiale Zusammenarbeit und eine ansteckende Innovationskraft erleichtere.

Zur Vorbereitung der Konferenz stellte die Koordinierungsgruppe, ausgehend von dem bisherigen Schulprofil, alle schon praktizierten Elemente eines zukünftigen Schulprogramms zusammen, listete in einem Fragebogen mögliche Desiderata auf und ließ viel Raum für Ergänzungen, Bewertungen, Kritik usw. Bei der Auswertung ließen sich ca. 10 größere Problemfelder zusammenstellen, von denen vier als für die Konferenz vorrangig zu behandelnde Themen bestimmt wurden: „Musischer Bereich, Umsetzung größerer Methodenvielfalt, Anreize zu mehr Selbstverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler sowie Abstimmung von und bei Disziplinarmaßnahmen“. In der Chronik des Schuljahres 1996/97 (Jahresbericht 1997) fand sich denn auch unter dem Februar 1997 die denkwürdige und staunenswerte Nachricht: „Das Monatsende bescherte den Schülern einen häuslichen ‚Studientag’ und uns Kollegen ein Novum in der Schulgeschichte des Beethoven-Gymnasiums: Am 17. Februar fand eine ganztägige pädagogische Konferenz zum Thema Schulprogramm/Schulprofil statt“ , wobei sich ein lobender und ein tadelnder Unterton des Chronisten durchaus die Waage hielten.

 

Das Kollegium war nach dem Zufallsprinzip in neun Kleingruppen aufgeteilt, die vormittags ein Merkmalprofil zu der Leitfrage „Welche konkreten Gegebenheiten lassen sich an unserer Schule in den ausgewählten Arbeitsbereichen noch verbessern?“ erstellten und die Ergebnisse auf „zumeist erfreulich kreativ und bunt gestalteten Plakaten“ dem Plenum präsentierten. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse entwickelten sich nachmittags „brainstormartig“ Vorstellungen zu den Schwerpunkten und Gedanken für ihre Umsetzung. In einer Nachbereitung kamen die Sprecherinnen und Sprecher der Kleingruppen wenige Tage später zu der Überzeugung, nunmehr kollegiumsintern Arbeitsgruppen zu folgenden Schwerpunktthemen zu bilden und die Arbeit nach den Osterferien beginnen zu lassen: Musische Fächer, künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten, Kreativität; Pädagogische Konzepte für die Mittelstufe; Selbstverantwortliches Lernen.

Bis zum Ende des Jahres war die Arbeit in den Kommissionen unterschiedlich weit gediehen. In der Gruppe „Kunst“ hatte man die beschlossene Bestandsaufnahme von Kunstaktivitäten aller Bonner Gymnasien noch nicht ganz abgeschlossen, um sie als Ausgangspunkt eigener Initiativen zu nehmen; sie schlug schon jetzt Projekttage „mit klassenübergreifenden musisch-künstlerischen Aktivitäten“ vor. Darüber hinaus sammelte sie Ideen, wie die Räume, Flure und das Aulafoyer farblich besser gestaltet und mit künstlerischen Schülerarbeiten „verschönert“ werden konnten: Eine allmähliche Umsetzung erfolgte nach und nach mit der großzügigen Unterstützung der „Gesellschaft der Freunde und Förderer“, die Geld für Standvitrinen, Schaukästen, Bilderrahmen, Farben und Materialien für den Kunstunterricht bereitgestellt und vorher schon Geld für einen großen Brennofen im Werkraum angespart hatte, so dass „Töpfergut aus Schülerhand“ die Schule schmückte.

Die Gruppe „Selbstverantwortliches Lernen“ versuchte Projekte als Angebote an das Kollegium auszuarbeiten.

Am weitesten fortgeschritten war die Kommission „Pädagogische Konzepte in der Mittelstufe“, die sich in vier Untergruppen geteilt hatte:

  1. Fächerübergreifende Arbeit/Projektarbeit in den Klassen 7/8;
  2. Fächerübergreifende Arbeit/Projektarbeit in den Klassen 9/10;
  3. Mittelstufenpädagogik;
  4. Suchtprophylaxe.

 

Nach dem Zwischenbericht auf der Konferenz am 29. Januar 1997 versuchte der Schulleiter das Kollegium zu ermuntern, möglichst konsensfähige Vorstellungen zu entwickeln und die Arbeitsergebnisse so umsetzen zu wollen, dass sie schon aus Gründen der Arbeitsökonomie wiederholbar seien. Klare Schwerpunkte ohne unrealistische Überfrachtung – nach dem Motto „Wenig, aber gut“ – , sei nicht verkehrt. Doch die Vorbereitungen und Durchführung der 325-Jahr-Feier im Jahre 1998 und die gleichzeitige Herausgabe des Großen Jahresberichts absorbierten die Kräfte des Kollegiums so sehr, dass erst ab Herbst 1998 die Arbeiten am Schulprogramm in die Endphase eintreten konnten.

 

Der Schwerpunkt der fortgeführten, der z. T. erweiterten und einiger neu ausprobierter Projekte lag dabei eindeutig auf der Mittelstufe, denn mit der Oberstufe hatte man sich schon 20 Jahre ständig beschäftigen müssen, und die Erprobungsstufe war in den letzten 10 Jahren vorgängiges Ziel pädagogischer und methodischer Überlegungen gewesen, um einen einigermaßen reibungslosen Übergang von den Grundschulen zu bewältigen. Die Phase der Pubertät versuchten die weiterführenden Schulen seit jeher – oft mehr schlecht als recht – zu überstehen. Hier taten sich die größten pädagogischen und erzieherischen Herausforderungen auf, auf die das Kollegium mit alten und neuen Maßnahmen verstärkt reagieren wollte.

In den Klassen 7/8 hatten sich als sozialintegrative Klassenveranstaltungen die zwei Skifahrten sehr bewährt. Die Einführung in den ökologisch schonenden Umgang mit der Winterlandschaft führte auch zu einer Kooperation der Fächer Erdkunde und Sport. Die „Umwelttage“ in der Klasse 8 erforderten zwar einen großen organisatorischen Aufwand, erfreuten sich aber großer Beliebtheit und brachten immer wieder neue Erlebnisse und Erkenntnisse in das Klassenleben. Die Schülerinnen und Schüler monierten aber die Theorielastigkeit, so dass nunmehr das praktische Arbeiten in den Vordergrund rückte. Die „Suchtprophylaxe“ im fachübergreifenden Unterricht in Biologie/Politik in Klasse 8 mit einem Informationsabend für Eltern von ausgewiesenen und kompetenten Experten war auch bei den Schülerinnen und Schülern durchgehend akzeptiert.

Letztlich gehörte auch zur Suchtprophylaxe das Initiativ-Programm „Mädchenförderung“; in den Klassen 8 begannen Selbstbehauptungskurse für Mädchen in Zusammenarbeit mit der Kripo Bonn. Durch die Behandlung des Themas „Gewalt im Unterricht und die Einrichtung der „Streitschlichtung sensibilisiert, sollten die Jungen nicht nachstehen und nunmehr an einem Kurs „Konflikttraining“ teilnehmen.

Beide Veranstaltungen verstanden sich letztlich auch als logische Fortsetzung des „Lions Quest Programms“ („Erwachsen werden“): Der Schulleiter hatte nämlich 1998 – anlässlich einer 40jährigen Abiturfeier – durch einen ehemaligen Schüler (Mitglied eines Lions Clubs) Einblick in dieses Förderprogramm gewonnen und mit ihm vereinbart, künftig regelmäßig vornehmlich in der Erprobungs- und Mittelstufe unterrichtende Lehrerinnen und Lehrer zu einer solchen (vom Lions Club veranlassten) Fortbildung zu schicken, um sich für die „Lions Quest Methode“ ausbilden zu lassen. Das Konzept zielte darauf ab, den Jugendlichen psychosoziale Kompetenzen zu vermitteln und ihre Persönlichkeit und ihr Selbstwertgefühl zu stärken, um sie so weniger anfällig für äußere Bedrohungen (Drogen, Gewalt) zu machen. Der Schulleiter gab den Klassenlehrerinnen und -lehrern der Klassen 5, wenn es sich eben ermöglichte, eine zusätzliche Stunde, damit sie – auch in Zusammenarbeit mit den Eltern – von Anfang an das Programm umsetzen konnten.

 

Seit 1990 bestand schon ein „Silentium“ für die Erprobungsstufe: Nach dem Unterricht kamen die angemeldeten Schülerinnen und Schüler in „ihren“ Raum, spielten oder fingen sofort mit ihren Hausaufgaben unter einer Aufsicht an, die deren Fertigstellung kontrollierte und diejenigen entließ, die früher nach Hause gehen durften (nach vorheriger Absprache). Nicht alle konnten sich daran gewöhnen, in dieser Atmosphäre auch Vokabeln zu lernen, was sie dann als Auflage zu Hause nachholen mussten. Die Aufsicht nahm auch des Öfteren Rücksprache mit den Fach- oder Klassenlehrerinnen und -lehrern. Nunmehr wurde eine Hausaufgabenbetreuung auch auf die Klassen 7/8 ausgedehnt; anfänglich war die Beteiligung zögerlich, da die Betroffenen lieber selbst über die Zeit nach dem Unterricht verfügen wollten. Es offenbarte sich ferner, dass in dieser Altersgruppe und bei komplexeren Hausaufgaben öfters eine individuelle, gezielte und fachliche Betreuung notwendig war. Doch allmählich wuchsen Interesse und Notwendigkeit.            

 

Für die Klassen 9 hatten sich – ähnlich wie die Skifahrten für 7/8 – die „Studienfahrten“ nach England sehr bewährt. Über den Stellenwert der sog. Abschlussfahrt in der Klasse 10 war man sich weder in der Kommission noch im Kollegium einig, glaubte aber, vornehmlich unter dem Aspekt des Sparzwangs, hierauf am ehesten verzichten zu können; jedenfalls war der Entscheidungsprozess bis zum Schuljahr 2000/2001 noch nicht abgeschlossen.

Seit 1986 erfreute sich ein im Rahmen der Verkehrserziehung für die Klasse 9 jährlich angebotener „Mofakurs“ wachsender Beliebtheit. Die Jugendlichen sollten hierdurch „verantwortungsbewußt und angemessen vorbereitet am motorisierten Straßenverkehr teilnehmen“ können (Erlass 29. Oktober 1985). Der Kurs umfasste 10 Doppelstunden Theorie und Praxis, letztere auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule Bonn-Beuel von Polizeibeamten durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler zeigten großes Interesse für die Auseinandersetzung mit gefahrenträchtigen Situationen im Straßenverkehr und entwickelten eine Verantwortungsbereitschaft für ihr eigenes Verhalten auf der Straße.

Der Aspekt „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ im Biologieunterricht der Klasse 9 und die „Erste Hilfe“ – Einführung mit der anschließenden Schulsanitäterausbildung in Klasse 10 fand sehr schnell großen Anklang. Der „Sanitätsdienst“ hatte sich bei Notfällen mit einem reibungslosen Ablauf eingespielt.

„Sexualität und Liebe“ als fachübergreifendes Projekt in Deutsch/Biologie in Klasse 9 und das Thema „Gewalt“ in Kooperation Deutsch/Politik in Klasse 10 sollten nach zwei Durchgängen in das Schulprogramm übernommen werden und das bereits erfolgreich angegangene „Streitschlichtungsmodell“ ergänzen.

 

Da nach der Einführung der Fünf-Tage-Woche und wegen ihrer 32 Regelwochenstunden für die Klassen 9/10 mittwochs die für den Gottesdienst frei gehaltene erste Stunde mit Fachunterricht belegt werden musste (außer für den Besuch aus besonderen Anlässen und bei eigener Gestaltung des Gottesdienstes), entwickelte sich für den Schulleiter die gesetzliche Möglichkeit, sich vom Religionsunterricht aus Gewissensgründen abzumelden (mit dem Zwang zur Aufsichtsführung) zu einem noch größeren Ärgernis. Er ergriff daher – nicht in ironisch abwertender Absicht einer „Kinderphilosophie“ – die Gelegenheit, die sich neuerdings laut Erlasslage abzeichnete: als Ersatzfach „Praktische Philosophie“ seit dem Schuljahr 1996/97 in den Klassen 5/6 und vor allem 9/10 „obligatorisch“ anzubieten für alle diejenigen, die nicht am Religionsunterricht teilnahmen (andere Bundesländer hatten schon „Ethik“ mit Philosophie als Bezugswissenschaft eingeführt). Interessierte Kolleginnen und Kollegen ließ Kötting entsprechend fortbilden. Anfangs fehlten allerdings genaue Richtlinien, und Unterrichtsmaterialien waren kaum entwickelt. Das führte z. B. zu Absprachen über das Thema „Drogen“, „Gewalt oder aber zu Religionsvergleichen unter einer neutralen Betrachtungsweise. Dabei war mit zunehmendem Alter der Mittelstufenschülerinnen und -schüler besonderes Interesse und Engagement zu spüren.

 

Bei allen Überlegungen in den Kommissionen und im Kollegium lag ein besonderer Schwerpunkt der Mittelstufenarbeit bei der Erziehung zum Lernverhalten und zur Einhaltung der Regeln des schulischen Zusammenlebens. Unter den veränderten gesellschaftlichen und familiären Verhältnissen sah der Schulleiter die Verpflichtung der Schule zu Erziehung und Unterricht als ein gleichrangiges Erfordernis. Nach der Devise „Erziehungs- vor Ordnungsmaßnahmen“ entwickelte die Kommission einen Maßnahmenkatalog, in dem vor Anwendung der vom Erlass möglichen Ordnungsmaßnahmen „erzieherische Einwirkungen“ „intensiviert, koordiniert und für die Schüler transparent gemacht“ wurden. Dies galt vor allem für nicht gemachte Hausaufgaben, häufiges Zuspätkommen, Schwänzen und Störungen im Unterricht. Bei „Wiederholungstätern“ war zunächst ein offizielles pädagogisches Gespräch mit Eltern, Klassen- und Mittelstufenleiter anzusetzen. Erst danach sollten Ordnungsmaßnahmen greifen (z.B. Verweis, Versetzen in eine andere Lerngruppe, Ausschluss vom Unterricht), um nicht die Schullaufbahn von vornherein zu gefährden. Um dem Klassenlehrer einen schnellen Überblick (und ein sofortiges Nachhaken) über Zuspätkommen und nicht gemachte Hausaufgaben zu ermöglichen, sollte jedes „Vorkommnis“ in eine Liste am Ende des Klassenbuches eingetragen werden, worüber sich erst nach langer und kontroverser Diskussion im Kollegium Einigkeit erzielen ließ. Außerdem standen von nun an mehrere Briefentwürfe über Pünktlichkeits- und Hausaufgabenmängel (auch als Beleg für Elterngespräche und Bemerkungen auf dem Zeugnis) zur Verfügung.

 

1997 wurde erkennbar, dass das Ministerium an eine Standardisierung der Leistungsanforderungen und -bewertungen am Ende der Mittelstufe dachte, um gleichwertige Schulabschlüsse zu erreichen. Für die Klassen 10 erschienen in Deutsch, Mathematik und Englisch als erster Fremdsprache sog. „Muster“, die als Vorgaben für Parallelklassen bezüglich Unterrichtsinhalte, Klassenarbeiten und Korrekturen dienen sollten. Erst kurz vor Fertigstellung des Abschnittes „Mittelstufe“ im Schulprogramm regelte 1999/2000 ein neuer Erlass die Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit von Anforderungen und Bewertungen: In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch als erster Fremdsprache sollte im zweiten Halbjahr eine Parallelarbeit geschrieben werden, deren Anspruchsniveau den Modellaufgaben zu entnehmen war und deren Kriterien für die Leistungsanforderungen und Bewertungsmaßstäbe die Fachkonferenzen festlegen mussten. Es war schon schwierig genug, die Fachkolleginnen und -kollegen zu einem gemeinsamen Aufgabentyp zu bewegen; es glich vollends einem Sisyphusakt, einen Konsens bei der Korrektur zu erzielen.

Im zweiten Halbjahr 1999/2000 kamen dann noch die „Parallelarbeiten“ für die Klassen 7 in den gleichen Fächern hinzu. Die Ergebnisse mussten dokumentiert, der Schulkonferenz mitgeteilt, und für die weitere Arbeit mit Schlussfolgerungen ausgewertet werden. Schon entwickelte sich unter Parallelklassen eine Art Konkurrenzdenken, doch waren die Ursachen für abweichende Resultate einzelner Klassen zu vielschichtig (unterschiedliche Vorkenntnisse, Anzahl der Wiederholer, vorheriger Unterrichtsausfall, usw.), um daraus allgemeine Schnellschlüsse zu ziehen.

 

11.17.2 Umsetzung der neuen Richtlinien Sekundarstufe II

 

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre begann das Ministerium wieder, die Oberstufe verstärkt zu einer „Baustelle“ zu machen. 1996 arbeiteten Vorkommissionen mit Hochdruck an neuen „Richtlinien für die Sekundarstufe II“ (Sek II), die sich in ihrer Struktur den Richtlinien Sek I angleichen und zum 1. August 1999 in Kraft treten sollten. Es blieben die von der Kultusministerkonferenz vorgegebenen Rahmenbedingungen: drei Aufgabenbereiche mit Pflichtbelegungen, Gleichwertigkeit der Fächer mit Leistungs- und Grundkursen. Als Neuheit zeichnete sich ab: Leistungskurse erst ab Stufe 12 und als „verschärfende“ Einschränkung keine Abwahl von Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache bis 13,2. Um die Studierfähigkeit und Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen, dachte man an größere Anteile von fachübergreifendem und selbsttätigem Arbeiten in der Stufe 12/13:

  • Heranführen an Arbeitsformen, die zur Behandlung komplexer Aufgabenstellungen nötig“ seien (z. B. Arbeiten in Gruppen, Referate, Recherchen, Lektüre größerer Werke);
  • Herausarbeiten fachübergreifender und fächerverbindender Ansätze“;
  • Berücksichtigen von „besonderen Lernleistungen“ (z. B. Wettbewerbe, Jahresarbeit, Informatik, Technik, Kunst, Musik);
  • Konzentration der Inhalte auf das Wesentliche, um Freiräume für selbstständiges Arbeiten zu schaffen“.

 

Anfang 1999 waren die endgültigen Bestimmungen bekannt: Unter Beibehaltung der Grundstruktur (Einführungsphase in 11, Qualifikationsphase 12/13, Grund- und Leistungskurse, Zuordnung der Fächer zu den drei Aufgabenfeldern, individuelle Schwerpunktbildung) gab es nunmehr keinen Wechsel mehr der Kursstruktur in Stufe 11 (alle Kurse dreistündig durchgehend in 11 – eine Erleichterung für die Unterrichtsverteilung!), nur die neu einsetzende Fremdsprache war bis 13,2 vierstündig (damit sie in 12,1 eine fortgesetzte Fremdsprache ersetzen konnte); die Versetzungsbestimmungen nach 12 waren (leicht) erschwert; das Latinum war am Ende von 11,2 erreichbar. Die Leistungskurse in 12/13 reduzierten sich (nach dem schon immer praktizierten Modell des Beethoven-Gymnasiums) auf fünf Stunden; Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache mussten schriftlich bis Ende 13,2 genommen werden (die bisherige Möglichkeit der Abwahl eines dieser Fächer in 13 war am Beethoven-Gymnasium bisher schon eine Ausnahme). Eine Rückkehr zur Pflichtbelegung alter Kernfächer und die starke Reduzierung der Wahlfreiheit waren unverkennbar.

Eine verpflichtende „Facharbeit“ (Ersatz für eine Klausur) in Stufe 12 ermöglichte selbstständiges, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten. Die Schule durfte auch die Teilnahme an einer fachübergreifenden „Projektarbeit“ anbieten, ebenso zur Profilbildung sog, „Koppelkurse“ (z. B. Geschichte/Französisch) mit fächerverbindenden Themen einrichten. Eine „besondere Lernleistung“ konnte in die Abiturwertung eingebracht werden. Sport im Abitur gab es nur noch an Schulen mit dieser Schwerpunktbildung und den entsprechenden technischen Voraussetzungen. Die Gesamtpunktzahlen und die Berechnung der Durchschnittsnote mussten schließlich den geänderten Bestimmungen angepasst werden.

 

Die inhaltliche Ausgestaltung der neuen Bestimmungen konnte noch in das fast fertige Schulprogramm eingearbeitet werden. Zur Qualitätssicherung dienten Parallelarbeiten als letzte Klausur in Stufe 11 in parallel liegenden Kursen (Deutsch, Mathematik, Englisch, evtl. Biologie, Religion und Philosophie). Über die Erfahrungen mit der Zweitkorrektur im Abitur sollte jeweils ein Bericht angefertigt werden, doch ein positiver Effekt im Sinne einer Qualitätssteigerung konnte vom Kollegium in diesem Instrument nicht gesehen werden.

Für die neuartige Facharbeit, auf deren wissenschaftspropädeutischen Charakter das Beethoven-Gymnasium besonderen Wert legen wollte, arbeitete eine Kommission genaue Richtlinien aus, die von allen ab 2000 einzuhalten waren. Es galt zunächst freie Themenwahl, wobei jeder Fachlehrer in seinem Kurs ein bestimmtes Themenangebot vorgeben sollte, damit weder er selbst noch die Schülerinnen und Schüler zeitlich überfordert würden. Da das Kollegium die maximale Anzahl pro Kurs auf fünf Facharbeiten festlegte, war bei der Wahl auch ein Ersatzkurs zu nennen. Die Arbeit durfte den Umfang von 5000 Wörtern nicht überschreiten. Die üblichen formalen äußeren Anforderungen und die für eine wissenschaftliche Arbeitsweise notwendige Vorgehensweise lagen in einer genauen Übersicht vor. Auch die Beurteilungskriterien (Formalia, inhaltliche Darstellung, wissenschaftliche Arbeitsweise, Ertrag der Arbeit) waren für Schüler und Fachlehrer nach einem einheitlichen Muster transparent gemacht worden. Ein genauer Terminplan war einzuhalten (nach den Herbstferien in 12,1 Themen und Quellensuche, ab November Festlegung des Kurses und des endgültigen Themas, Mitte Februar in 12,2 Beginn der Arbeit, Ende März kurze Darstellung über den Stand der Arbeit beim Fachlehrer, Ende April definitive Abgabe). Eine Kurzpräsentation konnte nach Rückgabe im Kurs abgesprochen werden. Die Facharbeit ersetzte die erste Klausur in 12,2.

Bei einer Auswertung des ersten Durchgangs begrüßten die Schülerinnen und Schüler zwar die Möglichkeit der freien Themenwahl, fanden aber die Vorbereitung für diese neuartige Arbeitsform im formalen und methodischen Bereich zu kurz. Auch seien die Relation von Aufwand und Note im Vergleich zu den Klausuren zu hoch und der Zeitrahmen zu lang, da sich viele doch erst sehr spät „an die Arbeit machten“. Von Lehrerseite wurden zwar die starke zeitliche Belastung und der Aufwand bei der Verifizierung der wissenschaftlichen Aussagen beklagt (der allzu sorglose Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer sollte ja selbst in Doktorarbeiten vorkommen), gleichwohl zog man eine durchweg positive Bilanz, – die im Jahresbericht 2001 veröffentlichten Auszüge (S. 21 – 33) geben darüber ein beredtes Beispiel. Für die Zukunft wurde auch ein zweiter Beratungstermin eingebaut, um die Steuerung durch den Fachlehrer zu erleichtern. Ein gemeinsamer Beschluss des Kollegiums verlegte den Zeitraum der Bearbeitung auf 12,1.

 

Ansonsten wurden die schon lange in der Oberstufe praktizierten Projekte in dem Schulprogramm fortgeschrieben: u. a. das sich seit 15 Jahren bewährte „Betriebspraktikum“ in 12, das „Studienfahrtenprogramm“ in 13, die „Tage der Naturwissenschaften“ in der Stufe 11:

  1. Epileptologie und Hirnforschung an der Klinik für Epileptologie und im Institut für Neuropathologie: Von den sechs Themenbereichen konnte jeder vier auswählen (Klinik, Zelluläre Hirnfunktion, Komplexe Hirnfunktion, Neuropsychologie, Neuropathologie I und II).
  2. Deutsche Luft- und Raumfahrt/Forschungszentrum Köln (Vorträge zu Schwerelosigkeit, Sonnenenergie, Erstarrung und Kristallisation, Kometen, Exobiologie; nachmittags Experimente in Kleingruppen und Besuch des Europäischen Astronautenzentrums EAC).
  3. Chemie: Besuch der Bayer-AG in Leverkusen (Vorträge und Werksbesichtigung); Besuch der Institute für Chemie der Universität Bonn (Anorganische und Biochemie, mit Vorträgen und Praktikumsversuchen).
  4. CAESAR: Center of Advanced European Studies and Research. (Medizin/IT/Biologie/Chemie: chirurgische Simulationen, Biosensor, Proteinfaltung; Physik/Ingenieurwissenschaften: dünne adaptive Schichten, Entwicklung eines Reifensensors; Angewandte Mathematik/Softwareentwicklung: Entwicklung eines Softwareprogramms, Simulationsprogramm für die Herstellung von Silizium).

 

Die seit den 60er Jahren gepflegten, ursprünglich rein katholischen „Besinnungstage“ am Ende der Stufe 13, die auf die von den Jesuiten praktizierten „Exerzitien“ und auf die in der Weimarer Zeit und in den 50er Jahren abgewandelte Form der „Religiösen Jugendwoche“ zurückgingen, öffneten sich ökumenisch seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre und wurden seit 1988 im Haus Steinbachtalsperre abgehalten. Von 1989 an fungierten dort die Leiter der Kurse für evangelische und katholische Religion als pädagogische Aufsichtsbegleiter ihrer Gruppen. Ein katholischer Geistlicher, später mit einem evangelischen Geistlichen im Team, übernahm an einem Wochenende für drei Tage die Leitung der Besinnungstage. Die Schülerinnen und Schüler waren in die Vorbereitung eingebunden und gaben häufig das Motto vor, unter dem sich der Gedankenaustausch mit Meditationen, Gebeten und Liedern gestalten sollte. Inhaltlich stand dabei die Idee im Vordergrund, sich über die eigenen Hoffnungen, Ziele und Sorgen Gedanken zu machen und sich darüber mit den anderen Teilnehmern auszutauschen. Dabei kam die Geselligkeit besonders am Abend keineswegs zu kurz. Häufig ging auch aus dieser Veranstaltung Motto und Gestaltung des ökumenischen Abschiedsgottesdienstes der Abiturienten hervor.

 

Zu Beginn des Jahrtausends drängte das Ministerium nach einem eindeutigen Schulprofil in Form von „Profilkursen, nämlich der Kombination von zwei Fächern/Kursen mit identischen Lerngruppen. In der Fortsetzung der Richtlinien Sek I sollte auch die Struktur der Oberstufe so verändert werden, dass fächerverbindendes/fachübergreifendes Lernen durch die inhaltliche und methodische Verknüpfung gefördert und in stabilen Lerngruppen kooperatives Arbeiten ermöglicht würden. Als Nebeneffekt erhoffte sich das Ministerium durch eine Koppelung die Stützung bzw. Erhaltung „kleiner“ oder „Orchideen“fächer.

Dem Oberstufenkoordinator und Schulleiter erschlossen sich sogleich die Nachteile, denn eine schulische Profilsetzung schränkte die Wahlmöglichkeiten noch mehr ein, zumal anfangs sogar auch an Koppelungen Leistungskurs/Grundkurs oder Grundkurs/außerunterrichtliche Veranstaltung gedacht war. Schließlich würde die technische Umsetzung der Koppelung den Stundenplan der Oberstufe außerordentlich aufblähen und manche gewünschte Kurskombination unmöglich oder unerträglich machen. Da mit einer Profilbildung auch keine zusätzliche Lehrerzuweisung verbunden war, hingen die Koppelungsmöglichkeiten der Kurse von der zufälligen Lehrerausstattung der jeweiligen Schule ab und passten oft nicht in das bisherige Profil.

Selbst den Pläneschmieden des Ministeriums schienen die Folgen ihrer Vorgaben bewusst zu werden, da sie bald die Leistungskurse von der Profilbildung ausschlossen und diese auf die Pflichtkurse beschränkten, um weitere Zwänge abzubauen und die Wahlmöglichkeiten nicht noch mehr einzuschränken. Eine Umsetzung sollte 2003/2004 oder 2004/2005 erfolgen, so dass der Schulleiter zunächst erst einmal auf weitere Abänderungen hoffte.

Wenn es sich nicht vermeiden ließ, wollten er und der Oberstufenkoordinator nur eine Koppelung mit den Grundkursen Deutsch und Mathematik, die ohnehin parallel im Stundenplan lagen, zulassen. Umfragen in den Jahrgängen ergaben einen möglichen Wunsch nach einer Kombination Deutsch mit Geschichte oder Kunst/Literatur und Mathematik mit Wirtschaftswissenschaft oder Biologie. Die inhaltliche und methodische Zuordnung der Fächer hätte das Kollegium allein vornehmen müssen, denn noch fehlten jegliche Hilfen, Vorgaben und Fortbildungen.

 

11.17.3 Begabtenförderung: Einführung des „Drehtürmodells

 

Pünktlich erhielt die Behörde im Schuljahr 2000/2001 den gewünschten Entwurf des Schulprogramms, den der Dezernent auswerten und mit der Schulleitung besprechen wollte, damit er anschließend der Schulkonferenz vorgestellt würde. Gleichzeitig begann die ständige „Evaluation“: die Auswertung der laufenden Projekte und Verfahren und deren Überprüfung auf Ergänzung und Weiterführung. „Alles ist im Fluss“ so der Schulleiter, der das Schulprogramm als ein permanentes Arbeitsprogramm charakterisierte, das sich den aktuellen und zukünftigen Erfordernissen anpassen müsse.

Im Rahmen der Profilbildung der Gymnasien spielte die Begabtenförderung – verbunden mit der Schulzeitverkürzung – eine wichtige Rolle. Dazu boten sich im Wesentlichen drei Vorgehensweisen an:

  1. Individuelle Begabtenförderung (Förderung des einzelnen Schülers für das Überspringen einer Klasse);
  2. Einführung von „Profilklassen“ mit besonders begabten Schülern ab Klasse 7 (Neubildung einer „Turbo“klasse, in der der Stofferwerb so beschleunigt voranschreitet, dass am Ende der Klasse 10 die Stufe 11 übersprungen werden kann);
  3. Drehtürmodell“: In den Klassen 7 bis 10 werden besonders Begabte punktuell in einzelnen Fächern aus dem Klassenverband herausgenommen und in neue Sachverhalte der nächst höheren Klasse eingeführt – mit der Auflage, auch das in ihrer Stammklasse während ihrer Abwesenheit Versäumte nachzuholen; nach einer gewissen Zeit erfolgt dann das Springen.

Auch „Schülerwettbewerbe“ sollten im Rahmen der Begabtenförderung eingesetzt werden.

 

Das Beethoven-Gymnasium entschied sich für das Springerprogramm nach dem „Drehtürmodell“: Übergang nach dem ersten Halbjahr der Klasse 10 in das zweite Halbjahr der Stufe 11 (von 10,1 nach 11,2). Für einen längeren Beobachtungszeitraum in Klasse 9 stand den Kolleginnen und Kollegen ein Kriterienkatalog zur Verfügung (Begabung, Reife, Gesundheit, usw.); im zweiten Halbjahr wurden Eltern und Schüler über das Förderprogramm informiert und dann gezielt angesprochen. Die Entscheidung des Springens konnte jederzeit zurückgenommen werden. Das Förderprogramm für den Stoff von 10,2/11,1 begann im ersten Halbjahr der Klasse 10 in den Fächern Mathematik, Deutsch, Chemie und Französisch in ca. fünf Wochenstunden in der Regel nach dem Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler mit Griechisch als dritter Fremdsprache konnten von Beginn an in den Kurs „Französisch neu“ in 11,1 einsteigen.

Es nahmen allerdings nicht alle Vorgeschlagenen an dem Programm teil, weil sie einen Auslandsaufenthalt in 11,1 vorzogen. Die Fachkonferenzen legten für die anderen Fächer außerdem fest, was in 11,2 noch nachzuholen war; auch während dieser Zeit wurden die Springer besonders betreut. Nicht allen Teilnehmern fielen die Herausnahme aus dem Klassenverband und der Einzug in einen neuen, unbekannten Jahrgang leicht. Es war sogar ein Rückgang in die alte Klasse zu beklagen wegen nicht geglückter Integration und nachfolgender Leistungsschwächen, ein Beweis, dass die Betreuung der Springer sich nicht auf das fachliche Gebiet beschränken durfte.

 

11.17.4 Sprachliches „Enrichment“: Reaktion auf den Englischunterricht in den Grundschulen

 

Um das Schulprofil noch weiter zu schärfen, schlug der Schulleiter eine Erweiterung des Fremdsprachenprogramms in der Erprobungs- und Mittelstufe vor (sprachliches „enrichment“). Er hielt es für möglich und zweckdienlich, die dritte Fremdsprache – allein im Hinblick auf eine sich abzeichnende Schulzeitverkürzung – schon jetzt in Klasse 8 beginnen zu lassen (Erleichterung des Springens, Erweiterung der Sprachkompetenz), jedoch ohne Versetzungsrelevanz, um nicht die bestehende Versetzungsordnung zu unterlaufen.

Darüber hinaus erachtete er es als eine dringende Notwendigkeit, auf die Tatsache zu reagieren, dass die Grundschüler demnächst mit Englischkenntnissen überwechselten (spätestens ab 2003/2004 im dritten Grundschuljahr für alle verpflichtend, wobei einige Grundschulen dies schon praktizierten) und diese Sprache natürlich weiter nehmen wollten. Ein Lateinbeginn in der Klasse 5 würde auf Dauer nur akzeptiert, wenn gleichzeitig Englisch in irgendeiner Form fortgesetzt werden und darauf der reguläre Englischunterricht ab Klasse 7 aufbauen könnte. Eine Konzeptionsgruppe „Latein plus“ prüfte, ob das Modell, „Lateinbeginner mit Grundkenntnissen in der englischen Sprache in Klasse 5 nur mittels mündlicher englischer Übungen zu fördern, dienlicher sei als der Vorschlag, die englische Schriftsprache und Sprachstruktur-Vorstudien zusätzlich einzubeziehen“. Jedenfalls herrschte Einigkeit darüber, dass bis zum Beginn der Klasse 7 grammatische Strukturen beherrscht werden müssten. In den zwei Jahren „Latin plus“ sollten die Schülerinnen und Schüler lernen, „wie anders eine gesprochene Sprache gegenüber einer Schriftsprache funktioniert“.

Im zweiten Halbjahr 2001/2002 wurde dieser zweistündige Zusatzkurs erstmalig getestet, wobei die unterschiedlichsten Vorkenntnisse sich fast bei jedem einzelnen Teilnehmer offenbarten, und die Fachlehrerin nahezu beim Punkte „Null“ beginnen musste. Ab dem Schuljahr 2002/2003 stand dann regulär für die Lateinklassen 5 neben Latein auch „Latein plus“ auf dem Stundenplan.

 

Darüber hinaus drängte der Schulleiter – schon aus Gründen der Gleichbehandlung – auf eine Kompensation für die Englischbeginner. Da die Lateinschüler früher als im heutigen Deutsch- oder Englischunterricht schneller und intensiver „Grammatik lernen, Strukturen erkennen, ungewohnte semantische Differenzierungen vornehmen“ mussten (Fähigkeiten, die später in allen Bereichen und Zusammenhängen notwendig waren), kam die Idee auf, den Englischanfängern ein „ergänzendes zweistündiges Sprachangebot“ zu geben, „das den Kindern behutsam und einsehbar den Reiz, Anspruch und Nutzen formaler Sprachbetrachtung vor Augen“ führte.

Eine Arbeitsgruppe „Sprachwerkstatt“ entwickelte Ideen, wie in der Klasse 5 Deutsch und Mathematik „fördernde Zubringerdienste“ leisten könnten. „Konzentration“ und „Exaktheit“ würde auch der Deutschunterricht vermitteln: z. B. durch „Konzentrationsübungen, Wörterbucharbeit und Hinführung zum Verstehen von Wörterbucheintragungen, Wortbildung, Anlegen von Wortfeldern, Lernen von Fachbegriffen, spielerisches Gliedern von Sätzen mittels Kärtchen und Würfeln, Förderung von Textverständnis durch Vereinfachen, Verändern, Umformen von Kinderbuchtexten, usw.“ Im Mathematikunterricht sah man eine Möglichkeit, den formalen Aspekt zu vermitteln: z. B. „durch Handlungsanleitungen“ die Mathematik aus der „Sprachlosigkeit“ herausführen, den in der Mathematik verwandten Wörtern „auf den Grund“ gehen, Rechenarten und -wege genau formulieren, Spiele beschreiben und ihre Regeln untersuchen. So sollte im ersten Halbjahr der Klasse 5 in dem zweistündigen Zusatzkurs „Sprachwerkstatt“ die „Schulung formaler Fähigkeiten“ durch ergänzenden Sprachunterricht in Deutsch geschehen, während im zweiten Halbjahr der „Zusammenhang von Mathematik und Sprache“ bewusst zu machen war.

In der Klasse 6 war die Unterrichtseinheit „Latein und Europa“ vorgesehen, um „Interesse am Latein und Verständnis für den Sinn des Lateinunterrichts zu wecken“ und gleichzeitig eine sinnvolle Ergänzung des Geschichtsunterrichts zu geben. Mit der Umsetzung im Schuljahr 2002/2003 hätte man gleichwertige Voraussetzungen für die Bewältigung der Mittel- und vor allem der Oberstufe geschaffen.

 

Die Antwort des Ministeriums auf den Antrag der Schule (Einführung von „Latein plus“ und „Sprachwerkstatt“, Vorziehen der dritten Fremdsprache) mit der Interpretation des Dezernenten vom 29. April 2002 fiel ernüchternd aus, wenn auch Idee und Fleißarbeit Anerkennung erfuhren:

  1. Alle Vorschläge zu dem sprachlichen „enrichment“ müssten kostenneutral sein, so dass kein Anspruch auf eine Lehrerstellenzuweisung abgeleitet werden könne. 2. „Latein plus/Sprachwerkstatt“: Die Höchststundenzahl pro Woche von Klasse 5 bis 10 für die beiden Fremdsprachen Latein/Englisch bzw. Englisch/Latein (insgesamt 39 Stunden) dürften nicht überschritten werden. Diese 39 Stunden wurden aber bisher allein für den normalen Unterricht in Latein/Englisch ausgeschöpft. Die zusätzlichen 4 Stunden für „Latein plus/Sprachwerkstatt“ in Klasse 5/6 müssten also von den 39 Stunden abgezweigt, d.h. das Angebot in der ersten und zweiten Fremdsprache um 4 Stunden gekürzt werden.
  2. Vorziehen der dritten Fremdsprache: Da hierfür nur 8 Wochenstunden in Klasse 9/10 zur Verfügung standen, müssten diese dann auf drei Jahre (Klasse 8 bis 10) verteilt oder die Stunden für die erste und zweite Fremdsprache noch mehr gekürzt werden.

Unter diesen Umständen wollte das Kollegium erst einmal abwarten und den Beginn von Griechisch/Französisch zunächst bei Klasse 9 belassen. „Latein plus/Sprachwerkstatt“ sollte aber wie geplant ab 2002/2003 durchgezogen werden. Die Verbuchung in der Unterrichtsverteilung bei ungekürztem Angebot der ersten und zweiten Fremdsprache war Sache des Schulleiters. Der aber sah seine dunklen Ahnungen bestätigt, dass ab 2005 ohnehin völlig neue Vorgaben zu erwarten waren und viele Bemühungen um „enrichment“ zur Makulatur werden ließen.

 

Während der Arbeiten am Schulprogramm kamen Schulleiter und Schulpflegschaftsvorsitzender auf die Idee, im Vorgriff eine Art „Kurzbroschüre“ herauszugeben, die das Schulprofil klar herausstellte und das Schulprogramm in Kurzfassung darstellte, um neuen Eltern und Interessierten einen schnellen, aber einprägsamen Einblick in die charakteristischen Merkmale des Beethoven-Gymnasiums zu vermitteln. Eine Sammlung in der Elternschaft, großzügige Spenden und der Zuschuss der „Freunde und Förderer des Beethoven-Gymnasiums“ ermöglichten die Finanzierung. Schulleitung und einige Kolleginnen und Kollegen lieferten Texte und Bilder, die von einer durch den Schulpflegschaftsvorsitzenden eingeschalteten Werbeagentur zu einer Broschüre bearbeitet bzw. zusammengestellt wurden. Da deren Sprache nicht unseren Adressatenkreis ansprechen würde, ließ der Schulleiter noch einmal die Texte umschreiben und dann mit der spendablen Unterstützung der Eltern die Kurzbroschüre drucken.

 

11.18 Sonnenfinsternis, Jahrtausendwende und Ausklang der Schulleitertätigkeit

 

Das Jahr 1999, in dem die Hauptphase der Fertigstellung des Schulprogramms begann, zeichnete sich – im Hinblick auf die Jahrtausendwende – durch Auffrischungen von Nostradamus-Weissagungen, Weltuntergangsszenarien und Katastrophenvoraussagungen aus, ohne dass sich allerdings das Kollegium durch selbst ernannte Auguren in seiner fleißigen Arbeit beeinflussen ließ. Ein Himmelszeichen wollte der Schulleiter indessen nutzen: die totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999. Während das Chronogramm des goldenen Geburtsjahres der Bundesrepublik den „dahinfliegenden Jahren“ („Labentibus annis“, Dr. Frings) trotz leichter Wehmut etwas Gutes abgewinnen konnte, wollte der Schulleiter dem Kollegium einen Moment des Innehaltens und der Besinnung gönnen und veranlasste an diesem Tag einen Ausflug in den Kernschatten der Sonnenfinsternis in der Nähe von Karlsruhe. Ein Kollege leistete sich noch kurz vor seiner Pensionierung ein Meisterstück und bereitete mit einem Vortrag und selbst gefertigten Modellen das seltene Naturereignis bei aller Wissenschaftlichkeit auch für Lehrer verständlich vor.

So ging es erwartungsvoll und frohgemut mit dem Zug und dann zu Fuß zu dem vorher erkundeten, „idealen“ Beobachtungsfeld, wo allerdings der wolkenverhangene Himmel die mitgebrachten, dunkel getönten Beobachtungsscheiben nutzlos erscheinen ließ. Nur für Sekunden riss ab und zu der Wolkenschleier auf und gab einen flüchtigen Blick auf die zu- bzw. abnehmende Sonnenbedeckung frei. Unvergesslich und beeindruckend blieb indessen die sich bis zur absoluten Stille entwickelnde völlige Geräuschlosigkeit der Natur und Umgebung während der totalen Sonnenfinsternis. Dann setzte anhaltender Regen ein, der das Kollegium auf dem Wege zum verdienten Imbiss völlig durchnässte, aber angesichts des unvergesslichen „Stillehaltens“ und der Nachlese des Erlebten schnell vergessen war. Die zu Hause gebliebenen Schülerinnen und Schüler hatten bei ihrer Beobachtung dagegen mehr Glück.

 

Nichts sei beständiger als die Veränderung der Bestimmungen für Schule und Unterricht. Diese Erfahrung musste der Schulleiter während seiner ganzen Dienstzeit machen. Die Halbwertzeiten der Verordnungen und Erlasse verkürzten sich beängstigend, zumal eine langfristige Erprobung und Auswertung einschneidender Maßnahmen kurzfristigen politischen Erfolgen im Wege standen. Wie beim sprachlichen „enrichment“ glaubte der Schulleiter ohnehin an eine andere Weichenstellung um das Jahr 2005.

Nach mir die Evaluation“, sagte er beruhigend zu sich und dem Kollegium, weil er aus Altersgründen nicht mehr länger im Dienst bleiben durfte. „Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein“, zitierte der Chronist des Jahresberichtes 2004 Andreas Gryphius, um „Vergänglichkeit und Wandel“ im Sommer 2003 auch am Wechsel der Schulleitung vor Augen zu führen. „Einen überwältigenden Abschied“, so berichtete der General-Anzeiger nach dem letzten Schultag am 30. Juli 2003, „bereiteten Schüler und Lehrer des Beethoven-Gymnasiums gestern ihrem Direktor Helmut Kötting. Sie holten ihn mit dem Schiff ‚MS Beethoven’ in Oberkassel ab und legten unter dem Jubel wartender Mitschüler in Bonn an. Durch ein langes Spalier Jungen und Mädchen, die den Weg vom Anleger bis zur Schule mit Blumen und Plakaten säumten, schritt Kötting sichtlich bewegt seinem letzten Arbeitstag entgegen“.