9.4.3 Die Neuentwicklung der beiden Schülervereine: GTV und GRV

Aus der damaligen rührigen Unterprima (Stufe 12), die 1947 in Gemünd den Schutt aufräumte, erwuchs die Keimzelle des neuen GTV, der sich aber erst nach der intensiven Förderung durch zwei Sportlehrer zu seiner alten Bedeutung entwickelte und schon im Dezember 1955 ein erstes Schauturnen veranstaltete, das einen „erfreulichen Leistungsfortschritt“ zeigte. Dank jahrelanger zielbewusster Aufbauarbeit durch seinen Protektor, einen Sportlehrer des Beethoven-Gymnasiums, konnte sich der GTV 1957 an öffentlichen Wettkämpfen beteiligen und „erregte mit seinen Leistungen und seinen Erfolgen die Anerkennung und das Erstaunen der rheinischen Turnwelt“. Um 1960 war die Epoche des Neuaufbaus und des Aufstieges des GTV nach dem Zweiten Weltkrieg beendet. Wie seit 1919 gingen die aktiven Mitglieder nach dem Abitur in den Altherrenverband über, der alljährlich zu Pfingsten sich zu einem großen Treffen in Gemünd zusammenfand.

 

Ähnlich wie 60 Jahre vorher leistete der Akademische Ruder-Club Rhenus zu Beginn der 50er Jahre wieder Schützenhilfe beim Aufbau des Schülerruderns. 1954 gründete er eine Schülerriege aus allen Bonner Gymnasien und stellte sein Clubhaus und Bootsmaterial zur Verfügung. Dank der Förderung durch die Schule wuchs seit 1956/57 am Beethoven-Gymnasium die Zahl derjenigen Schüler, die sich für den Rudersport interessierten, so sehr, dass eine ständige Beaufsichtigung durch die drei Sportlehrer nicht mehr möglich war. Sie ließen daher gute und zuverlässige Schüler als Steuerleute ausbilden und ergänzten die vorhandenen drei Boote durch die Beschaffung zweier weiterer, um die vielen Interessenten am Schülerrudern zufrieden zu stellen.

Ostern 1958 konnte somit der Gymnasial-Ruderverein (GRV) wieder gegründet werden. Die ausgebildeten Schüler übernahmen nunmehr das Rudern der Fortgeschrittenen in eigener Regie, assistiert von dem Protektor, einem Sportlehrer des Kollegiums. 50 bis 70 Schüler bildeten damals den aktiven Verein, der sich allmählich einen festen Jahresablauf für seine Übungen, Ruderfahrten und sein Vereinsleben schuf: Die zukünftigen Steuerleute gingen im Winterhalbjahr zu ihren Lehrgängen, während die Anfänger- und Trainingsmannschaften im „Ruderkasten“ (unter dem Foyer des Aulagebäudes) ausgebildet wurden. Bei günstiger Witterung begann im Frühjahr das Rudern auf dem Rhein; in den Pfingst- und Sommerferien wurden die größeren Wanderfahrten auf der Lahn, der Mosel, der Weser, der Donau oder nach Holland unternommen. Die gut Trainierten nahmen zwischendurch an mehreren Regatten teil; eine eigene Vereinsregatta für alle Mitglieder und das Stiftungsfest ließen das „Ruderjahr“ ausklingen.

 

In dem Bemühen der Schule, „eine Erziehung zum Geist der Gemeinschaft und zur Freude an dieser Gemeinschaft“ zu verwirklichen, nahm auch die musische Erziehung in Musik, Kunst, Theaterspiel, Chor und Orchester einen bedeutenden Platz ein. Fast in jedem Jahr gab es ein Schulfest, öffentliche Aufführungen, Ausstellungen, Schulkonzerte, einen Theaterabend, gelegentlich eine Gedächtnisfeier für einen bedeutenden Dichter oder Musiker, „vaterländische“ Gedenkstunden; zu allen Veranstaltungen im Jahr trugen Chor und Orchester bei.

9.4.4 Bewahrung der Tradition angesichts sich ankündigender Veränderungen gymnasialer Struktur und Methodik